Ballons stellen Gefahr für den Luftverkehr dar

Stuttgart (for) – Durch das Steigenlassen von gasgefüllten Kinderballons geht eine Gefahr für den Luftverkehr aus, deshalb müssen dabei luftrechtliche Vorschriften eingehalten werden.

Das Steigenlassen von Ballons ist in einer Entfernung von 1,5 Kilometern von der Begrenzung von Flugplätzen untersagt. Es können aber Ausnahmen erteilt werden. Foto: Bodo Schackow/dpa

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Das Steigenlassen von Ballons ist in einer Entfernung von 1,5 Kilometern von der Begrenzung von Flugplätzen untersagt. Es können aber Ausnahmen erteilt werden. Foto: Bodo Schackow/dpa

Schon in den 1980er Jahren hat Sängerin Nena in einem ihrer erfolgreichsten Songs geschildert, welches Chaos „99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont“ anrichten können. Zwar sind die Zeiten des Kalten Kriegs, auf die das Lied anspielen sollte, vorbei. Gasgefüllte Kinderballons am Himmel können aber nach wie vor eine Gefahr darstellen – insbesondere für den Luftverkehr. Deshalb müssen luftrechtliche Vorschriften eingehalten werden.

Störfaktor für einen sicheren Flugbetrieb

Gasgefüllte Ballons – sogenannte Kinderballons – werden gerne bei öffentlichen Festen, Hochzeiten oder Demonstrationen verwendet. Allerdings ist das Steigenlassen dieser Ballons in Baden-Württemberg in einer Entfernung von 1,5 Kilometern von der Begrenzung von Flugplätzen verboten, wie das Regierungspräsidium mitteilt. Hintergrund sei, dass die Ballons den sicheren Flugbetrieb stören und Piloten oder Flugzeuge behindern könnten.

Dabei sei zu beachten, dass nicht nur die großen Verkehrsflughäfen des Landes als Flugplätze im Sinne des Gesetzes definiert sind, sondern ebenso die sonstigen über 200 Landeplätze und Segelfluggelände in Baden-Württemberg, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. „Viele vergessen, dass Segelflugplätze immer auch potenzielle Notlandeflächen für größere Maschinen, etwa Passagierflieger, sind“, erklärt Alexander Schmid, zweiter Vorsitzender beim Aero-Club Baden-Baden. Deshalb dürften dort keine Gefahren lauern, selbst wenn gerade kein Flugbetrieb durch Segelflieger stattfindet. Ebenso gilt das Luftballon-Verbot für die über 80 Hubschrauberlandeplätze an Kliniken im Land.

Luftfahrtbehörde kann Ausnahmen genehmigen

Zwar sei dieses Verbot nicht neu, „die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass im Frühjahr die Saison der Hochzeiten, Feste oder Kundgebungen beginnt, bei denen solche Ballons gerne benutzt werden“, meint das Regierungspräsidium. „Daher war es uns ein Anliegen, die rechtlichen Grundlagen zu veröffentlichen.“

Das Regierungspräsidium Stuttgart ist als Landesluftfahrtbehörde für ganz Baden-Württemberg zuständig und kann Ausnahmen von diesem Verbot zulassen. „Voraussetzung ist, dass von den Kinderballons keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie für den Luftverkehr ausgeht“, heißt es in der Mitteilung weiter. Einen Antrag beziehungsweise eine unverbindliche Anfrage, ob eine Ausnahme überhaupt benötigt wird, kann über die Plattform ServiceBW oder auch direkt beim Regierungspräsidium Stuttgart gestellt werden. „Ein Antrag sollte grundsätzlich ein bis zwei Wochen vorher gestellt werden, um die notwendigen Anhörungen durchführen zu können“, teilt das Regierungspräsidium mit.

Bei Regelverstoß drohen 50.000 Euro Strafe

Sollen Kinderluftballons sogar im kontrollierten Luftraum oder im Luftraum über Flugplätzen mit Flugverkehrskontrollstelle massenhaft, also mehr als 500 Stück, oder gebündelt aufsteigen, ist zudem bei der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle („Tower“) eine Flugverkehrskontrollfreigabe einzuholen.

Wer sich nicht an die Regeln hält, dem droht eine saftige Geldstrafe: Ein Verstoß dieser Vorschrift gilt als Gefährdung des Luftverkehrs. „Dies stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann“, warnt das Regierungspräsidium.

Sichtbehinderung und Ablenkung

Aber welche Gefahren drohen eigentlich, wenn gasgefüllte Ballons in die Nähe von Flugzeugen kommen? „Da gibt es mehrere Risiken“, schreibt das Regierungspräsidium. Zum einen gehe mit den Ballons immer eine Ablenkungsgefahr einher, da der Pilot nicht mit den Ballons rechnet. Außerdem könnten die Luftballons zu einer Sichtbehinderung führen, durch die der Pilot ebenfalls abgelenkt werden könnte.

Und nicht zuletzt bestehe auch ein Risiko für einen technischen Schaden an Flugzeugen. „Fernab einer tatsächlichen technischen Prüfung kann es möglicherweise zu Problemen in den Triebwerken kommen, sobald sich ein Luftballon oder mehrere Ballons dort verfangen“, sagt das Regierungspräsidium auf BT-Nachfrage. Auch an anderen Teilen des Luftfahrzeugs, etwa am Rotor oder an Messinstrumenten, könnte sich der Ballon oder die Schnur verfangen. „Eine Nebenbestimmung einer Erlaubnis ist aus diesem Grund auch, dass keine harten Gegenstände in oder am Luftballon sein dürfen.“ Zudem dürfe sich kein brennbares Gas im Luftballon befinden. Diese Bestimmungen sollen laut Regierungspräsidium das Gefahrenrisiko mindern.

Zum Thema: Lebensbedrohlich für die Tierwelt

Kinderballons können für den Luftverkehr eine erhebliche Gefahr darstellen. Daneben können sie aber auch für die Tierwelt lebensbedrohlich sein, wie Dominic Hahn vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf BT-Nachfrage erklärt. Regelmäßig würden Tiere verenden, weil sie die Ballons fressen oder sich in den Ballonschnüren verheddern. „Die Luftballons können aus unterschiedlichen Materialien bestehen“, sagt Hahn. Einige seien aus abbaubarem Naturlatex, manche aber auch aus Kunststofffolie. Letzteres sei für Tier- und Umwelt besonders schädlich, weil Kunststoff sehr langlebig ist. „Aber auch Naturlatex birgt viele Gefahren“, merkt Hahn an. So brauche Latex an Land acht bis zehn Wochen, bis er sich zersetzt. „Das ist eine lange Zeitspanne, in der der Ballon in der Natur liegt und im schlimmsten Fall von Tieren gefressen werden kann“, schildert Hahn die Situation. Dadurch werde der Verdauungstrakt der Tiere geschlossen, eine andere Nahrungsaufnahme sei nicht mehr möglich. Die Folge davon: Die Tiere verhungern. In Gewässern seien die Abbauzeiten noch länger, hier könne ein Latexballon durchaus fünf Monate im Wasser treiben, bis er sich zersetzt. Die Schnüre, an denen die Ballons oft befestigt werden, seien dagegen fast immer aus Kunststoff, „es benötigt mehrere Jahre, bis sie sich zersetzen.“ Das Risiko, dass sich Tiere darin verheddern und sterben, sei groß.


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