Bäume wurden wegen Verkehrsgefährdung gefällt

Gaggenau (ko) – In der „Sommerhalde II“ in Gaggenau wurden in den letzten Jahren immer wieder Bäume gefällt. Rund 300 Festmeter Holz wurden geschlagen.

Förster Jochen Müller informiert über die Baumfällarbeiten: Rund 300 Festmeter Buchen und Eichen wurden bereits in dem Bereich geschlagen. Foto: Joachim Kocher

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Förster Jochen Müller informiert über die Baumfällarbeiten: Rund 300 Festmeter Buchen und Eichen wurden bereits in dem Bereich geschlagen. Foto: Joachim Kocher

Betroffen ist der schmale Waldstreifen zwischen der Kniebisstraße/Ecke Josef-Hollerbach-Straße und dem Wohngebiet „Sommerhalde II“. Seit 2019 wurden rund 300 Festmeter Holz eingeschlagen und als Brennholz verkauft.

Die Thematik wurde schon wiederholt im Gemeinderat und im Bauausschuss, so unter anderem von Stadträtin Gerlinde Stolle (SPD) angesprochen. Bürgerinnen und Bürgern hatten sich zuvor bei der SPD-Stadträtin über die Baumfällungen beschwert beziehungs-weise informierten wollen. Eine klare Antwort, so Stolle, hat es zu der Thematik von der Verwaltung nie gegeben. Vonseiten der Stadt wurde zumeist auf den Forst verwiesen. Nach Meinung der SPD-Stadträtin wäre es besser gewesen, wenn die Stadtverwaltung oder der Forst vor Beginn der Baumfällarbeiten auf die Gründe, die zu der Maßnahme geführt haben, hingewiesen hätten. Die städtische Pressesprecherin Judith Feuerer betonte nunmehr auf BNN-Anfrage, dass die Anfrage von Gerlinde Stolle am 12. April 2021 beantwortet wurde. Wir geben Baumfällungen im Stadtgebiet immer über Pressemitteilungen bekannt, sagte Feuerer. Holzeinschläge im Bereich des Waldes aber nicht, da wir zum einen nicht für den ganzen Waldbestand zuständig sind und zum anderen in der Regel auch kein Interesse an Informationen über Baumfällungen im Wald besteht.

Fällungen dienten der Verkehrssicherung

Im BNN-Gespräch informierte nunmehr der zuständige Revierleiter Jochen Müller, dass es sich bei den Baumfällarbeiten um Verkehrssicherungsmaßnahmen handelte. Als Folge der drei sehr trockenen und heißen Jahre 2018, 2019 und 2020 sind dort alle alten Buchen und auch einige Eichen abgestorben. Müller: „Die hohen Bäume wären auf die Kniebis- oder Josef- Hollerbach-Straße oder die angrenzenden Häuser gefallen, wenn sie nicht gefällt worden wären“. „Wenn man nicht rasch gehandelt hätte, wäre kurzfristig eine starke Gefährdung für Passanten entstanden“. Ein großer Ast einer damals noch äußerlich gesunden Eiche war bereits auf den Fußweg und die Straße an der Einmündung der Josef-Hollerbach-Straße gefallen.

Betroffen von den Baumfällungen sind vor allem Buchen, betonte Jochen Müller. Deutschlandweit wird seit 2018 beobachtet, dass die Buchen stark geschädigt sind und viele alte Buchen absterben. Dieses Phänomen war vorher unbekannt. Die Buche war bislang einer der vitalsten Bäume in Deutschland, aber im Zuge des immer deutlicher werdenden Klimawandels mit extremer Trockenheit und Hitze kommen vor allem die alten Bäume mit einem hohen Wasserbedarf an ihre Grenzen. Die Bäume an der Josef-Hollerbach-Straße waren circa 160 Jahre alt. Durch das nasse und kühlere Jahr 2021 hat sich die Lage aktuell gebessert, aber das kann auch nur eine kurzfristige Verschnaufpause für den Wald sein, denn im nächsten trockenen und heißen Sommer wird das Absterben der Bäume wieder voranschreiten.

Kleine Pflanzen erhalten mehr Licht zum Wachsen

Wie Müller betont, sind aktuell keine weiteren Baumfällarbeiten rund um die „Sommerhalde II“ geplant. In dem Waldstreifen zwischen Sommerhalde II und der Kniebisstraße werden schon lange fast nur noch Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt. Der Bereich dient mit den vielen kleinen Pfaden zur Erholung, als Sicht- und Lärmschutz, der Luftreinhaltung und „wir sind froh um jeden gesunden Baum, der dort stehen bleiben kann“. Dort wo die Bäume gefällt werden mussten, stehen viele vor Ort gekeimte kleine Eichen und Buchen, die jetzt reichlich Licht zum Wachsen bekommen haben. Wenn Sie in einigen Jahren größer geworden sind, werden wir sie vereinzeln, damit sie Platz haben und zu stabilen Bäumen werden können.“ Die „Naturverjüngung“ mit vor Ort gekeimten Bäumen, so Jochen Müller, führt zu stabileren Wäldern, weil die Wurzelentwicklung nicht durch das Umsetzen von der Pflanzschule in den Wald gestört wird. Mit der Eiche ist hier in der Naturverjüngung eine nach bisherigen Erfahrungen stabile Baumart in Zeiten des Klimawandels vorhanden, so dass keine Notwendigkeit für zusätzliche Pflanzungen besteht.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Joachim Kocher

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Erstellt:
6. April 2022, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

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