Badens schönste Kirchen in Wort und Bild

Karlsruhe (BNN) – Ein neues Buch zeigt die schönsten Kirchen der Erzdiözese Freiburg – beschrieben von Architekturhistoriker Werner Wolf-Holzäpfel und mit Fotos von Dorothea Burkhardt.

Prägt das Dorfbild: Die Pfarrkirche St. Leonhard in Lauf (Ortenaukreis) wurde nach einem Entwurf von Adolf Williard errichtet. Der Architekt war Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes in Karlsruhe. Foto: Ulrich Coenen/BNN

© Ulrich Coenen

Prägt das Dorfbild: Die Pfarrkirche St. Leonhard in Lauf (Ortenaukreis) wurde nach einem Entwurf von Adolf Williard errichtet. Der Architekt war Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes in Karlsruhe. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Es ist ein ambitioniertes Überblickswerk, das zwei Jahrhunderte sakrale Architekturgeschichte im Erzbistum Freiburg beschreibt. Mit Werner Wolf-Holzäpfel hat sich der Leiter des Erzbischöflichen Bauamts Heidelberg dieser Aufgabe angenommen. Der Architekt und Bauhistoriker ist ein ausgewiesener Kenner der Sakralarchitektur in Südwestdeutschland. In seiner hervorragenden Dissertation an der Universität Karlsruhe hat er sich 1999 Max Meckel gewidmet, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Bauwesen der Diözese nachhaltig geprägt hat.

Der repräsentative Band beeindruckt bereits beim Durchblättern durch die spektakulären Farbfotos von Dorothea Burkhardt. Diese Bilder machen die Außen- und Innenarchitektur, aber auch die zum Teil aufwendige Ausstattung der Kirchen erlebbar. Der für das Verständnis der Architektur wichtigen Ausstattung widmet der Autor viel Raum.

Das Buch basiert auf einem wichtigen Aufsatz, den Wolf-Holzäpfel bereits 2008 im ersten Band der von Heribert Smolinsky herausgegeben „Geschichte des Erzbistums Freiburg“ veröffentlicht hat. Der gilt in Fachkreisen als Standardwerk für den Sakralbau des 19. und 20. Jahrhunderts in der Erzdiözese und hat jetzt eine erfreuliche Erweiterung in Buchform erhalten. Durch die repräsentative Aufmachung und vor allem wegen der großartigen Fotos, die die Publikation zum Bilderbuch machen, spricht Wolf-Holzäpfel nun ein sehr viel größeres Publikum an.

Beispiel für Denkmalpflege: Die spätromanische Abteikiche im Rheinmünsteraner Ortsteil Schwarzach wurde in den 60er Jahren restauriert. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Beispiel für Denkmalpflege: Die spätromanische Abteikiche im Rheinmünsteraner Ortsteil Schwarzach wurde in den 60er Jahren restauriert. Foto: Ulrich Coenen/BNN

Es handelt sich bei der Neuerscheinung nicht um einen Inventarband, der alle Sakralbauten in der 1821 errichteten Erzdiözese vorstellt, die sich von der Schweizer Grenze entlang des Rheins bis zum Bodensee und bis nach Heidelberg erstreckt. Auch ein wünschenswerter Katalog mit Kurzeinträgen zum Bestand im Anhang fehlt. Nicht jeder Leser findet also die Kirche seines Heimatortes in diesem Buch. Wolf-Holzäpfel beschreibt und an analysiert die bauhistorische Entwicklung anhand wichtiger Beispiele. Die stehen aber nicht nur in den großen Städten, auch zahlreiche Dorfkirchen werden vorgestellt.

Wolf-Holzäpfel hat sein Buch sinnvollerweise chronologisch gegliedert. Klassizismus und Historismus bis zum 1. Weltkrieg nehmen wegen des großen Bestands der erhaltenen Kirchen einen breiten Raum im Buch ein, sie bilden aber nicht den Schwerpunkt des Buches. Der Autor beschäftigt sich intensiv mit der Moderne und vor allem der Nachkriegsmoderne, die nach 1945, als die Kirchensteuerquelle kräftig sprudelte, bis in die 1970er Jahre zu einem unerhörten sakralen Bauboom mit herausragenden Beispielen führte.

Sehr rege Bautätigkeit ab 1850

Am Anfang des Buches stehen die klassizistischen Sakralbauten von Friedrich Weinbrenner wie St. Stephan in Karlsruhe, entstanden nach dem Vorbild des Pantheons in Rom. Der Großherzogliche Baudirektor hat die gesamte Architektur im Land Baden ebenso geprägt wie sein Nachfolger Heinrich Hübsch, dessen Rundbogenstil eine völlige Neuorientierung bedeutete.

Die Zahl der Kirchenneubauten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg ist wegen des Bevölkerungswachstums gewaltig. Mit der Einrichtung der kirchlichen Bauämter wurde die sakrale Baukunst ab 1863 unabhängig von den staatlichen Bauämtern. Kirchliche Bauamtsleiter wie Lukas Engesser oder Adolf Williard, Architekt von St. Leonhard in Lauf, blieben aber von Hübsch beeinflusst. Mit der Ernennung des in der Kölner Dombauhütte ausgebildeten Max Meckel zum Baudirektor gewann 1893 die Neugotik in der Erzdiözese an Bedeutung.

Später Vertreter der Moderne im Kirchenbau: Die Autobahnkirche von Baden-Baden. Foto: Ralf-Joachim Kraft/BNN/av

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Später Vertreter der Moderne im Kirchenbau: Die Autobahnkirche von Baden-Baden. Foto: Ralf-Joachim Kraft/BNN/av

Zwischen den Weltkriegen öffnete sich die Baukunst des Bistums zunächst nur zögerlich für neue Formen. Herausragende moderne Architekten wie Dominikus Böhm in Köln fehlten in Baden. Als Meisterwerk des Expressionismus gilt Herz Jesu in Pforzheim, ein Werk von Otto Linder. Nach 1945 ist die Moderne nicht mehr aufzuhalten. Beispiele sind St. Konrad in Karlsruhe von Werner Groh oder als später Vertreter die Autobahnkirche Baden-Baden von Friedrich Zwingmann. Wolf-Holzäpfel geht aber auch auf aktuelle Probleme wie die Aufgaben des Denkmalschutzes und vor allem die Umnutzung und Transformation der wegen sinkender Mitgliederzahlen nicht mehr benötigten Kirchen ein.

Ein Desiderat des großartigen Buches ist das fehlende Literaturverzeichnis. Fachleute oder Laien, die weiterführende Hinweise zur Lektüre suchen, werden enttäuscht. Die wenigen Fußnoten mit Quellenhinweisen sind unvollständig. Neuere Literatur wird kaum berücksichtigt. Dennoch gehört dieses Buch ins Regal jedes Architekturfans.

Werner Wolf-Holzäpfel: Kirchen Raum Kunst - Sakrale Architektur und Kunst im Erzbistum Freiburg 1821 - 2021, 312 Seiten, mehr als 350 fast ausschließlich farbige Illustrationen, Verlag Schnell & Steiner, Preis: 40 Euro.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
1. Mai 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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