Baden-Badener stellt Bugatti-Modelle her

Baden-Baden (nie) – Mit viel Leidenschaft: Der Baden-Badener Peter Rommel restauriert Oldtimer und fertigt kleine Bugatti-Modelle. Beim Oldtimer-Meeting ist er mit seinen Schätzen vor Ort.

„Mein Camionettel“: So nennt Peter Rommel liebevoll seinen Citroën B14 von 1927. Foto: Nina Ernst

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„Mein Camionettel“: So nennt Peter Rommel liebevoll seinen Citroën B14 von 1927. Foto: Nina Ernst

Die meisten Bugatti-Besitzer haben ihre Lieblinge in der Garage stehen, oder zumindest im Hof. Nicht so Peter Rommel: Ihm reicht der Platz im heimischen Wohnzimmer in Lichtental völlig aus – und dort stehen gleich fünf Modelle. Innig und leidenschaftlich geliebt von ihrem Besitzer, der gleichzeitig ihr Erbauer ist. Okay, die fünf Schätze sind nicht ganz vier Meter lang und der 76-Jährige kann sie mit zwei Händen hochhalten. Aber sie haben ihm dennoch die Mitgliedschaft im Molsheimer Bugatti-Club eingebracht, dem Ort im Elsass, an dem die Erfolgsgeschichte von Bugatti ihren Anfang nahm. Nur sitzt Peter Rommel eben nicht hinterm Steuer eines eigenen großen Wagens, sondern er nennt fünf Bugattis in Miniatur im Maßstab 1:8 sein eigen. Aus Metall gefertigt, stimmt dabei jedes noch so kleine Detail – da kann die Handbremse betätigt und die Motorhaube geöffnet werden. Drei Jahre lang, erzählt er, braucht er in seinem „Atelier“, um ein Modell zu fertigen.

Da stimmt jede Kleinigkeit: Peter Rommel mit einem seiner Miniatur-Bugattis und einem Pokal, den er bei einem vergangenen Oldtimer-Meeting gewinnen konnte. Foto: Nina Ernst

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Da stimmt jede Kleinigkeit: Peter Rommel mit einem seiner Miniatur-Bugattis und einem Pokal, den er bei einem vergangenen Oldtimer-Meeting gewinnen konnte. Foto: Nina Ernst

Sein „Atelier“ ist sein Haus – in Molsheim nennt man so die Produktionshalle der französischen Marke. Bohr- und Fräsmaschine, Drehbank, allerlei Werkzeug, Skizzen, Pläne – Rommel ist bis unters Dach ausgestattet, um den Bugattis Leben einzuhauchen. Ein einziges Modell hat er bisher verkauft – für sage und schreibe 12.000 Deutsche Mark. Die verbliebenen fünf sind unverkäuflich, auch mit deutlich höheren Angeboten kann man Rommel nicht locken, sonst „hab’ ich ja nichts mehr davon“ – die glänzenden Bugattis bleiben in Lichtental. Mit der Ausnahme, dass sie einmal im Jahr in den Kurpark dürfen. Auch ab Freitag wieder – dann richtet der sympathische Rentner beim Oldtimer-Meeting die Präsentationsfläche für die Miniaturen her. Und zwar direkt bei einem weiteren „Prunkstück“: Bei seinem „Camionettel“.

„Mit dem Jeep fahre ich viel“

So nennt er liebevoll den Citroën B14, Camionette Boulangère, Baujahr 1927. Mit diesem seltenen Fahrzeug wurde früher in ländlichen Gebieten Brot ausgefahren, heute steht es im „Atelier-Rommel“ im Hinterhof seines Hauses – und wie könnte es anders sein, auch ihn hat der Kfz-Meister selbst auf Vordermann und zum Laufen gebracht. Wenn Rommel neben dem „Camionettel“ steht und über den Benzinhahn, die Ersatzteil-Odyssee durch ganz Frankreich und die sechs Jahre Bauzeit erzählt, dann strahlt er übers ganze Gesicht. Ein Strahlen, das so echt ist, dass der Funke der Begeisterung sofort auf sein Gegenüber überspringt. Und man muss nur wenige Schritte zum nächsten Unterstand gehen, da begeistert der 76-Jährige mit amerikanisch-deutsch-französischen Zusammenhängen des Zweiten Weltkrieges – steht dort doch ein hellblauer Jeep der US Navy. „Er hat eine vierstellige Fahrgestellnummer“, sagt Rommel, er müsse also zu den ersten der insgesamt 70.000 gebauten Fahrzeugen dieser Art gehören. „Mit dem Jeep fahre ich viel“, und sein Sohn Jens besitze quasi das russische Gegenstück dazu.

Modelle und große Autos beim Meeting zu sehen

Apropos Jens: Mit einem Deal mit seinem Sohn hat die Oldtimer-Leidenschaft angefangen. „Du zahlst, ich schaffe“, habe Peter Rommel damals gesagt. Jens Rommel wollte nämlich damals einen eigenen Oldtimer, und 1997 im Kenia-Urlaub habe den Vater dann ein Fax seines Sprösslings erreicht mit der Aussage: „Vater, wenn du nach Hause kommst, wartet Arbeit auf dich.“ Und zwar Arbeit in Form eines MGA, Baujahr 1960. Die Vorfreude sei groß gewesen, aber „als ich ihn gesehen habe, hab ich mich nicht mehr gefreut“, blickt Peter Rommel zurück: „Nix ist mehr gegangen!“ Drei Jahre später lief der frischlackierte aschgraue Sportwagen dann wieder einwandfrei – bis heute. Und heute steht er nur einen Unterstand weiter neben dem Jeep und vervollständigt das Rommel-Trio. Auf die Drei und auf ihren Besitzer können sich die Besucher beim Internationalen Oldtimer-Meeting am Wochenende in Baden-Baden freuen, wo Rommel mit seiner „extremen“ Hingabe begeistert.

Gesprächsrunde auf der Medienbühne

Das 44. Internationale Oldtimer-Meeting findet von Freitag, 16. Juli, bis Sonntag, 18. Juli statt. Auf der Medienbühne vor der Trinkhalle wird BT-Redakteur Moritz Hirn am Samstag, 17. Juli, mehrere Interviews führen: Um 14 Uhr geht es unter anderem mit Organisator Marc Culas um das Meeting und seine Besonderheiten, um 15 Uhr wird unter anderem Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen Fragen zu Kurstadt und Welterbe beantworten. Den Abschluss machen um 16 Uhr die „Schrauber & Sammler“: Hier kann man auch Oldtimer-Liebhaber Peter Rommel live erleben.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
15. Juli 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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