Bafin rügt Konzernabschluss von Grenke

Baden-Baden (vo) – Die Aufsicht kritisiert die Baden-Badener Grenke AG für den Konzernabschluss 2019. Die Unternehmensführung ist nicht überrascht.

Grenke-Zentrale in Baden-Baden: Das Unternehmen ist laut Finanzchef Hirsch auf dem Weg zurück in die „Normalität“. Foto: Foto: Uli Deck/dpa

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Grenke-Zentrale in Baden-Baden: Das Unternehmen ist laut Finanzchef Hirsch auf dem Weg zurück in die „Normalität“. Foto: Foto: Uli Deck/dpa

Kurz vor der Hauptversammlung des Finanzdienstleisters Grenke am Donnerstag hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ihr Verfahren zum Konzernabschluss 2019 beendet. In einem sogenannten Fehlerfeststellungsbescheid kritisiert die Bafin, dass Franchisegesellschaften als Tochterunternehmen nicht in den Abschluss einbezogen sowie Leasingforderungen und Geschäfts- oder Firmenwerte zu hoch ausgewiesen wurden.

Die Bafin hatte im September 2020 die Prüfung des Konzernabschlusses 2019 sowie des Konzernlageberichts und des Lageberichts für das Geschäftsjahr 2019 von der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) übernommen. Sie lief zusätzlich zur Sonderprüfung der Bafin nach Vorwürfen der Bilanzfälschung durch den britischen Shortseller Fraser Perring.

Die Prüfung des Konzernabschlusses 2019 hat nach Ansicht von Grenke die erwarteten Ergebnisse, die teilweise auch schon bekannt waren, gebracht. Finanzchef Sebastian Hirsch sagte dazu am Dienstag: „Der Bescheid markiert für uns vor allem das Ende dieser intensiven Prüfung. Weil wir alle wesentlichen Themen bereits antizipiert haben, enthält er keine Überraschungen. Für uns ist es gleichwohl ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Normalität.“ Nach Einschätzung von Grenke ergebe sich aus dem Feststellungsbescheid kein weiterer Anpassungsbedarf für den Konzernabschluss 2020 oder frühere Abschlüsse wegen möglicher Bilanzierungsverstöße.

Im Einzelnen gab es seitens der Bafin folgende Fehlerfeststellungen:

Bilanzielle Behandlung Franchiseunternehmen: Laut Einschätzung der Bafin hat es Grenke unterlassen, insgesamt 20 Tochterunternehmen in den Konzernabschluss einzubeziehen. Stattdessen seien zum Zeitpunkt des jeweiligen Kaufs fehlerhaft Unternehmenszusammenschlüsse bilanziert und die Tochterunternehmen erst ab diesem Zeitpunkt in den Konzernabschluss eingeflossen. Dadurch wurden unter anderem Geschäfts- oder Firmenwerte um 54,3 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen. Inzwischen hat das Unternehmen die Franchisegesellschaften rückwirkend für 2019 konsolidiert. Deshalb verringerte sich das bilanzielle Eigenkapital zum 1. Januar 2019 um 85,1 Millionen Euro. Nach der Anpassung wies die Aktiengesellschaft zum 1. Januar 2019 ein Eigenkapital von rund 980 Millionen Euro aus. Zum 31. Dezember 2019 waren es 1,143 Milliarden Euro.

Ermittlung der Risikovorsorge: Ein weiterer Kritikpunkt der Bafin betrifft die Wertberichtigungen von Leasingforderungen sowie die damit verbundene Risikovorsorgeermittlung. Hier seien die Leasingforderungen teilweise zu hoch ausgewiesen gewesen. Grenke hat inzwischen die Vorjahreszahlen im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2020 entsprechend angepasst beziehungsweise in laufender Rechnung berücksichtigt.

Firmenwerte der Tochtergesellschaften in Polen und Portugal: Laut Bafin wurden Geschäfts- oder Firmenwerte um 6,2 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen. Davon entfielen 4,2 Millionen auf die Tochter in Polen und 2,9 Millionen auf die in Portugal. Auch hier hat Grenke im Konzernabschluss 2020 rückwirkend für 2019 eine entsprechende Firmenwert-Abschreibung auf das Geschäft in Polen sowie eine Anpassung des Kaufpreises für die portugiesische Franchisegesellschaft vorgenommen.

Der Kurs der Grenke-Aktie im S-DAX brach am Dienstagabend im nachbörslichen Handel um zeitweise mehr als zehn Prozent ein. Er erholte sich dann aber schnell wieder.


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