Baden-Badener Theater plant inklusive Gruppe

Baden-Baden (sga) – „Einfach trauen und ausprobieren!“ Das sagt Richard Pfund. Er ist der erste Teilnehmer des inklusiven Workshops „All inclusive“ des Baden-Badener Theaters.

Können es kaum abwarten: Richard Pfund, Nora Welsch und Isabell Dachsteiner (von links) freuen sich über jeden, der Teil des Projekts sein möchte. Foto: Sarah Gallenberger

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Können es kaum abwarten: Richard Pfund, Nora Welsch und Isabell Dachsteiner (von links) freuen sich über jeden, der Teil des Projekts sein möchte. Foto: Sarah Gallenberger

Die Augen von Richard Pfund leuchten, wenn er von den Geschichten erzählt, die er gerne schreibt. Als kreativer Mensch probiert er sich gerne aus, „ich will mich weiterentwickeln“, auch wenn die Voraussetzungen dafür leider nicht die bequemsten sind. Denn Pfund lebt mit einer Behinderung, die es ihm nicht immer einfach macht.

In der Schule habe es etwas Zeit gebraucht, bis seine Klassenkameraden normal mit ihm umgegangen sind. Dabei ist der 26-Jährige ein geselliger junger Mann, der nichts lieber tun würde, als seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Deshalb ist seine Freude über den neuen Workshop „All inclusive“ des Baden-Badener Theaters besonders groß.

Initiiert von Nora Welsch soll das Projekt Menschen mit und ohne Handicap zusammenbringen. Als kommunale Behindertenbeauftragte der Stadt Baden-Baden wisse sie, wie sich Betroffene fühlen. Ihre Idee für den Workshop ist für Welsch ein großer Erfolg und „eine Möglichkeit, die Facetten anderer Menschen kennenzulernen“.

Mit Isabell Dachsteiner hat Welsch eine Projektleitung gefunden, die vor allem die „große Vielfalt“ der einzelnen Teilnehmer, aber vor allem Menschen in den Vordergrund stellen möchte, die „sich sonst nicht repräsentiert sehen“. Mit „All inclusive“ haben eben diese Personen die Möglichkeit, auf die Bühne zu kommen, um sich nach ihren Möglichkeiten und Ideen künstlerisch ausdrücken, ihr Bewegungs- und Spielrepertoire durch den Einsatz von Körper und Stimme weiterentwickeln und beim Erfinden von Figuren Spaß haben zu können. Und das beste: Der Workshop ist vorerst eine Auftaktveranstaltung, „aber langfristig planen wir eine feste Theatergruppe, die dann auch einen Auftritt vorbereitet“.

„Als Behinderter müssen Hemmungen abgebaut werden“

„Theater kann ganz viel sein“, findet Dachsteiner. Deshalb sei es auch eine besondere Freude, mit der ausgebildeten Musicaldarstellerin und Tanzpädagogin Sandra Maria Germann den Workshop realisieren zu können. Auch Theaterpädagogin Helena Mußler wird dabei sein, „beide leben selbst mit Einschränkungen“, weiß Welsch.

Die Entscheidung für das Leitungsteam sei ganz bewusst so gefallen, weil die Gruppe ganz anders arbeite, „wenn das Verständnis da ist“. Das findet auch Pfund schön, denn zu Beginn habe er durchaus darüber nachgedacht, dass seine Teilnahme eventuell nicht klappen könnte, weil er Probleme mit dem Sprechen hat. Aber: „Als Behinderter müssen Hemmungen abgebaut werden“, für Menschen ohne Handicap gelte das auch: „Einfach trauen und ausprobieren, es kann dabei ja nichts schief gehen.“

Seit Weihnachten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, mit dem Rotary Club Baden-Baden und der Sparkasse Baden-Baden/Gaggenau Stiftung sind bereits erste Förderer gefunden worden. Denn auch wenn der Workshop für die Teilnehmer nichts kostet, stecke laut Welsch natürlich eine notwendige Finanzierung dahinter, die mit dem Etat der Behindertenbeauftragten nicht zu stemmen ist. „All inclusive“ findet am Samstag, 23. Oktober (10 bis 14 Uhr) und Sonntag, 24. Oktober (14 bis 18 Uhr) statt. Das inklusive Theaterwochenende ist ab 16 Jahren, „jedes Alter darüber hinaus ist auch willkommen“, betont Dachsteiner. Für Fragen steht Welsch per E-Mail an
behindertenbeauftragte@baden-baden.de zur Verfügung, die Anmeldung erfolgt ebenfalls per E-Mail an theaterpaedagogik@baden-baden.de

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
24. September 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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