Bahnhof Gaggenau wird zum Problemfall

Gaggenau (tom) – Der Trinkertreff macht Teile des Bahnhofsgebäudes zur No-go-Area. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

Das ehemals städtische Bahnhofsgebäude an der August-Schneider-Straße. Foto: Thomas Senger

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Das ehemals städtische Bahnhofsgebäude an der August-Schneider-Straße. Foto: Thomas Senger

Es war eine üble Schlägerei zwischen zwei Betrunkenen am Samstag, 17. April – und nicht zum ersten Mal war die Nische vor dem Bahnhofsklo der Ort derlei Geschehens. Die wenigen Quadratmeter überdachte Fläche haben sich zum Trinkertreff entwickelt. Im Rathaus ist der Sachverhalt bekannt, doch sieht man derzeit keine Handhabe, das dortige Geschehen zu unterbinden.

„Wir haben kein Patentrezept“, gibt Dieter Spannagel zu, der Leiter des Ordnungsamts. Der Bahnhof einer Stadt, er ist für viele Menschen der erste oder der letzte Eindruck, den sie von einem Besuch dort mitnehmen. „Dieser Eindruck ist nicht gut“, weiß auch Dieter Spannagel. Dass das Bahnhofsklo für normale Innenstadtbesucher eine No-go-Area geworden ist, auch darüber wird man sich bei der Stadtverwaltung im Klaren sein. Immer wieder mache man sich im Rathaus Gedanken über die Situation. „Es ist kein Platz schön, wo sich eine Trinkerszene etabliert“, sagt Spannagel, aber: Am Bahnhof gebe es „zumindest eine kleine soziale Kontrolle“ angesichts der vielen Passanten, Bahnreisenden oder Taxifahrer.

Wenn man die Trinkerszene vom Bahnhof vertreibe, zum Beispiel mit Platzverweisen, dann werde das Problem nur woanders hin verlagert. Die Stadt werde das Problem mit der Polizei erörtern. Bei diesem Gespräch solle es auch um eine Kinder- und Jugendgruppe gehen, die derzeit in der Innenstadt Mülleimer umschmeiße und für anderen Unfug verantwortlich sei.

Stadt hat das Gebäude verkauft

Während das Geschehen am und im Gebäude im Blickpunkt der Öffentlichkeit ist, war der Verkauf der ehemals städtischen Immobilie 2020 geräuschlos über die Bühne gegangen: Vom städtischen Eigenbetrieb Stadtwohnung Gaggenau war das Gebäude an den Projektentwickler Wilhelm Architektur in Achern verkauft worden. Das Unternehmen realisiert eine Reihe von Projekten in Gaggenau. Bei Wilhelm wusste man auf BT-Anfrage nichts von den Geschehnissen am eigenen Gebäude. Für den Toilettenbereich sei die Stadt Gaggenau zuständig, betont Geschäftsführer Christian Wilhelm. Sein Unternehmen befasse sich lediglich mit der künftigen Neugestaltung des Areals. Für Aussagen, wie es nach einem etwaigen Abriss dort weitergehen könnte, sei es aber noch zu früh.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
23. April 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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