Badische Landesbibliothek 250 Jahre alt

Karlsruhe (patz) – Zum 1. Januar 1771 trat die erste Benutzungsordnung für die markgräfliche Bibliothek in Kraft. Sie wurde an die Tür genagelt. Jedem war fortan das Ausleihen von Büchern gestattet.

Das Statut gewährte ab 1771 allen, die danach strebten, den Zutritt zum Universum des Wissens. Foto: Bad. Landesbibliothek

Das Statut gewährte ab 1771 allen, die danach strebten, den Zutritt zum Universum des Wissens. Foto: Bad. Landesbibliothek

Die Benutzungsordnung war auf Latein verfasst und beginnt mit den Worten „Quum Bibliothecam a Serenissimis Majoribus inchoatam, a Nobis auctam publico eorum“. In acht Paragrafen regelte das Statut den Zweck, die Öffnungszeiten (mittwochs und samstags), das Verhalten der Nutzer in den Räumen, die Ausleihmodalitäten und alles andere. Auch dass Ausleiher beschädigte Bücher ersetzen mussten, die Ausleihfristen (damals wie heute vier Wochen) und die Strafen bei Unterschlagung und Diebstahl.

Eigentlich hätte dieses Jubiläum gefeiert werden sollen, aber so gibt es nur den Festvortrag von Bibliotheksspezialist Ludger Syré zu sehen und zu hören: auf dem Youtube-Kanal der Badischen Landesbibliothek.

Mit vielen Details und erstaunlichen Geschichten erzählt Syré die Geschichte der Bibliothek nach, deren Vorgeschichte vor etwa 500 Jahren mit den Bibliotheken der Markgrafen in Pforzheim, Durlach und Baden-Baden begann. Auch die vergeblichen Versuche, die heute so wichtigen Pflichtexemplare einzuführen, schildert er. „Welches Werk auch immer in unseren Buchdruckereien veröffentlicht wird, ist in zwei Exemplaren an die Bibliothek abzugeben“, verlangte der aufgeklärte Karl Friedrich, der mit der Öffnung seiner Bibliothek Bildung, Kultur und Wissenschaft fördern wollte.

Syré erzählt von den ersten Katalogen, von den Aufrufen in den Zeitungen, die ausgeliehenen Bücher zur Inventurzeit doch bitte zurückzubringen. Vom Leihschein in der Durlacher Hofbibliothek, den es so in anderen Bibliotheken nicht gab und auf dem der Entleiher versprach, „keine Spur von Eselsohren oder Tintenflecken im Papier zu hinterlassen“. Von den kriegsbedingten Auslagerungen, dem Bibliotheksneubau am Schloss und von den vielen Veränderungen bei der Ausleihe und dem später manchmal sehr rigiden Umgang mit Ausleihwilligen.

Mit vielen Zitaten und einer stupenden Kenntnis führt Syré durch die Jahrhunderte der Bibliotheken bis zum Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg und bietet eine Fülle an Informationen, gut aufbereitet und locker erzählt. Das Jubiläumsfest soll nachgeholt werden.

Ihr Autor

Georg Patzer

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Erstellt:
5. Februar 2021, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2021, 09:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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