Baden-Badener Theaterprojekt im Streaming-Portal

Baden-Baden (sr) – Die Schließung aller Kulturstätten hat die Veranstalter vor große Probleme gestellt: Das Theater Baden-Baden hat jetzt seine erste Premiere im Internet gestreamt.

Vier Schauspieler des Theaters Baden-Baden und Bürger der Stadt sind am Theaterprojekt „Stadt Land Oos“ beteiligt. Foto: Jochen Klenk/Theater Baden-Baden

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Vier Schauspieler des Theaters Baden-Baden und Bürger der Stadt sind am Theaterprojekt „Stadt Land Oos“ beteiligt. Foto: Jochen Klenk/Theater Baden-Baden

Die Theater sind geschlossen, für wie lange, das weiß zur Zeit wohl niemand. In Baden-Baden fand jetzt erstmals eine Premiere im Internet statt – die bereits zuvor aufgezeichnete Inszenierung von „Stadt Land Oos“, einem soziokulturellen Theaterprojekt von Michael Uhl, ist noch viermal über das Portal Spectyou abrufbar.

Regisseur Michael Uhl hat nach seinem „Welterben“-Stück 2019 nun zum zweiten Mal Baden-Badener Bürger befragt und die Gespräche aufgezeichnet. In diesem Projekt geht es um das Zusammenleben, um das „Wir“. Dabei wird den Frauen und Männern, die heute in Baden-Baden leben oder hier schon geboren wurden, unterschiedlich viel Platz eingeräumt. Manche erzählen von ihrem Engagement im Stadtteil („Was man nicht selbst im Dorf macht, gibt es eben nicht“), andere erinnern sich noch an Fluchterfahrungen während des Zweiten Weltkriegs, wieder andere sind erst vor wenigen Jahren hier angekommen, aus Afrika, aus Russland, aus der Türkei. Sie haben alle die Erfahrung gemacht, dass es gut für sie ist, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Alle engagieren sich in Musikvereinen, im Stadtteilleben oder in Institutionen wie dem Jugendforum.

Ich bin Ich und wer bist Du?

Die per Video aufgezeichneten, betont sachlichen, gelegentlich berührenden Erzählungen der Bürger werden auf einer viergeteilten Videowand attraktiv zugespielt. Davor agieren vier Schauspieler – Nadine Kettler, Berth Wesselmann, Jonathan Bruckmeier und Lukas-Samuel Juranek – auf der Bühne und symbolisieren in dem einstündigen Stück die menschliche Entwicklung vom Einzeller zur Gesellschaft. Dieser parabelhafte Teil hat allerdings zu viel Nähe zum Kindertheater: Ich bin Ich und wer bist Du?

Die Musik ist das Verbindende in diesem sperrigen Stück: Einige Baden-Badener sangen vor der Videokamera Lieder ihrer Geburtsländer, andere spielen ein Stück auf ihrem Hobby-Instrument oder rappen. Die Musikbeiträge der Schauspieler auf der Bühne greifen immer wieder Themen aus den einzelnen Erzählungen der Baden-Badener auf und münden einmal in einen schrägen Song zum Gumpenfest in Oosscheuern. Flott und klangvoll gesungen sind auch die Songs von Billy Joel, häufiger aber klingt es nach musikalischer Früherziehung.

Am Ende kommen zu den live auf der Bühne stehenden Profis noch Leonie Ganyou Diefe und Margarete Seckler aus der Videowand dazu, sie wechseln quasi aus dem virtuellen in den realen Raum und beenden das Stück singend und Saxofon spielend.

Michael Uhl nannte sein Projekt im Vorgespräch ein „Weihnachtsmärchen für Erwachsene“ – viel Magisches ist von dieser Idee unter Corona-Bedingungen nicht geblieben. Das wäre sicher live im Theater anders.

Ihr Autor

Sabine Rahner

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Erstellt:
14. Dezember 2020, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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