Baden-Badener Stiftung hilft benachteiligten Menschen

Baden-Baden (vr) – 1993 hat Ingeborg Trahms-Radloff die gleichnamige, gemeinnützige Stiftung gegründet. Vorrangig junge Auszubildende aus dem Pflegebereich wurden zu Beginn unterstützt.

Ingeborg Trahms-Radloff, hier im Jahre 1996, hat sich bis zu ihrem Tod um die Belange ihrer Stiftung gekümmert. Foto: ITRAS, Repro Veruschka Rechel

Ingeborg Trahms-Radloff, hier im Jahre 1996, hat sich bis zu ihrem Tod um die Belange ihrer Stiftung gekümmert. Foto: ITRAS, Repro Veruschka Rechel

Die 1915 in Bremen geborene Ingeborg Trahms-Radloff verlor ihren Ehemann im Zweiten Weltkrieg. Da sie kinderlos war und blieb, widmete sie sich voll und ganz ihrer Arbeit und ihrem wohltätigen Engagement. In Baden-Baden gründete sie eine gemeinnützige Stiftung.

Direkt nach Kriegsende arbeitete Trahms-Radloff beim Weser-Kurier in Bremen, avancierte danach zur Geschäftsführerin eines Stuttgarter Buchverlages und übernahm später die Geschäftsführung der „Walt Disney Productions“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie machte die Figuren Walt Disneys wie Bambi und Micky Maus im deutschen Sprachbereich populär. Zuletzt wurde sie Inhaberin der „Literarischen Agentur Interbooks“ in Zürich. Zu den von ihr vertretenen Schriftstellern gehörten auch einige aus dem damaligen Ostblock, denen es leichter fiel, deutschsprachige Bücher in der Schweiz herauszugeben, beispielsweise Václav Havel.

Wohnhaus zur Verfügung gestellt

1993 gründete Ingeborg Trahms-Radloff eine gleichnamige, gemeinnützige Stiftung (ITRAS), über die sie in der Weinbergstraße 15 in Baden-Baden ein komplett renoviertes und ausgestattetes Wohnhaus zu Verfügung stellte. Es verfügt über 19 komplett möblierte Wohnräume und Appartements mit bis zu 22 Quadratmeter Fläche. Auf jeweils zwei Wohnräume kommen ein kleines Bad mit WC sowie eine Küche oder Kitchenette.

Hier sollten sozial benachteiligte Menschen, vorrangig junge Auszubildende aus dem Pflegebereich, zum Selbstkostenpreis wohnen und lernen können. Bis heute unterstützt die ITRAS außerdem junge Menschen bei der Finanzierung von Ausbildung und Studium, vorzugsweise in der Altenpflege. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde Ingeborg Trahms-Radloff im November 2000 von der damaligen Oberbürgermeisterin Dr. Sigrun Lang mit der Baden-Baden-Medaille geehrt.

Bis zu ihrem Tod am 9. Dezember 2010 arbeitete die Stifterin viel und gerne, wie sie immer wieder betonte. Sie starb, wie sie gelebt hatte: ohne viel Aufhebens um ihre Person. Sie hatte sich abends noch einen Krimi angesehen, wollte danach schlafen gehen und fiel beim Ausziehen tot ins Bett. Ihr größter Wunsch für die Zeit nach ihrem Ableben war, dass auch diejenigen, die nach ihr auf die Geschehnisse der Stiftung Einfluss haben, stets verwirklichen, was ihr immer ein Herzensanliegen war.

Ihr Wunsch wird bis heute erfüllt. 2007 hatte sie den Vorstandsvorsitz der ITRAS an ihren Neffen, Thomas H. Starke, übergeben, der Redakteur beim Badischen Tagblatt war. Dieser führte die Stiftung ganz im Sinne seiner Tante. So wurde unter anderen eine Medizinstudentin unterstützt, die durch einen Schwangerschaftsdiabetes erblindete, aber trotzdem unbedingt Logopädin werden wollte. ITRAS ermöglichte ihr die Ausbildung auf der Medizinischen Akademie Baden-Baden, die sie als Beste abschloss. Oder die Stiftung beteiligte sich an den Kosten der Malteser Lourdes Pilgerfahrt der Erzdiözese Freiburg.

Das Haus in der Weinbergstraße in Baden-Baden ist sehr zentral gelegen. Foto: ITRAS, Repro Veruschka Rechel

© vr

Das Haus in der Weinbergstraße in Baden-Baden ist sehr zentral gelegen. Foto: ITRAS, Repro Veruschka Rechel

Vor drei Jahren vermietete die ITRAS das Haus an das Kinder- und Jugendheim Baden-Baden. Seitdem wohnen dort Jungen und Mädchen aus dem Heim ab 18 Jahren, die zwar schon in der Ausbildung sind, aber noch eine gewisse Betreuung brauchen.

Als Starke 2018 starb, trat Ehefrau Regina seine Nachfolge an. „Da die Stiftung meinem Mann tatsächlich sehr am Herzen lag, war es für mich selbstverständlich, den Vorstandsvorsitz von ihm zu übernehmen, damit er wenigstens so lange in der Familie bleibt, wie ich lebe“, betont sie. Regina Starke setzte sogar noch eins drauf und rief 2019 den jährlichen, mit 3.000 Euro dotierten Thomas-Starke-Förderpreis für die drei besten Absolventen der Fachweiterbildung des Bereichs Altenpflege der Robert-Schuman-Schule in Baden-Baden ins Leben.

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Erstellt:
17. August 2021, 14:00 Uhr
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