Badener-Badener warnt vor Fake-Wohnungsanzeigen auf Online-Portalen

Baden-Baden (nof) – Online-Betrüger fälschen Wohnungsanzeigen auf einschlägigen Internetportalen. Die Polizei gibt Tipps, worauf man achten sollte.

Wer auf Online-Portalen nach Wohnungen sucht, sollte Vorsicht walten lassen – nicht alle Inserate sind echt.  Foto: Christin Klose/dpa

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Wer auf Online-Portalen nach Wohnungen sucht, sollte Vorsicht walten lassen – nicht alle Inserate sind echt. Foto: Christin Klose/dpa

„Vermiete Drei-Zimmer-Wohnung in gute Lage.“ BT-Leser Wolfgang B. ist kürzlich in einem einschlägigen Onlineportal auf dieses Inserat aufmerksam geworden. „Schön bebildert, gut ausgestattet und bezahlbar.“ Eine tolle Wohnung also. „Nur leider nicht real“ – wie sich nach eigener Recherche herausgestellt habe. Aber zumindest noch rechtzeitig, bevor es zu Vorab-Zahlungen an die vermeintliche Vermieterin gekommen ist.

Diese, so berichtet B., habe nach der Kontaktaufnahme per E-Mail nur auf Englisch geantwortet und behauptet, sich derzeit für längere Zeit in Irland aufzuhalten. Für eine Besichtigung könne sie also nicht nach Baden-Baden kommen. Doch sei das kein Problem. Sie würde die Schlüssel für eine Besichtigung zusenden. B. müsse die Wohnung allenfalls über einen Link einer bekannten Buchungsplattform anmieten – und eine Monatsmiete plus Kaution – 1.500 Euro – überweisen. „Bei Nichtgefallen: Geld zurück.“ Doch soweit kam es nicht.

„Ich bin stutzig geworden“

„Ich bin stutzig geworden“, sagt B. Die Nachfrage, ob ihr die Wohnung gehöre, sei unbeantwortet geblieben. Eigene Nachforschungen hätten dann zutage gefördert: „In dem ganzen Haus gab es keine Wohnung zu mieten“, sagt B: „Aber wenn der Druck groß ist, fällt mancher bestimmt leicht rein auf solche Betrugsversuche.“

Und wie raffiniert die Betrüger zu Werke gehen, weiß Rechtsanwalt Günther Baur, Vorsitzender des Mietervereins Baden-Baden, sogar aus eigener Erfahrung : „Ich habe das kürzlich selbst erlebt, mit einer Wohnung zum Kauf in Baden-Baden.“ Auch diese Wohnung sei auf einem Onlineportal offeriert worden. „Das war sehr geschickt gemacht. Ich bin sogar hingefahren und habe mir die Wohnung von außen angeschaut.“

Wohnung stand gar nicht zum Verkauf

Erst nach eingehender Recherche habe sich herausgestellt, dass die Wohnung gar nicht zum Verkauf stand, dass verwendete Webseiten gefälscht waren und es auch den angeblichen Rechtsanwalt mit seinem Treuhandkonto gar nicht gibt, berichtet Baur. 4.000 Euro wollte man von ihm haben.

Mit dem Onlineportal für Immobilien habe er Kontakt aufgenommen. Die Fake-Anzeige sei dann auch herausgenommen worden. „Man könne aber nicht alles prüfen“, habe es von dort geheißen.

Baur mahnt deshalb zur Vorsicht. „Kein Geld überweisen, bevor es einen Mietvertrag gibt und man die Wohnung gesehen hat“, sagt er. „Auch keine Kaution.“ Aber er kann auch nachvollziehen: „Ist der Druck bei der Wohnungssuche groß, springt man eher auf diesen Zug auf.“ Sollte man also Opfer eines Betrugs geworden sein, rät Baur, unbedingt Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dort sind solche Fälle bekannt, wie Pressesprecher Ansgar Gernsbeck vom Polizeipräsidium Offenburg im BT-Gespräch bestätigt. Betrüger hätten „den Immobilienmarkt mittlerweile für ihre Zwecke entdeckt und nutzen einschlägige Portale für ihre kriminellen Zwecke“. Dabei gibt es laut Polizei mehrere Maschen, um mittels gefälschten Immobilienanzeigen in beliebten Portalen an Geld oder Daten der potenziellen Opfer zu gelangen:

Es gibt mehrere Maschen

Betrug mittels Vorkasse: Der Betrüger teilt mit, dass er im Ausland sei und nicht zur Besichtigung kommen könne. Er würde aber den Schlüssel für die Wohnungsbesichtigung per Post zuschicken, hierfür solle vorab eine Kaution überwiesen werden.

Rechnung für Wohnungsbesichtigung: Hier wird vom Betrüger Geld dafür verlangt, dass der Interessent in die Vorauswahl zur Besichtigung der Fake-Immobile aufgenommen wird.

Phishing-Mails: In E-Mails werden die Opfer aufgefordert, sich über einen mitgeschickten Link in das Portal des Betrügers einzuloggen oder einen mitgeschickten Anhang zu öffnen. Auf den gefälschten Log-In-Seiten fangen die Betrüger dann die Zugangsdaten der Geschädigten ab. Angehängte Dateien können zudem Schadsoftware enthalten.

Kopie des Personalausweises: Wiederholt fragen die Kriminellen auch nach einer Kopie des Personalausweises, die per E-Mail zugeschickt werden sollen. Diesen können die Betrüger dann für weitere illegale Machenschaften nutzen und sich als eine existente Person auszugeben.

Wolfgang B., der mittlerweile anderweitig eine Wohnung gefunden habe, meldete seinen Fall der Polizei. Auch dem mutmaßlichen Betrüger hat er nochmals eine deutliche Mail geschrieben. Darauf gab es keine Antwort.

Polizei gibt Tipps, wann man misstrauisch werden sollte

Die Polizei gibt Tipps, wie man sich als Immobiliensuchender vor Betrügern schützen kann. Misstrauisch sollte man werden, wenn der Vertragspartner im Ausland sitzt oder wenn die Immobilie sehr günstig ist. Orientieren kann man sich an den örtlichen Mietpreisspiegeln. Zudem rät die Polizei, bei der Wohnungssuche in keinem Fall in Vorkasse zu gehen. „Seriöse Markler oder Eigentümer verlangen kein Geld, bevor Sie die Immobilie besichtigt haben.“ Wohnungssuchende sollten auch die Anzeige auf mögliche Widersprüche zwischen Bild und Text überprüfen. Ein Indiz für einen Betrugsversuch „können Sätze in schlechtem Deutsch oder eine Anhäufung von Grammatik- und Rechtschreibfehlern sein“.

Bilder auf Echtheit überprüfen

Auch die Bilder des Inserats sollten auf Echtheit überprüft werden – zum Beispiel mit der umgekehrten Bildersuche von Google. Für Objekte, die man noch nicht gesehen hat, sollte man keinesfalls bezahlen. Achten sollten Wohnungssuchende auch auf kopierte Anzeigentexte (Überprüfung durch Eingabe in einer Suchmaschine). Erscheint der Text auch mit anderen Kontaktdaten, ist dies ein weiteres Indiz für eine gefälschte Anzeige. Vertrauenswürdige Anbieter benennen in der Anzeige in der Regel auch Warm- und Kaltmiete sowie den Energieausweis, so die Polizei. Diese warnt zudem davor, E-Mail-Anhänge zu öffnen. Wer Opfer eines Immobilienbetrugs wurde, sollte umgehend die Bank bitten, die Zahlung rückgängig zu machen, „einen Anspruch hierauf gibt es (außer bei Lastschrift) allerdings nicht.“ Zudem sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Zudem sollte der Vorfall dem betroffenen Internet-Portal mitgeteilt werden, um andere Wohnungssuchende zu schützen. Rat gibt es auch bei der Verbraucherschutzzentrale.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
9. Februar 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 48sec

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