Baggerführer im Südwesten dringend gesucht

Karlsruhe (ebe) – Die Baubranche wirbt auf der Karlsruher Fachmesse für Recycling und Tiefbau für ihre Jobs.

Gesuchte Fachkraft: Azubi Nils Vetter demonstriert, was er gelernt hat.Foto: Rake Hora

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Gesuchte Fachkraft: Azubi Nils Vetter demonstriert, was er gelernt hat.Foto: Rake Hora

Nils Vetter hatte nach der Schule zwei Bewerbungen verfasst – und dann gleich zwei Angebote. Entschieden hat er sich für das Bauunternehmen Leonhard Weiss. Jetzt ist der 18-Jährige im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Baugeräteführer – und zeigt derzeit auf den Musterbaustellen der Karlsruher Messe „Tiefbau Live“, was die neuen Bagger alles so können.

Sein Publikum ist ganz überwiegend männlich. Doch die Baubranche hat ein Problem: Jemand muss die neuen Bagger auch fahren. Daran mangelt es aber eklatant. Daher sollen auf der Messe jetzt direkt neben der Musterbaustelle auch Frauen für diese Berufe begeistert werden. Unter dem passenden Namen „Baustelle: Zukunft“ findet ein Novum statt: Eine Jobbörse auf der Fachmesse „Recycling Aktiv & Tiefbau Live“.

Menschen wie Nils Vetter werden händeringend gesucht. Laut einer Umfrage des Verbandes der Bauwirtschaft klagen 78 Prozent der Mitgliedsbetriebe, dass ihre Arbeit durch fehlende Mitarbeiter derzeit am stärksten behindert wird. „Grund für die starke Personalnachfrage sind die gewaltigen Bauaufgaben der kommenden Jahre – etwa im Wohnungsbau, in der energetischen Gebäudesanierung oder im Verkehrswegebau“, sagt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Die Branche will daher auch das Potenzial von Frauen noch stärker nutzen. Moderne Maschinen sowie digitale Technologien erforderten heute kaum mehr Muskelkraft, sondern ein breites Fachwissen, sodass der Bau in den Augen des Verbandes längst keine Männerdomäne mehr sein muss. Die Praxis sieht freilich noch erheblich anders aus: Nur rund fünf Prozent der Auszubildenden seien Frauen, sagt Timo Raach von der Bildungsakademie der Bauwirtschaft. „Die Tendenz ist aber steigend.“

Hohe Durchlässigkeit


„Die Chancen waren nie so gut wie heute, um Ausbildungs- oder Arbeitsplätze zu finden“, sagt Jessica Beiner von der Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt. Im Baubereich sei die Durchlässigkeit hoch, es gebe nach der Ausbildung auch interessante Studienmöglichkeiten. „Auch Bauingenieure werden gesucht.“

Eine der Firmen, die bei der Jobbörse vertreten ist, die die Oettinger-Gruppe mit Sitz in Malsch. Sie hat aktuell 24 Stellen in zwölf Berufen offen. Auch sie sucht für 2022 noch Auszubildende für die Berufe Baugeräteführer und Straßenbauer. „Wir sind ständig am Suchen“, sagt Peter Eling, Geschäftsführer der Oettinger-Tochter BRZ Durmersheim. Doch den Berufen auf Baustellen hafte ein schlechtes Image an: schmutzig, schlecht bezahlt. Zu Unrecht, meint Eling: Modernste Geräten hätten die Arbeit sehr erleichtert. Und mit Zuschlägen und Spesen könne man schnell auf netto weit über 2.000 Euro kommen, ergänzt Teamleiter Pirmin Löffler. „Das ist vergleichbar mit kaufmännischen Berufen, nur sind wir an der frischen Luft.“

Nils Vetter hat noch ein anderes Argument: Vor kaum einem Jahr hat er, der bald Geselle ist, mit dem Bagger die Baugruppe für ein neues Gebäude der Recaro in Schwäbisch Hall ausgehoben. Die Firma baut Flugzeugsitze. Jetzt ist das Gebäude fast fertig – und es sei ein gutes Gefühl, mit seiner eigenen Arbeit dazu beizutragen, so etwas aufzubauen.


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