Badische Seite lehnt Gewerbegebiet bei Wörth ab

Karlsruhe (vn) – Wörth und Kandel planen ein 52 Hektar großes Gewerbegebiet – mit Erweiterungsoptionen. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hält das für völlig überdimensioniert.

Die Pläne von Wörth und Kandel würden zu mehr Lkw-Verkehr auf der Rheinbrücke führen. Foto: Uli Deck/Archiv

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Die Pläne von Wörth und Kandel würden zu mehr Lkw-Verkehr auf der Rheinbrücke führen. Foto: Uli Deck/Archiv

Zwischen Baden und der Pfalz hängt der Haussegen schief – zumindest planungsrechtlich. Das Vorhaben der Verbandsgemeinde Kandel und der Stadt Wörth für ein insgesamt 52 Hektar großes Gewerbegebiet inklusive späterer Erweiterungen wird vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein als völlig überdimensioniert abgelehnt.

Das gute Nachbarschaftsverhältnis scheint vor allem deshalb gestört, weil die pfälzische Seite nach Angaben von Verbandsdirektor Gerd Hager keinerlei Anstalten macht, Kontakt aufzunehmen und sich zu erklären. „Mit uns hat kein Mensch je gesprochen.“ Weil die Pläne von Kandel und Wörth schon ein gutes Jahr öffentlich sind, fielen die Reaktionen der Mandatsträger am Mittwoch in der Sitzung des Planungsausschusses harsch aus: Mit den Pfälzern „ist wohl der Planungsgaul durchgegangen“, wurde der „Flächenfraß“ kritisiert. Hager betonte, dass der Regionalverband für eine vernünftige Bedarfsdeckung immer offen sei, „aber nicht in dieser Größenordnung und vor allem nicht ohne jede Einbindung“.

Das Gelände liegt im Dreieck zwischen Wörth, Hagenbach und Maximiliansau. Es wird heute als landwirtschaftliche Fläche genutzt und beinhaltet einige kleinräumige Biotope. Im Regionalplan ist das Areal als regionaler Grünzug ausgewiesen. Hinzu kommen sogenannte Vorbehaltsgebiete für Hochwasserschutz und Kiesabbau.

Planungsrechtlich sind das alles Hürden, die die Bürgermeister nicht mit einem Federstrich aufheben lassen können. „Ein Gebiet dieser Größe muss vom Träger der Regionalplanung entschieden werden, denn es greift deutlich in das Strukturgefüge zwischen Siedlung und Freiraum in der Region ein“, fordert Hager die Pfälzer Seite zum Handeln auf. Das heißt: Nicht die Kommunen sollten das Verfahren führen, sondern der Verband Region Rhein-Neckar (VRRN).

Umgerechnet fast 230 Standard-Fußballfelder

Die badische Seite schlägt vor allem deshalb Alarm, weil mit den 52 Hektar das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht wäre. „In der ersten Ausbaustufe bis 2030 sind in dem Gebiet die genannten 52 Hektar an gewerblichen Bauflächen vorgesehen, wobei 32 Hektar auf Wörth und rund 20 Hektar auf die Verbandsgemeinde Kandel entfallen“, heißt es in der Sitzungsvorlage des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. „In der weiteren Perspektive dieses Konzepts bis 2040 sind zusätzlich rund 87 Hektar, somit insgesamt rund 137 Hektar gewerbliche Entwicklungsflächen vorgesehen.“ Weitere rund 25 Hektar „Entwicklungspotenziale“ sieht das Konzept als „Reserveflächen“ vor. Ergibt in Summe 164 Hektar, was fast 230 Standard-Fußballfeldern entsprechen würde.

Noch ein anderer Vergleich: Die 52 Hektar in der ersten Ausbaustufe entsprechen in etwa dem Bedarf des gesamten Nachbarschaftsverbands Karlsruhe (NVK). Die beiden pfälzischen Kommunen haben zusammen rund 45.000 Einwohner, der NVK hingegen zwölf Kommunen mit rund 480.000 Einwohnern. „Die Pfalz aast mit ihren Flächen“, zürnt ein Kommunalpolitiker, „hier ist eine klare Ansage nötig.“

Ganz offensichtlich richtet sich das Angebot auf das Oberzentrum Karlsruhe aus. Die Belastungen über die beiden kooperierenden Kommunen hinaus, beispielsweise der erheblich zunehmende Lkw-Verkehr, wurden bislang nicht thematisiert.

Wie es weitergeht, ist offen: Möglicherweise lässt sich auf politischer Ebene ein Gesprächskanal öffnen, auch die beiden betroffenen Regionalverbände haben einen guten Draht zueinander.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
5. Mai 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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