Baden-Racing kündigt Pachtvertrag

Iffezheim (fk) – Baden-Racing hat den Pachtvertrag für das Rennbahngelände mit der Gemeinde Iffezheim gekündigt. Der Rennverein erachtet die Abgaben angesichts der Verluste durch Corona als zu hoch.

Im Klammergriff von Corona: Beim Frühjahrsmeeting mussten selbst die Jockeys Masken tragen. Foto: Klaus-Jörg Tuchel/Archiv

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Im Klammergriff von Corona: Beim Frühjahrsmeeting mussten selbst die Jockeys Masken tragen. Foto: Klaus-Jörg Tuchel/Archiv

Seit Jahren ist Baden-Racing-Boss Andreas Jacobs die Höhe der Pachtzahlungen an die Gemeinde Iffezheim ein Dorn im Auge. 200.000 Euro jährlich muss der Rennverein an die Kommune abtreten, der das gesamte Bahngelände inklusive der Tribünen gehört. Seit Jahren lief deshalb hinter den Kulissen eine Art Pokerspiel, wurden drohende Andeutungen gemacht, Existenzängste geschürt. Diese Zeit der versteckten Verhandlung, die allenfalls Insider genau verfolgten, scheint vorbei – das Spiel wird öffentlich. Baden-Racing hat den Pachtvertrag mit der Gemeinde gekündigt.
Zumindest hat die hauseigene Pressestelle des Vereins das verkündet. Auf ein entsprechendes Schriftstück wartete man bei der Gemeinde Iffezheim am Mittwoch nämlich noch vergeblich. Offenbar war das Papier noch per Postversand unterwegs. Bürgermeister Christian Schmid zeigte sich daher gegenüber dem BT auch einigermaßen zurückhaltend. Wenn eine Kündigung eingehe, müsse diese erst einmal juristisch geprüft werden.

Sonderkündigungsrecht wegen Corona

Baden-Racing beruft sich in der Mitteilung auf ein Sonderkündigungsrecht. Aus der Pressestelle an der Rennbahn heißt es dazu: „Baden Racing als wichtigster Veranstalter von Galopprennen in Deutschland zieht die Notbremse und macht wegen der Corona-Pandemie von einem außerordentlichen Kündigungsrecht des Pachtvertrags zum Ende des Jahres Gebrauch“. Begründet wird dieser Schritt mit einem Statement von Anderas Jacobs, das in der Mitteilung zitiert wird. Der Baden-Racing-Präsident und Kaffeeerbe betont darin, dass die Verluste durch die Corona-Krise derart dramatisch seien, dass sich der Rennverein nicht mehr in der Lage sehe, „die von der Gemeinde Iffezheim geforderte Pacht in Höhe von 200.000 Euro jährlich zu bezahlen“. Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister wird auf BT-Nachfrage noch etwas konkreter. Rund 1,5 Millionen Euro an reinen Einnahmeverlusten habe der Rennveranstalter durch die Corona-Krise hinnehmen müssen. Auch weil viele der Rahmenveranstaltungen auf dem Bahngelände abgesagt werden mussten.

All das klingt zunächst drastisch und es ist für den Rennverein ein tiefer Einschnitt, lebt Baden-Racing doch schon seit Jahren davon, dass Jacobs und andere Gesellschafter Geld zuschießen und so die roten Zahlen ausgleichen. Die Kündigung und die damit einhergehende Begründung darf man jedoch getrost als Schachzug in Sachen Vertragsverhandlungen sehen. Ein Ende der Galopprennen in Iffezheim kann weder die Gemeinde noch Baden-Racing wollen.

Auftakt zu schwierigen Verhandlungen

Denn was wollte die Gemeinde mit einem Turfgelände, auf dem kein Galoppsport mehr stattfindet? Und welche Existenzberechtigung hätte ein Rennverein Baden-Racing ohne Rennen in Iffezheim? Mit einer endgültigen Kündigung würden also beide verlieren, ja, Baden-Racing sich gar selbst abschaffen. Das weiß auch Jacobs, der in seinem Statement deshalb gleich die Tür wieder aufstößt und den Satz nachschiebt: „Wir hoffen aber für den Galoppsport und die Region, dass wir gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung finden werden, um den Erhalt der mehr als 160 Jahre alten Galopprennbahn weiter zu sichern.“

Einfach dürften die Verhandlungen dennoch nicht werden. Die Gemeinde ist, das betonte Schmid am Mittwoch gegenüber dem BT, mit dem Ankauf der Tribünen und auch mit anderen Investitionen in die Bahn mit mehreren Millionen in Vorleistung getreten. „Das wurde vor wenigen Jahren beim Vertragsabschluss von allen Seiten anerkannt“, so der Iffezheimer Rathauschef. Der Vertrag sei entsprechend langfristig angelegt worden. Es sei müßig, das jetzt alles nach kurzer Zeit wieder infrage zu stellen.

Iffezheimer Rennen „systemrelevant“

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bezeichnete den Weg der Vertragskündigung seitens Baden-Racing gestern „als kritischen Pfad“, äußerte aber auch Verständnis. Der Schritt zeige, dass es nun wirklich nicht mehr gehe, da nütze auch alle Euphorie und aller Idealismus der Gesellschafter in der Vergangenheit nichts. Sie rechnet mit einem runden Tisch noch im Herbst, bei dem über die weitere Zukunft von Baden-Racing beraten werden müsse und bei dem man wohl auch das Land hinzuziehen müsse.

Bei der Großen Woche hatte es zuletzt noch besser ausgesehen als von Baden-Racing kalkuliert. Ein Minus blieb dennoch. Nach den 52 Rennen und einem Preisgeld von rund 850000 Euro betrug der Wettumsatz etwa 2,2 Millionen Euro. Von den Außenumsätzen blieben Baden Racing etwa 290000 Euro, vom Bahnum-satz rund 52800. Doch schon am zweiten Renntag des verkürzten Events hatte Jacobs betont, dass die fehlenden Einnahmen durch die wegfallenden Eintrittsgelder und vor allem die Wetten vor Ort durch die Onlinewetten nur zu einem geringen Teil abgedeckt würden. Das sei „ein echtes Dilemma“.

Die Corona-Verordnung des Landes hatte bei der Großen Woche nur 500 Zuschauer auf der Iffezheimer Rennbahn zugelassen. Beim Frühjahrsmeeting war das Publikum noch gänzlich ausgeschlossen. Am Sonntag, 18. Oktober, ist im Rahmen des Sales & Racing Festivals der letzte Renntag des Jahres geplant.

Baden-Baden gilt Galopp-Präsident Michael Vesper zufolge für den deutschen Galopprennsport als „systemrelevant“, generiert die Rennbahn laut Mitteilung doch mit Abstand den größten Wettumsatz in Deutschland und bietet das beste und teuerste sportliche Angebot. Seit 2010 wurde demnach bei 131 Renntagen ein Preisgeld von rund 24 Millionen Euro ausgeschüttet.


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