Badischer Hof: Sanierung dauert bis 2023

Baden-Baden (BNN) – Hinter der Verpackung wird hart gearbeitet: Nach dem Großbrand im September 2021 laufen in dem Hotel Badischer Hof die Sanierungsarbeiten auf Hochtouren.

Nur noch nacktes Mauerwerk: Laut Hoteldirektor Benjamin Eichner lässt sich der Verputz nicht erhalten. Foto: Bernhard Margull

© Bernhard Margull

Nur noch nacktes Mauerwerk: Laut Hoteldirektor Benjamin Eichner lässt sich der Verputz nicht erhalten. Foto: Bernhard Margull

Der Badische Hof mutet wie ein Werk des verstorbenen Verpackungskünstlers Christo an. Seit Monaten ist der historische Gebäudeteil des Traditions-Hotels in Baden-Baden mit weißen Plastikfolien komplett eingehüllt. Grund: Nach dem Großbrand am 2. September 2021 laufen in dem Hotel die Sanierungsarbeiten.

Auch innen sieht alles anders aus als gewohnt: Die prächtige Säulenhalle ist nicht wiederzuerkennen. Im einst prunkvollen Saal des Grand-Hotels türmt sich ein gigantisches Stahlgerüst über mehrere Stockwerke auf.

Denkmalschutzbegleitet die Sanierung

Wo früher kunstvoll gestalteter Stuck und Ornamente die Wände zierten, sind nur noch freigelegte Backstein-Mauern und Holzbalken übrig. An den meterhohen Säulen ist der Putz ebenfalls komplett abgeklopft. Ein paar Bretter schützen die kostbaren Sockel. Zwei Palmen in Töpfen schmücken nach wie vor die beiden Treppenaufgänge, wirken jedoch wie Relikte aus einer Zeit, als das Hotel bessere Tage gesehen hat. Keine Frage, das Feuer hat massiv gewütet. Der Dachstuhl ist komplett zerstört. Ein provisorisches Dach schützt nun das Hotel vor Regen und Schnee. Allerdings hat nicht das Feuer allein sondern das zur Brandbekämpfung eingesetzte Löschwasser die immensen Schäden angerichtet. „Die Feuerwehr hat Millionen Liter Wasser gespritzt“, erläutert Hoteldirektor Benjamin Eichner bei einem Rundgang durch die Baustelle. Das Wasser ist vom Dachstuhl bis hinunter in den Keller geflossen und hat Wände sowie Decken durchfeuchtet. „Das ganze Ausmaß des Schadens hat sich erst nach und nach herausgestellt“, sagt Eichner im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine Spezialfirma hat mittlerweile alle schadhaften Stellen abgetragen und das Mauerwerk freigelegt. Monate nach der Zerstörung laufen immer noch riesige Trocknungsmaschinen, um die Feuchtigkeit aus Wänden und Decken zu bringen.

Komplett zerstört: Der Großbrand hat im Inneren des Badischen Hofs kaum etwas übrig gelassen. Foto: Bernhard Margull

© Bernhard Margull

Komplett zerstört: Der Großbrand hat im Inneren des Badischen Hofs kaum etwas übrig gelassen. Foto: Bernhard Margull

„Wir sind noch in der Phase des Rückbaus“, berichtet Eichner. Als Hoteldirektor leitet der 44-Jährige derzeit kein 160-Zimmer-Haus, sondern ist in erster Linie damit beschäftigt, die Arbeiten zu koordinieren. Vor allem sein Wissen über den historischen Zustand des Hotels, das aus einem Kapuzinerkloster hervorging, sei gefragt.

Neben dem am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen ältesten Trakt blieb auch der neuere Gebäudeteil von den Folgen des Brands nicht verschont. Entweder floss Wasser in die Zimmer oder hartnäckiger Ruß setzte sich dort fest. Etwa 100 Zimmer benötigen eine Renovierung. Was das alles kosten wird, steht nach Auskunft des Hotelchefs noch nicht fest. Eichner rechnet auf jeden Fall mit einer zweistelligen Millionensumme.

„Wir müssen Denkmalschutz und eine moderne nachhaltig ausgerichtete Energieversorgung, die zum Klimaschutz beiträgt, in Einklang bringen“, skizziert Urban Knapp vom Büro Kühnl + Schmidt Architekten eine wesentliche Herausforderung bei der Sanierung. „Die Denkmalpflege begleitet Wiederaufbau und Neugestaltung“, betont Knapp. Der Badische Hof war das erste sogenannte Palasthotel in Deutschland mit der dafür typischen Monumentalität. Nach der Auszeichnung Baden-Badens mit dem Unesco-Welterbe-Prädikat messe die Denkmalpflege dem Vorhaben große Bedeutung bei. Um dieser gerecht zu werden, mache ein Restaurator Aufnahmen, die als Grundlage für die anstehende Sanierung dienten.

Fünf Sterneangestrebt

Wie geht es konkret weiter? Knapp zufolge ist ein richtiges Dach die dringlichste Aufgabe. Die provisorische Konstruktion sei zwar dicht, es bilde sich dort aber Kondenswasser. „Damit kommt wieder Nässe ins Gebäude“, sagt der Architekt. Ein vorgezogener Bauantrag für das Dach sei in Vorbereitung. Danach folge der Antrag für die eigentliche Sanierung.

Direktor Eichner rechnet mit einer Schließungsphase von mindestens zwei Jahren. 2023 möchte er wieder Gäste empfangen. Die Hotel-Betreiberin, die Precise Hotels & Resorts GmbH mit Sitz in Berlin, verfolgt mit dem Wiederaufbau weitere Pläne: Sie möchte den traditionsreichen Badischen Hof künftig als Fünf-Sterne-Luxushotel am Markt platzieren. Diese Klassifizierung war bereits im Sommer 2021 angestrebt. „Das ist dann aber an dem Brand gescheitert“, berichtet Eichner.

Schäden durch Feuchtigkeit: Trocknungsschläuche transportieren die Nässe aus dem Gebäude. Foto: Bernhard Margull

© Bernhard Margull

Schäden durch Feuchtigkeit: Trocknungsschläuche transportieren die Nässe aus dem Gebäude. Foto: Bernhard Margull

Bei Eichner ist die anfängliche Verzweiflung – „Ich war am Boden zerstört, als das Hotel in Flammen stand“ – mittlerweile großem Optimismus gewichen. Nicht zuletzt deshalb, weil er und sein Team nach dem Desaster viel Zuspruch und Unterstützung erfahren hätten. „Dafür bin ich sehr dankbar“, bekräftigt er.

Zum Thema

Der Großbrand am 2. September 2021 zerstört den Dachstuhl des Badischen Hofs komplett. Durch das Löschwasser sind auch große Teile des in den Jahren zuvor sanierten Traditionshauses betroffen. Mehrere Feuerwehren sind mit 150 Kräften im Einsatz. Die etwa 160 Gäste kommen überwiegend in anderen Hotels unter. Schon kurz nach dem Brand schließt die Polizei Brandstiftung nicht aus. Nach Gesprächen mit Hotelgästen und Mitarbeitern liegen Erkenntnisse vor, dass das Feuer an zwei unterschiedlichen Stellen im Gebäude ausgebrochen ist. Hinweise auf eine technische Ursache gibt es nicht. Eine Ermittlungsgruppe im Kriminal-Kommissariat Rastatt nimmt die Ermittlungen auf. „Die Ermittlungen dauern an. Es liegen noch keine neuen Erkenntnisse vor“, teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg mit.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Michael Rudolphi

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Erstellt:
26. Januar 2022, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

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