Baden Rhinos vor großen Herausforderungen

Hügelsheim (mi) – Bis zum geplanten Saisonstart in der Eishockey-Regionalliga Südwest sind es noch mehr als drei Monate – und doch bereitet die Corona-Krise dem ESC Hügelsheim gerade finanziell große Ungewissheiten.

Denis Friedberger wird auch künftig für die Baden Rhinos verteidigen. Foto: Seiter

© Frank Seiter

Denis Friedberger wird auch künftig für die Baden Rhinos verteidigen. Foto: Seiter

Der Glaube kann Berge versetzen. Diese Binsenweisheit gilt besonders auch für den Sport, wenn David auf Goliath trifft. Als Letzterer gebärdet sich seit Monaten ein Virus, der den gesamten Sportbetrieb seit dreieinhalb Monaten aus den Angeln gehoben hat. Die Corona-Krise hat zum Stillstand auf den Sportplätzen und in den Hallen geführt. Einzig die Profi-Fußballvereine und die besten Basketballer des Landes dürfen in den Mannschaftssportarten dank TV-Verträgen, die ihnen das Überleben sichern, und strenger Hygienevorschriften auch ohne Zuschauer ihrem Beruf nachgehen.
Für die Amateur- und semiprofessionellen Vereine in anderen Teamsportarten gilt das nicht. Und so ist derzeit auch für den Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim vor dem noch nicht terminierten Staffeltag des Verbandes die Ungewissheit das einzig Gewisse rund drei Monate vor dem geplanten neuen Saisonstart.

Fest steht bislang nur eines: Für die Spargeldörfler gilt in der vierten Spielklasse das Gleiche wie für DEL-Rekordmeister Adler Mannheim in der höchsten Liga. Im Gegensatz zum Fußball wird in der schnellsten Mannschaftssportart ohne Zuschauer auch kein Eröffnungsbully stattfinden.

Der Sportdirektor des Deutschen Eishockey Bundes, Stefan Schaidnagel, empfindet den Beschluss, der die Möglichkeit für Ausnahmeregelungen bietet, dennoch als „ermutigendes Signal. Es liegt jetzt an allen Beteiligten im deutschen Eishockey, auf dieser Grundlage einen tragbaren Plan zu präsentieren, der die Politik überzeugt. Genau dies ist die Aufgabe der Task Force, die sich seit Wochen unter Federführung des DEB intensiv damit beschäftigt und bis Mitte Juli die entsprechenden Ergebnisse vorweisen wird“. Die Frage wird sein, wie sich das in der viertklassigen Regionalliga und konkret am Baden Airpark ab Oktober umsetzen lässt.

„Es wird nichts mehr so sein, wie es einmal war. Es wird Einschränkungen geben. Für uns als gemeinnütziger Verein müssen wir alle Szenarien durchspielen. Es geht ja nicht nur um die Rhinos, wir haben ja auch sieben Nachwuchs-, eine Frauen- und Hobbymannschaften. Außerdem wollen wir noch eine 1-B-Mannschaft installieren“, erläutert der sportliche Leiter Pascal Winkel die vielen offenen Baustellen. „Wir stehen momentan im luftleeren Raum. Wenn wir 600 Zuschauer in die Baden-Airpark-Arena reinlassen könnten, wäre uns schon geholfen. Dann könnten wir gerade so kostendeckend arbeiten, dann wäre ich hochzufrieden“, sagt ESC-Vorstand Peter Seywald. Wenn es tatsächlich so kommt.

Kosten bis zu 22.000 Euro

Er steht mit Winkel vor großen Herausforderungen. „Um Eis zu machen, verursacht uns das Kosten zwischen 20.000 und 22.000 Euro. Das können wir nicht machen, wenn wir nicht konkret wissen, wann es losgeht. In den nachfolgenden Spielmonaten wären es jeweils rund 18.000 Euro“, liefert Seywald konkrete Zahlen, die die Dimension verdeutlichen. Allein im März, als die Airpark-Arena erstmals geschlossen bleiben musste, entgingen dem Verein infolge des Ausfalls von Publikumslauf, Eis-Disco und geschlossener Verzehrstände Einnahmen von rund 30.000 Euro. „Den Verlust konnten wir daher auch mit der Corona-Soforthilfe von 9.000 Euro nicht decken“, erläutert Winkel. Dank Seywalds engagierter Lobbyarbeit konnten bis auf zwei Ausnahmen zumindest die Geldgeber gehalten werden. „Zum Glück haben wir treue Sponsoren, die uns die Stange halten.“

Dabei sind die Verantwortlichen in ihrer Saisonplanung und dem Aufbau eines wettbewerbsfähigen Teams schon weit fortgeschritten. Der Sensationscoup mit der Verpflichtung von Starverteidiger Philip Rießle vom Zweitligisten Wölfe Freiburg hat vielen Fans großen Appetit auf die neue Spielzeit gemacht, die diesmal nicht schon vor den Playoffs enden soll.

Dafür steht auch die Rückkehr von Ex-Topstürmer Cedrick Duhamel als Trainer und damit Nachfolger des glücklosen Richard Drewniak. Seywald ist schon jetzt begeistert von Duhamels Vorarbeiten: „Er hat ein richtig tolles Konzept und ist sehr überzeugend gegenüber den Spielern. Er ist sehr klar in seinen Ansagen. Jeder weiß beim ihm, wo er steht und was er zu machen hat.“

Die Verlängerung des starken Torhütergespanns Max Häberle und Constantin Haas sowie von Verteidiger Denis Friedberger und Stürmer Raphael Diebold wurden bereits bekanntgegeben. Zudem kehrt Verteidiger Dominik Dech zurück, ebenso der Tscheche Martin Vachal als Kontingentspieler. Etwas überraschend wohl auch der junge Kanadier Graham Brulotte. Seywald: „Ein oder zwei Neue sollen zusätzlich noch kommen.“

Völlig offen ist derzeit auch noch, ob die Baden Rhinos wie in den Vorjahren als Stammgast ihr Trainingslager im September in der altehrwürdigen Wölfe-Eishalle an der Ensisheimer Straße in Freiburg absolvieren können. Nicht nur die Spargeldörfler, auch andere unterklassige Teams bereiten sich dort gerne vor.

Winkel, der die „Verantwortung gegenüber allen Vereinsmitgliedern“ herausstreicht, verspricht „Transparenz so schnell wie möglich. Ich persönlich könnte auch mit einem Saisonstart erst im November leben.“ Peter Seywald räumt „große Bedenken“ bezüglich der nahen Zukunft ein. Als Gründungsvater der ersten Rhinos-Stunde weiß er aber auch nur zu gut: „Ohne Optimismus wären wir nicht zehn Jahre alt geworden.“

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Erstellt:
24. Juni 2020, 06:00 Uhr
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