Baden Rhinos setzen sich hohe Ziele für die Saison

Hügelsheim (mi) – Ohne Sportleiter Pascal Winkel geht kaum etwas beim ESC Hügelsheim. Im BT-Interview spricht er über die Chancen der Baden Rhinos, Trainer Cedrick Duhamel, die Neuzugänge und Rivalen.

„Ein Selbstläufer wird die Saison nicht“: Hügelsheims sportlicher Leiter Pascal Winkel sieht das Playoff-Halbfinale dennoch als Minimalziel an. Foto: Frank Seiter/Archiv

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„Ein Selbstläufer wird die Saison nicht“: Hügelsheims sportlicher Leiter Pascal Winkel sieht das Playoff-Halbfinale dennoch als Minimalziel an. Foto: Frank Seiter/Archiv

Er steht nicht mehr selbst in der Verantwortung an der Bande, ist aber weiterhin der Tausendsassa beim Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim. Ohne Pascal Winkel geht nichts bei den Baden Rhinos, in der Eisarena ist er selbst im Sommer so häufig anwesend wie in der eigenen Wohnung oder am benachbarten Flughafen, wo er arbeitet. In der Vorsaison, die wegen Corona nach vier Spieltagen beendet war, galt es, den Verein vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren. In der nun anstehenden neuen Saison der Regionalliga Südwest stehen die sportlich hohen Ziele wieder im Vordergrund. BT-Redakteur Michael Ihringer sprach mit dem sportlichen Leiter über die Chancen, Trainer Cedrick Duhamel, die Neuzugänge und Rivalen.

BT: Herr Winkel, fast ein Jahr ohne Eishockey. Haben Sie Entzugserscheinungen?
Pascal Winkel (lacht): Es waren zehn Monate, die wir uns bei den Rhinos nicht gesehen haben, das war schon eine lange Zeit. Normalerweise sind es fünf Monate Sommerpause, diesmal war es doppelt so lange. Das merkt man schon. Seltsamerweise wurde die Sehnsucht im Laufe der Zeit weniger. Irgendwann nach einer gewissen Auszeit wie bei anderen Menschen auch in Corona-Pausen lernt man das Positive auch zu genießen, von daher war das Bedürfnis nach Eishockey ehrlich gesagt nicht so stark ausgeprägt wie in den Jahren zuvor.

BT: In der Abbruch-Saison war bereits nach vier Spielen Schluss. Wird die neue Spielzeit zu Ende gebracht?
Winkel: Ich gehe davon aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch mal so weit kommt, dass die Saison abgebrochen wird. Allerdings konnte man sich bis vor eineinhalb Jahren viele Dinge noch nicht vorstellen. Ich bin aber zuversichtlich. Wenn man die aktuelle Entwicklung betrachtet, sehe ich auch keinen Grund, warum es wieder einen Lockdown geben sollte.

1.000 Zuschauer dürfen ins Rhinos-Stadion

BT: In den vergangenen Jahren wurde in der Sommerpause in der Eisarena stets viel gearbeitet. Waren Sie mit Ihren Vereinskollegen auch diesmal fleißig?
Winkel: Ja, in so altehrwürdigen Hallen gibt es immer viel zu tun. Wir haben in der Kühlung die Kompressoren überholt, unten auf dem Eis haben wir an der Bande die Kickleisten erneuern lassen. Dann ist mal ein Rohr gebrochen, was wir erst eine Woche später merkten, weil eben kein Publikumsverkehr war. Dann hatten wir einen Wasserschaden an einem Sicherungskasten. Doch die Eismaschine funktioniert, das ist wichtig.

BT: In der Deutschen Eishockey Liga waren zum Saisonstart in den meisten Bundesländern knapp die Hälfte der Stadionkapazität an Zuschauern zugelassen. Wie viele dürfen Sie Stand jetzt ab Oktober begrüßen?
Winkel: In der aktuellen Corona-Verordnung heißt es, dass es bei allen Stadionkapazitäten unter 5.000 keine Begrenzung mehr gibt. So darf DEL-Aufsteiger Bietigheim, deren Halle unter 5.000 liegt, diese auch vollmachen. Wir dürfen also bei unserer offiziellen Kapazität von 1.000 Zuschauern auch alle reinlassen. Natürlich gilt Stand jetzt die 3G-Regel plus Maske tragen während des ganzen Spiels ohne Abstände und ohne zugewiesene Plätze.

BT: Zum Saisonstart im Vorjahr haben Sie Coach Cedrick Duhamel an der Bande unterstützt, weil er damals noch nicht die erforderliche Trainerlizenz besaß. Hat er sie mittlerweile?
Winkel: Es war nicht nur wegen der fehlenden Lizenz, dass ich ihn damals unterstützte. Er sagte mir: „Hör zu Pascal, ich würde mich freuen, wenn Du dabei bist, weil es mir auch ein wenig Sicherheit gibt.“ Er war neu in dem Business, ich bin bekanntlich schon ein bisschen länger dabei, von daher glich sich das aus. Vor zwei Wochen war Cedrick im Leistungszentrum in Landshut beim letzten Modul und hat dort alles, was Theorie und Praxis betrifft, abgeschlossen. Er muss jetzt noch ein letztes Modul mit einer Trainingseinheit hier in Hügelsheim zu einem speziellen Thema absolvieren und dies an den Deutschen Eishockey Bund zurückschicken. Dann ist er lizenzierter Inhaber der Grundleistungslizenz C.

Winkel: „Ein Selbstläufer wird die Saison nicht“

BT: Brennt er auf seine erste richtige Saison?
Winkel: Lichterloh. Cedrick ist wirklich heiß, stets gut vorbereitet und motiviert. Mit Cedricks Einstellung bin ich voll zufrieden. Was das Team angeht, fehlt mir bislang noch ein bisschen der Spirit, der vor dem Saisonabbruch noch vorherrschte. Also die Aufbruchstimmung, aber ich denke, dass dies der langen Pause geschuldet ist. Wir werden taktisch nicht viel verändern. Wir sind in der Abwehr jetzt noch sattelfester mit Neuzugang Noah Nijenhuis. Jetzt müssen wir nur schauen, dass wir den Geist, der uns in den ersten vier Spielen der Vorsaison auszeichnete, dass wir den zum Saisonstart wieder in die Halle kriegen, denn ganz ehrlich: Ein Selbstläufer wird die Saison nicht.

BT: Sie haben mit Noah Nijenhuis, dessen Bruder Jan in der DEL bei den Wolfsburg Grizzlys spielt, und Denis Majewski gleich zwei Neuzugänge aus der drittklassigen Oberliga verpflichtet. Ist die Mannschaft dadurch noch stärker besetzt als im Vorjahr?
Winkel: Sie ist sicher nicht schwächer einzuschätzen. Wie immer gilt für uns: Wenn wir neue Spieler zu uns holen, muss es uns auch weiterbringen und nicht nur den Kader aufblasen. Wir hatten diesmal auch Glück: Noah Nijenhuis hat ein Studium in Mannheim begonnen, nachdem er seine Profikarriere in Deggendorf beendet hatte. Sein alter Kumpel Lars White, der schon einige Jahre bei uns ist, hat mich dann angerufen und gesagt: „Kümmere dich um ihn“, denn Zweibrücken war auch schon an ihm dran, aber dort wollte er nicht hin.

Bei Denis Majewski, dessen Bruder Mirco ja auch schon einige Zeit bei uns spielt, war es so, dass ich immer spezielle Jahrgänge der Jungadler Mannheim im Auge habe. Ich erfuhr, dass er noch keinen Vertrag besaß und hörte auch nichts von einem Wechsel. So fragte ich Mirco: „Was macht eigentlich Dein Bruder?“ Er sagte: Ich glaube, er hört auf. Da sagte ich: „Das kann es nicht sein.“ Dann haben wir dreimal telefoniert, er auch mit Cedrick. und jetzt ist er bei uns am Start. Die Jungs sind alle top ausgebildet, mehrfach mit deutschen Meisterschaften in der Deutschen Nachwuchs-Liga dekoriert, haben selbst mit dem angehenden NHL-Nationalspieler Moritz Seider und Konsorten im Nachwuchs gespielt. Zwei Faktoren waren für uns wichtig bei den Neuen: Jung müssen sie sein und sehr gut ausgebildet. Wir brauchen jetzt so langsam die Generation Baden Rhinos 2.0, weil die ältere Generation bald aufhören wird. Von daher müssen wir schauen, dass wir neue Leute finden, die uns weiterhelfen.

Ziel: Heimrecht im Halbfinale

BT: Der langjährige Freiburger Zweitliga-Verteidiger Philip Riessle wird auch froh sein, wenn es endlich losgeht. Ist er nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine die gewünschte Führungsfigur?
Winkel: Das haben wir schon im Vorjahr gesehen, als er zu uns kam. Philip ist durch und durch Profi, hat lange im Profibereich in Freiburg gespielt. Die Einstellung, die er jetzt mitbringt, ist für alle in seinem Umfeld nur positiv. Er kann die Jungs führen, motivieren und den jungen Spielern sagen, wo es lang geht. Das ist ein Bonus für uns, so einen Spieler in der Mannschaft zu haben.

BT: Der Spielmodus ist verändert worden. Es gibt nur noch eine Einfach-Runde, dafür aber auch erstmals ein Playoff-Viertelfinale. Ist das Halbfinale auch aus finanzieller Hinsicht weiter das Minimalziel?
Winkel: Der neue Modus bedeutet für uns, dass wir nur noch neun Heimspiele haben. Vorneweg heißt das drei Heimspiele weniger als in der Vergangenheit. Natürlich ist unser Ziel, die erste Playoff-Runde, also diesmal das Viertelfinale, zu überstehen. Wir wollen möglichst im Halbfinale dann auch Heimrecht haben.

BT: Wird die Meisterschaft immer härter umkämpft, weil auch die Konkurrenz Jahr für Jahr personell aufrüstet?
Winkel: Definitiv. Ein gutes Beispiel ist Stuttgart, die ich stark einschätze. Die haben einige starke Spieler aus der Bietigheimer Reserve und als Studienstandort auch zwei, drei andere Gute bekommen, die schon höherklassig spielten. Zweibrücken leistet sich jede Saison zwei Top-Ausländer, und was sie sonst noch aus Mannheim abgrasen können. Und Heilbronn ist immer gut dabei. Wir haben im Vergleich nur eine Kontingentstelle mit Martin Vachal besetzt. Sollte es uns im Dezember finanziell gut gehen, und wir das Gefühl haben, wir brauchen noch jemanden, dann können wir noch mal nachlegen.

Erinnerung an Penalty-Finaldrama

BT: Sie sind stets bemüht, auch den Blick auf den eigenen Nachwuchs zu richten. Gibt es Talente, die Chancen auf Eiszeit haben?
Winkel: Justus Lehmacher hat ja schon in der Vergangenheit bei uns reingeschnuppert. Jetzt ist er im Seniorenalter, der ist jetzt quasi neu bei uns. Die vergangene Saison wurde ihm wegen der Pandemie praktisch geklaut. In der U 17 und U 20 haben wir auch zwei, drei Spieler, die wir beobachten und die noch etwas Zeit brauchen, die aber ihre Chance sicher bekommen werden.

BT: Welche Titelzeile möchten Sie am Saisonende über die Baden Rhinos lesen?
Winkel: „Rhinos revanchieren sich für Penalty-Niederlage gegen Heilbronn vor zehn Jahren.“ Ich kann mich noch erinnern, die sind damals zum Saisonabschluss mal hier vom Flughafen nach Palma de Mallorca geflogen und haben vorher noch ein Mannschaftsfoto an unserem Ortsschild gemacht und dazu geschrieben: Endlich ist der Meisterschaftspokal auch mal in Hügelsheim.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
30. September 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 42sec

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