Baden-Badener Traditionsgeschäft schließt

Baden-Baden (nof) – Nach über 40 Jahren schließt Wilhelm Lehner sein Haushaltswarengeschäft in der Lichtentaler Straße.

Wilhelm Lehner in seinem Refugium: Nach vier Jahrzehnten schließt der 82-Jährige sein Haushaltswarengeschäft in der Innenstadt.  Foto: Nico Fricke

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Wilhelm Lehner in seinem Refugium: Nach vier Jahrzehnten schließt der 82-Jährige sein Haushaltswarengeschäft in der Innenstadt. Foto: Nico Fricke

Vom Salzsteuer bis zum Nussknacker, vom Ausstecher bis zur Pfanne: Es gibt wohl kein Küchenutensil, das Wilhelm Lehner nicht in seinem kleinen Geschäft in der Lichtentaler Straße aus dem Regal zaubern kann. Vier Jahrzehnte fanden Kunden bei ihm alles Vorstellbare und auch Spezielles rund um das Thema Hotel- und Küchenbedarf. Doch nun ist Schluss.

Lehner schließt sein Haushaltswarengeschäft zum Monatsende. Gleich mehrere Faktoren seien zusammengekommen, sagt er: „Corona, das Alter – und der Pachtvertrag ist auch ausgelaufen. Das hat die Entscheidung für ein sofortiges Ende etwas erleichtert.“ Mit Leib und Seele hat Lehner sein Geschäft betrieben, stand auch noch in einem Alter, in dem andere längst in Rente sind, im Laden, um seine Kunden zu beraten. „Ich fühle mich halt noch fit“, sagt der 82-Jährige.

Lockdown und Internetkonkurrenz setzen Einzelhändler zu

Doch seit etwa zwei Jahren seien die Umsätze deutlich zurückgegangen. „Das Internet setzt dem Einzelhandel sehr zu“, stellt Lehner fest. Dann kam Corona hinzu. „Erst der Lockdown im vergangenen Frühjahr und jetzt nochmals der seit Dezember treffen uns schwer. Das ist ein Totalausfall.“ Die Gastronomie werde sich so schnell nicht erholen, befürchtet er: „Da ist jetzt kein Geld für Investitionen vorhanden.“ Doch vor allem Hotels und Restaurants zählen zu seinen wichtigsten Kunden. So sei er zu dem Entschluss gekommen, das Geschäft zu schließen – fast genau 40 Jahre nach der Eröffnung.

„1980 habe ich hier angefangen, zunächst mit meiner Tochter Christine, später allein“, blickt Lehner zurück. Damals, schon im mittleren Alter, habe er den Mut gefasst, sich selbstständig zu machen. Zuvor war er 25 Jahre in der Branche im Außendienst tätig.

Weltweiter Kundenstamm

Auf einen weltweiten Kundenstamm kann Lehner zurückblicken: „Nach Österreich, Frankreich und in die Schweiz haben wir alles zum Thema Küchenbedarf geliefert.“ Aber auch in Übersee zählte man auf die Waren aus dem Hause Lehner. „In den USA oder in Dubai. Sachen, die es dort nicht zu kaufen gab.“

Stolz ist Lehner auch auf seinen Kundenkreis vor Ort: Das Hotel „Bühlerhöhe“ habe er einst ausstatten dürfen, das „Brenners“ gehörte dazu und auch das Kurhaus. Und natürlich die Kundschaft im Laden. Den Plausch habe er immer sehr geschätzt und die Möglichkeit, sein über Jahrzehnte angesammeltes Fachwissen weitergeben zu können. „Ich kenne die Kniffe und Tricks der Konditoren und Köche. Da hatte ich für die Kunden immer einen Tipp parat.“

Nun ist der Ausverkauf schon in vollem Gange. Soweit es die Corona-Regeln eben zulassen. „Wer anruft und einen Pfefferstreuer möchte, bekommt auch einen.“ Nur ein paar Tage sei er noch im Laden, „dann ziehe ich mich an den Sauersbosch zurück“, sagt Lehner schmunzelnd. Dort, von seinem Wohnhaus in Oberbeuern aus, werde er aber sicher noch dem einen oder anderen treuen Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In der Lichtentaler Straße fällt mit der Schließung von Lehner aber ein weiteres Traditionsgeschäft weg.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
24. Februar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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