Bäckereien rechnen mit deutlichen Preiserhöhungen

Baden-Baden (BNN) – Nach dem russischen Angriff ist der Weizenpreis massiv gestiegen. Auch Energie, Sprit und Löhne sind teurer geworden. Was kommt auf die Verbraucher zu? Ein Beispiel: Backwaren.

Bäckereien rechnen mit deutlichen Preiserhöhungen

Sind bereits teurer geworden: Preise für Backwaren wurden vielerorts erhöht. Viele Bäckereien planen einen weiteren Aufschlag. Dabei spielt auch Putins Krieg eine Rolle. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Brot und Brötchen könnten nochmals teurer werden. Ein Grund: Russland und die Ukraine liefern ein Viertel der weltweiten Weizenmenge. Mit Putins Krieg hat sich der Agrarrohstoff stark verteuert.

Auch die Energie- und Transportkosten dürften weiter steigen – die Bäckereien brauchen Gas für die Öfen in ihren Bäckereien, Strom für ihre Kühlhäuser und Aufbacköfen in den Filialen sowie Sprit für ihre Fahrzeugflotte, die Brot und Brötchen ausliefert.

300 backende Betriebe sind Mitglied der Einkaufsgenossenschaft Bäko Mittelbaden (Offenburg). Bereits im vergangenen Jahr seien landwirtschaftliche Produkte deutlich teurer geworden. Deshalb habe man die Preise gegenüber den Mitgliedern um 4,5 Prozent erhöht, so Bäko-Geschäftsführer Jochen Knorpp.

„Wir kratzen nun an der Zweistelligkeit“ bei den Preiserhöhungen sagte Knorpp noch vor dem russischen Einmarsch und dessen wirtschaftlichen Folgen.

Energie und Rohstoffe deutlich teurer

Die Bäckereien könnten aber nicht eins zu eins die allgemein gestiegenen Kosten an die Kundschaft weitergeben – weil diese sonst verstärkt zu den Discountern mit ihren Backstationen abwandern könnte. „Leider geht es ja jedem einzelnen von uns so, dass wir mit einer Vielzahl von Preiserhöhungen in allen Bereichen konfrontiert sind, und die Einkommen steigen bekanntermaßen nicht in diesem Maß mit“, sagt Susanne Schied, Geschäftsführerin der Badische Backstub GmbH (Ettlingen) mit ihren 30 Filialen.

So gebe man bislang den großen Teil der hohen Energiepreise noch gar nicht weiter. Die Preise für Gas und Strom seien aktuell für die Badische Backstub „weit mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr“.

Der Mehlpreis sei für das Unternehmen um ein Drittel gestiegen, Milchprodukte um 20 bis 25 Prozent. Im vergangenen Dezember habe man die Preise über das gesamte Sortiment erhöht. Die Brezel beispielsweise koste nun 85 Cent und nicht mehr wie mehrere Jahre zuvor 80 Cent. Auch in diesem Jahr werde man um eine Preiserhöhung „vermutlich nicht herumkommen“, sagt Schied.

Auch die Waldbronner Richard Nussbaumer-Gruppe mit ihren 45 Filialen hat Mitte 2021 und zu Jahresbeginn 2022 die Preise erhöht, um ein weiteres Beispiel zu nennen. So kostet der Spitzweck jetzt 45 und nicht mehr 40 Cent, wie noch vor einem Jahr, sagt Geschäftsführer Bruno Rihm. Die Getreidemühlen hätten für dieses Jahr weitere Preiserhöhungen angekündigt.

Letztlich trifft selbst kleine und mittelständische Bäckereien der Weltmarkt. Rihm nennt ein Beispiel: Himbeeren bezieht Nussbaumer aus Deutschland, Serbien und Polen. Allerdings ist zuletzt die chilenische Ernte ausgefallen, wo sonst die Amerikaner einkaufen. Sie haben nun auf dem europäischen Markt zugegriffen – es ist ein ähnlicher Ablauf wie in der Holzwirtschaft. Auch dort sind die Preise explodiert. Alles sei teurer geworden, auch die Reparatur von Maschinen in der Bäckerei, so Rihm.

Auf eine Preiserhöhung folgt die nächste

Darauf weist auch Bruno Ketterer, Chef von Peter’s gute Backstube GmbH & Co KG (Bühl) mit ihren 50 Filialen hin. Davon seien übrigens auch die Discounter betroffen. Die Bühler Bäckerei-Gruppe hatte im vergangenen Jahr eine Preiserhöhung von 2,5 Prozent und zum 1. Januar 2022 von fünf Prozent. „Eine weitere Preiserhöhung wird im September wohl unumgänglich sein“, sagt Ketterer.

Seit September vergangenen Jahres kenne man nur Preiserhöhungen bei Rohstoffen. Der Weizenpreis habe sich stellenweise um 40 Prozent erhöht. Butter habe sich im Preis teilweise mehr als verdoppelt. „Hätten wir nicht langjährige treue Lieferpartnerschaften, wäre wohl der ein oder andere Artikel aus dem Sortiment gefallen“, so Ketterer weiter.

Und nun noch der Krieg Russlands in der Ukraine: Beide Länder hatten 2019 bei Sonnenblumen einen Anteil an der Welternte von 56 Prozent – die Kerne finden sich häufig in Backwaren und werden zudem zu Sonnenblumenöl verarbeitet. Darauf weist das Unternehmen Speciality Brokers hin.

Noch eine (finanzielle) Herausforderung der Back-Branche: die beschlossene Mindestlohnerhöhung. Fachverkäuferinnen wollen naturgemäß mehr verdienen als beispielsweise ein Schüler, der im Verkauf aushilft. Das gesamte Lohngefüge verändere sich durch den von der Bundesregierung festgesetzten neuen Mindestlohn, sagt Schied. „Es muss sich ja weiterhin lohnen, eine ordentliche Qualifikation zu besitzen.“

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