Baden Rhinos vor Saison-Ausstieg

Hügelsheim (mi) – Seit dem vierten Spieltag wartet Eishockey-Regionalligist ESC Hügelsheim auf eine Saison-Fortsetzung. Nach Lage der Dinge werden die Rhinos in Bälde das Eis abtauen und aussteigen.

Routinier Andy Mauderer (Nr. 42) hat verletzungsbedeingt noch kein Saisonspiel bestritten. Er wird wohl erst wieder in der nächsten Saison auf Torejagd gehen können. Foto: Frank Seiter

© Frank Seiter

Routinier Andy Mauderer (Nr. 42) hat verletzungsbedeingt noch kein Saisonspiel bestritten. Er wird wohl erst wieder in der nächsten Saison auf Torejagd gehen können. Foto: Frank Seiter

Einer der Titelfavoriten, der EHC Zweibrücken, hat bereits die Schotten dicht gemacht und ist aus dem Spielbetrieb definitiv ausgestiegen. Die anderen Vereine kämpfen mit allen Mitteln ums wirtschaftliche Überleben, die erneute Verschärfung des Lockdowns, der natürlich auch für den Amateursport gilt, macht freilich nicht viel Hoffnung für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Eishockey-Regionalliga Südwest, die ab dem 1. November ihre Hallen schließen musste.

Offiziell ist die Saison nach den Worten von Guntram Lüdemann, dem Fachvorsitzenden der Eishockey-Regionalliga Südwest, aber noch nicht beendet: „Wir von der Verbandsseite gehen nicht hin und sagen: Die Saison ist beendet. Es gibt von uns auch keine Deadline. Einen geregelten Saisonablauf wird es aber auch nicht mehr geben. Es werden noch mehr Vereine abspringen, die nicht mehr können oder wollen. Einige spekulieren aber darauf, dass es doch noch einige Spiele gibt. Einige haben ja noch Eis wie Heilbronn oder Ravensburg.“

Auch in Hügelsheim gibt es noch Eis in der Baden-Airpark-Arena, aber nicht mehr lange. „Nächste Woche fahren wir soweit mit dem Eis runter, dass es noch zwei Wochen hält. Hierbei entstehen uns keine zusätzlichen Kosten. Wenn am 25. Januar entschieden wird, dass weiter kein Amateursport möglich ist, ist auch für uns Schluss. Realistisch betrachtet kann ich mir nicht vorstellen, dass Amateursport vor April wieder freigegeben wird. Wir können nicht so weitermachen wie die vergangenen zwei Monate“, sagt ESC-Sportdirektor Pascal Winkel.
Der ursprüngliche Spielplan sah den 14. Februar als letzten Tag der Hauptrunde vor. Teams wie Ravensburg, Mannheim, Bietigheim-Bissingen oder der ESC Hügelsheim haben gerade einmal vier Punktspiele absolviert. „Eigentlich hat es keinen Wert mehr, dann müssen wir eben in den sauren Apfel beißen. Das einzige Szenario, das ich mir noch vorstellen kann, ist ein Turnier durchzuführen“, sagt Hügelsheims Urgestein Andy Mauderer, der nach diversen Verletzungen Anfang November mit viel Trainingsfleiß Anschluss gefunden hatte und wieder voll einsteigen wollte. „Das ist das erste Mal in meiner gesamten Karriere, dass ich kein einziges Saisonspiel gemacht habe“, kann auch der Routinier kaum glauben, was Corona an Merkwürdigkeiten und Frust heraufbeschworen hat.

Die Südwest-Liga war schon drei Tage vor Weihnachten gesprengt worden, als der EHC Zweibrücken als erstes Team die Reißleine zog. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, ist aber aufgrund von Covid die einzig vernünftige Konsequenz. Auch wenn die Saison weitergespielt wird, kann keine Aussage getroffen werden, wie der weitere Verlauf seitens dem Spielmodus aussehen wird. Unter diesen unklaren und nicht planbaren Bedingungen ist aus unserer Sicht kein vernünftiger und regulärer Spielbetrieb mehr möglich“, lautete die Begründung des Vorstands.

Die überwältigende Mehrheit der Fans – Zweibrücken hat nach Hügelsheim den höchsten Zuschauerschnitt der Regionalliga – begrüßte die Entscheidung. Ein User postete einen Beitrag und schrieb drastisch, was viele andere dachten: „Jetzt hoffe ich, dass der BW-Verband mal Eier zeigt und die Saison abbricht. Auf was warten die?“ Pascal Winkel weiß die Antwort: „Der Verband denkt auch an den Nachwuchs, der bei der Stange gehalten werden soll.“

Dieser Aspekt wird für alle Vereine neben den Kosten zur großen Herausforderung. In Eppelheim summieren sich die Einnahmeausfälle dem Vernehmen nach inzwischen auf die Dauer einer kompletten Saison. Bei Aufsteiger Pforzheim wurde die Halle an der Enz kurzerhand zum Impfzentrum umgestaltet.

Bei Serienmeister Eisbären Heilbronn, der im Oktober dem ESC Hügelsheim im Penaltyschießen die einzige Niederlage zufügte, haben die Stadtwerke als Hallenbesitzer die Energiekosten gestundet, dazu Fans und Sponsoren bei Spendenaktionen fast 40000 Euro in die leeren Kassen gespült. „Die Leute wollen, dass es hier weitergeht“, freute sich Geschäftsführer Michael Rumrich. Ob der Verein die Pandemie aber übersteht, hängt laut dem früheren Nationalspieler von den angekündigten Hilfen vom Bund ab, der Verein wartet noch auf einen Bescheid.

Diesen hat der ESC Hügelsheim bereits erhalten, nur das Geld ist noch nicht überwiesen. „Für die Fortführung des Spielbetriebs in der neuen Saison spricht nichts dagegen“, ist Winkel erleichtert. Das kann in diesen düsteren Zeiten wahrlich nicht jeder Vereinsvertreter behaupten.

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Erstellt:
9. Januar 2021, 17:00 Uhr
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