Baden-Galopp-Chef Stephan Buchner im BT-Interview

Iffezheim (fk) – Die Macher des neuen Iffezheimer Rennvereins Baden Galopp unterschreiben ihre Verträge mit der Gemeinde. Danach soll einiges anders werden als in den Zeiten von Baden-Racing.

„Klappt alles, wie wir uns es vorstellen, ist die Schwarze Null schon dieses Jahr drin“: Stephan Buchner beim Gespräch in der BT-Redaktion. Foto: Fiona Herdrich

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„Klappt alles, wie wir uns es vorstellen, ist die Schwarze Null schon dieses Jahr drin“: Stephan Buchner beim Gespräch in der BT-Redaktion. Foto: Fiona Herdrich

Stephan Buchner ist – unter anderem – Fachanwalt für Erbrecht. Doch diesmal ist der Mannheimer selbst der Erbe. Zusammen mit seinem Kompagnon Peter Gaul unterschreibt der neue starke Mann auf der Iffezheimer Galopprennbahn am Freitag im dortigen Rathaus die Verträge zu Nutzung und Betrieb des Geländes. Baden Galopp, dessen Geschäftsführer Buchner ist, folgt auf Baden-Racing.

Im Interview mit BT-Redakteur Florian Krekel blickt Buchner auf kommende Herausforderungen und spricht über seine Vorstellungen sowie die zurückliegenden Vertragsverhandlungen. Im Vergleich zu Baden-Racing will er einiges anders machen und ist zuversichtlich, die Rennbahn ohne sportliche Abstriche in die schwarzen Zahlen zu führen.


BT: Herr Buchner, der Hoppegartener Rennbahnchef Gerhard Schöningh hat in Iffezheim abgesagt, weil er die Übernahme der Rennbahn nicht als wirtschaftlich erachtete. Was ist an Ihrem Taschenrechner anders?
Stephan Buchner: Wir haben ihn verkehrt herum gehalten (lacht). Nein im Ernst: Ich habe natürlich mit Herrn Schöningh telefoniert und er hat mir gesagt, dass es auch nach seinem Taschenrechner durchaus möglich gewesen wäre, diese Rennbahn so aufzustellen, dass man nicht jedes Jahr viel Geld verliert. Er hat letztlich zurückgezogen, weil er auf der Bahn in Hoppegarten vor Ort sehr stark eingebunden ist und dort viele Investitionen anstehen. Außerdem haben wir einige Rahmenbedingungen, die deutlich günstiger sind als sie es bei Baden-Racing waren.

BT: Welche?
Buchner: Wir haben eine andere Struktur. Allein bei den Personalkosten werden wir einen sechsstelligen Betrag einsparen, schlicht dadurch, dass Mehrheitsgesellschafter Peter Gaul ehrenamtlich arbeiten wird und ich nicht für ein reguläres Geschäftsführergehalt tätig sein werde. Ich will mich einbringen, will, dass es funktioniert, da kommt es nicht auf den Euro an. Ich kann von meiner Anwaltstätigkeit leben, deswegen kann ich es mir leisten, hier nicht den vollen Preis anzusetzen. Ansonsten: Klar, Mitarbeiter für die Bahnpflege und im Büro brauchen wir genauso, wie Baden-Racing. Da werden die Zahlen sich wieder auf dem Niveau von zirka zehn Mitarbeitern bewegen, wenn Corona vorbei ist und wieder ein normales Rennjahr stattfinden kann. Darüber hinaus gibt es einen Neustart beim Catering. Die bisherigen Vertragsbedingungen waren sehr schwierig, was vor allem im Bereich der Drittvermarktung, aber auch finanziell zu Problemen geführt hat, weil man an einen Caterer gebunden war. In Mannheim auf der Rennbahn gibt es beispielsweise zwar auch einen exklusiven Caterer, der die Drittveranstaltungen selbst organisiert und dem Rennverein dafür Geld zahlt, aber an den sind wir bei eigenen Drittveranstaltungen nicht gebunden.

Und dann setzen wir eine gewisse Hoffnung in die Rennwettsteuerrückvergütung (siehe zum Thema), die Ende letzten Jahres beschlossen wurde. Da ist zwar noch kein Euro geflossen und wir haben das erst mal nicht mit eingeplant, aber irgendwann wird das Geld ja trotzdem kommen – auch rückwirkend. Genaue Zahlen kennt man noch nicht, wir rechnen aber für den deutschen Galoppsport mit ungefähr 600.000 Euro – davon würden auf Baden-Baden schätzungsweise 20 Prozent entfallen.

Wenn man das alles zusammennimmt, ist man schon nahe dem, was auch bei Baden-Racing im Schnitt zu einer schwarzen Null geführt hätte.

BT: Und wie sieht es im Hinblick auf den Pachtvertrag mit der Gemeinde Iffezheim aus? Baden-Racing musste 200.000 Euro berappen, das war immer ein großer Kritikpunkt in der Vergangenheit.
Buchner: Das war bei uns auch ein Verhandlungsthema. Weil natürlich die Gemeinde als Eigentümer auch verpflichtet ist, diese Anlage zu unterhalten. Aber ich glaube, wir haben einen guten Kompromiss gefunden mit der Gemeinde. Die Pacht ist etwas anders strukturiert. Die Gemeinde wird am Ergebnis beteiligt, und je nachdem wie das läuft, kann das durchaus so viel sein wie vorher. Sagen wir mal so: Die Risiken sind etwas besser verteilt. Und es gibt ein paar weiche Faktoren – etwa, dass die Gemeinde auf der Rennbahn Veranstaltungen abhalten darf, ohne dafür zu zahlen.

BT: Und Sie rechnen wirklich damit, dass sich die Bahn dann so trägt oder sogar Gewinne macht? Ihre Vorgänger als Gesellschafter, Andreas Jacobs und Paul von Schubert, haben über zehn Jahre 6,7 Millionen Euro in die Bahn buttern müssen.
Buchner: Das ist im Moment brutal schwierig zu sagen. Peter Gaul und ich haben sehr vorsichtig kalkuliert. Ich glaube, dass wir dieses Jahr noch ein kleines Minus machen werden – wobei das stark davon abhängt, in welcher Form die Große Woche coronabedingt stattfinden kann. Wir haben mal mit 2.000 Besuchern kalkuliert, die wir auf die Bahn lassen dürfen. Dazu spielt es aber natürlich auch eine Rolle, welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. Klappt alles, wie wir uns es vorstellen, ist die Schwarze Null schon dieses Jahr drin. Von Gewinnen zu sprechen wäre etwas vermessen – es braucht immer Investitionen und wir müssen auch bei den Rennpreisen etwas tun im Hinblick auf Erhöhungen. Also, dass wir in absehbarer Zeit Gewinne an die Gesellschafter ausschütten, sehe ich nicht.

BT: Viele regionale Politiker gingen zuletzt gegenüber dem BT davon aus, dass es einige Fördergelder von Bund und Land geben könnte?
Buchner: Das sind alles erst mal Worte. Die Frage jetzt ist für uns: Was fällt überhaupt unter dieses Förderprogramm – es hilft uns ja nichts, wenn die für etwas bezahlen würden, was wir gar nicht akut brauchen, zum Beispiel ein völlig neues Geläuf.

„Event Ja, aber Fokus soll auf Sport liegen“

BT: Jetzt haben sie uns direkt das Stichwort geliefert, um zum sportlichen Aspekt über zu gehen. Das Geläuf war immer mal wieder ein Kritikpunkt in den letzten Jahren. Wie wollen Sie das lösen?
Buchner: Ja, das war es. Ich hatte selbst letztes Jahr hier mein Pferd laufen in der Großen Woche und da war es wirklich nicht optimal. Da müssen wir etwas machen. Allerdings muss das relativ kurzfristig geschehen. Heißt, eine gänzliche Neuanlage des Geläufs kommt nicht infrage, weil die Grasnarbe ein gutes Jahr brauchen würde, bis sie fest genug verwurzelt ist. Ansonsten müssen wir im Waagengebäude, im Boxendorf und bei der Beregnungsanlage investieren. Außerdem sollen perspektivisch die alten Innenrails ersetzt werden – das allein kostet zirka 60.000 bis 70.000 Euro.

BT: Sie haben von Anfang an gesagt: „Die Große Woche ist das Ziel“. Wird sie in diesem Jahr – sportlich gesprochen – genauso aussehen, wie in den vergangenen Jahren. Denn zumindest in Kennerkreisen war die große Menge an Gruppe-Rennen auch immer als ein Punkt angeführt worden, für die schlechte wirtschaftliche Lage?
Buchner: Ja, das ist ein schwieriges Thema. Aber hier in Iffezheim ist für fast jedes Grupperennen ein Partner da. Und ich kann beispielsweise nicht zu Longines sagen: „Hey Leute, wir machen jetzt keinen Großen Preis von Baden mehr, ihr bekommt dafür einen Ausgleich drei“. Dann sagen die: „Vielen Dank“ und gehen. Also: Mit Grupperennen kann man kein Geld verdienen – Ja – aber die Sponsoringstruktur hier ist grundsätzlich gut. Und man kann sich Iffezheim ja auch nur so vorstellen. Wir wollen nicht, dass es heißt: Jetzt kommen die Mannheimer und machen uns hier unsere Rennen kaputt. Wir werden alle Gruppe-, Listen- und Auktionsrennen in der Großen Woche übernehmen. Und wir haben wieder ein stärkeres Engagement von PMU (siehe zum Thema), die an vier Tagen übertragen. Dadurch sind 16 Rennen schon mal durch PMU bezahlt.

BT: Um hier kurz einzuhaken: Wieder mehr PMU, wie hat das funktioniert? Baden-Racing wollte keine vorgezogenen Rennstarts, auf die PMU aber bestand, weswegen teilweise zuletzt PMU-Renntage wegfielen?
Buchner: Wir haben uns schon ein bisschen die PMU-Rennen rausgepickt – wobei der deutsche Rennsport auch gute Kontakte zu PMU hat und so kann man bei den Franzosen auch schon mal noch den ein oder anderen Termin etwas schieben. Aber ja: Die PMU hat uns zur Übertragung so gut wie keine Wochentage, sondern fast nur noch Sonntage angeboten mit frühen Rennstarts um 11 Uhr. Das ist schon ein Problem, weil wir dadurch Zuschauer verlieren könnten.

Für dieses Jahr ist das aber kein Thema. Wir werden nur vier Renntage machen mit zehn bis elf Rennen. Das heißt, es wird den ganzen Tag, auch nachmittags noch, ein großes Angebot geben – mit einer Pause, um Mittag zu essen.

BT: Das Sales und Racing im Herbst gibt es dieses Jahr aber auch, oder?
Buchner: Ja. Wir werden auf jeden Fall einen Renntag haben – wenn wir es irgendwie bezahlen können, auch zwei.

KSC-Renntag soll erhalten bleiben

BT: Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister vertrat immer die Meinung: Rennen ohne Event drumherum geht nicht. Wie sehen Sie das?
Buchner: Als ich angefangen habe, auf die Rennbahn zu gehen, gab es diesen Eventcharakter nicht. Da ist man auf die Bahn gegangen, um Pferderennen zu sehen und zu wetten. In Mannheim beispielsweise gibt es für große Rahmenevents gar keinen Platz und die Leute kommen trotzdem. Ich möchte eigentlich, dass unsere Gäste sagen: „Hey, auf der Rennbahn war es super, da gehen wir hin, da nehmen wir die Kinder mit, da ist man draußen, sieht die Pferde, wettet ein bisschen und hat Spaß“ – und schafft so eine Bindung zu diesem Sport. Es nützt mir nicht so viel, wenn die Leute wegen der Hüpfburgen kommen. Da geht man wahrscheinlich besser in den Freizeitpark. Ich bin aber immer etwas hin- und hergerissen. Denn, da hat Frau Hofmeister recht: Nur mit Pferderennen wird es schwierig. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich geändert, hin zur Gesamtbespaßung. Wir müssen also einen Spagat machen, mit Schwerpunkt auf Pferderennen. Da haben wir aber noch keinen abschließenden Plan. Aber Maskottchenrennen und KSC-Renntag sollen natürlich bleiben.

BT: Jetzt gibt es ja da im Hintergrund immer noch diese Turniersportinitiative? Was hat es damit auf sich?
Buchner: Ja, das kochte zuletzt auch in den Fachforen hoch, aber es gab noch kein einziges persönliches Gespräch mit den Investoren. Wir sagen für die Zukunft: Wir können uns alles vorstellen, was den Trainings- und den Rennbetrieb nicht beeinträchtigt. Wenn das auf ein Nutzungskonzept zutrifft, dann ist das natürlich schöner, wenn es etwas mit Pferden zu tun hat, als etwas anderes. Das hätte schon einen gewissen Charme.

Zum Thema

Stephan Buchner (54) ist von Beruf Rechtsanwalt und Sportmanager. Innerhalb der Mannheimer Kanzlei Greus liegen seine Schwerpunkte beim Arbeitsrecht, dem Erbrecht und dem Pferderecht. Seit 1998 ist Buchner Rennpferdetrainer, von 2000 bis 2014 war er Vorstand, Vizepräsident und Präsident des Badischen Rennvereins und zwischen 2013 und 2014 Geschäftsführer der Rennbahn Berlin-Hoppegarten. Seit 2015 ist er Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft der Galopprennvereine sowie Sportlicher Berater der Rennbahn Leipzig und seit 2019 wieder Präsident des Badischen Rennvereins. (fk)

Das Tagesgeschäft auf der Iffezheimer Rennbahn steht unter der Ägide von Stephan Buchner. Peter Gaul, Mannheimer Bauunternehmer und Mehrheitsgesellschafter an Baden Galopp, ist am operativen Geschäft kaum beteiligt. Allerdings kümmere sich Gaul schon aufgrund seiner beruflichen Herkunft um alles, was mit Bauen und Sanieren zu tun habe, so Buchner im BT-Gespräch. Buchner selbst übt seine Tätigkeit als Anwalt parallel weiter aus. Er wolle dafür, wenn alles läuft, etwa zwei Tage die Woche in Mannheim sein, das reiche. Er könne zudem vieles, etwa die Kommunikation mit Mandanten, auch von der Rennbahn aus managen. (fk)

Die EU-Kommission hat Mitte Januar eine deutsche Regelung zur Förderung von Pferdezucht und Pferderennen nach EU-Beihilferecht genehmigt. Den Rennbahnen steht eine Rückerstattung aus der Besteuerung von Pferdewetten zu. Diese Regelung galt bis Januar nur für deutsche Wettanbieter. Um auch ausländische Anbieter einbeziehen zu können, war eine beihilferechtliche Erlaubnis der EU-Kommission notwendig. (fk)

Der französische Wettanbieter Pari Mutuel Urbain (PMU) bestimmt im deutschen Galopprennsport maßgeblich mit, etwa wann die Rennen gelaufen werden. Denn die deutschen Veranstalter profitieren stark von den Einnahmen aus dem französischen Wettgeschäft.
Beispiel Iffezheim, Große Woche 2017: An einem sportlich eher unspektakulären Galopptag (Mittwoch) setzte PMU in seinen knapp 13.000 Wettannahmestellen mit der Übertragung aus Iffezheim 2,1 Millionen Euro um. Von diesem Obolus kassierte der deutsche Wettanbieter German Tote (dessen Mehrheitsgesellschafterin PMU ist) 63.000 Euro, die dieser über die Preisgelder in den deutschen Rennsport zurückfließen lässt. Zum Vergleich: Die Wettannahmestellen in Iffezheim setzten am selben Tag trotz guten Besuchs gerade einmal 280.000 Euro um. (fk)


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