Bamberger Symphoniker: Mitreißend und lebendig

Baden-Baden (nl) – Gustav Mahlers zweite Sinfonie erweist sich im Festspielhaus als Publikumsmagnet.

Großartige Leistung: Dirigent Jakub Hrusa, die Bamberger Symphoniker und die Wiener Singakademie erfüllen Mahlers Werk mit Ausdruck und Leben.Foto: Andrea Kremper

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Großartige Leistung: Dirigent Jakub Hrusa, die Bamberger Symphoniker und die Wiener Singakademie erfüllen Mahlers Werk mit Ausdruck und Leben.Foto: Andrea Kremper

Mit einer Standing Ovation feierte das Publikum die Aufführung von Gustav Mahlers zweiter Sinfonie durch die Bamberger Symphoniker und die Wiener Singakademie im Festspielhaus. Nach fast zwei Jahren pandemiebedingter Vorsicht war es eine der weltweit ersten Aufführungen einer Mahler-Sinfonie überhaupt. Das mit großem Orchester, gemischtem Chor und Solisten besetzte Werk erwies sich als Publikumsmagnet. Erst vor wenigen Tagen wurde die Beschränkung auf nur 500 Zuhörer gelockert, und in dieser kurzen Zeit konnte das Festspielhaus noch 300 zusätzliche Karten verkaufen. Ein gut besuchtes Haus vermittelt eben auch gleich eine ganz andere Konzertstimmung.

Wenn man so will, stand die Wahl des „Auferstehungssinfonie“ genannten Stückes auch für die hoffentlich jetzt anstehende Wiederbelebung der Kultur. Mitreißend und lebendig interpretierten die Bamberger Sinfoniker unter der engagierten Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrusa die monumentale Sinfonie Nr. 2. Allein schon einen durchgehenden Spannungsbogen über die fünf Sätze und rund 80 Minuten Aufführungsdauer hinweg aufrecht zu erhalten, ist eine großartige Leistung. Hrusa und das Orchester erfüllten Mahlers vielgestaltiges Werk mit Ausdruck und Leben.

Als stünde der Jüngste Tag bevor

Die schroff grummelnden Celli und Kontrabässe setzten zu Beginn des Kopfsatzes die düstere Grundstimmung fest, aus denen die klangschön und präzise musizierten Einwürfe der Bläser heraus ragten. Gekonnt schuf das Orchester eine dramatische Dies irae-Atmosphäre, als stünde der Jüngste Tag bevor. Umso heller strahlten die himmlisch zart gespielten, lyrischen Momente auf. Der Kopfsatz allein ist bereits eine musikalische Welt für sich, die sich von den folgenden Sätzen abhebt. Mit vorbildlich transparentem Klangbild und einem beschwingten, aber keineswegs eiligen Impetus gaben Hrusa und die Bamberger den zweiten Satz im Ländler-Rhythmus. Ausdrucksvoll vermittelte ihre Wiedergabe den Eindruck, dass es sich hier um die verklärte Erinnerung an eine bessere, vergangene Zeit handelt.

Schlank und geschmeidig spielte das Orchester den von Gustav Mahler „in ruhig fließender Bewegung“ angelegten dritten Satz. Hier brachten sie besonders die Mahler-typischen, bewusst schrägen Bläserakzente, die Schärfen und Spitzen im Klangbild zum Vorschein. Denn nichts bei Mahler ist einfach nur schön und idyllisch. Dabei kündete das Alt-Solo im vierten Satz von der inneren Gewissheit, bei Gott aufgenommen zu werden, weshalb der Satz „Urlicht“ heißt. Anna Lucia Richter sang mit klarer, runder, gerade geführter Stimme überzeugend das Solo, sehr schön eingebettet in den zurückgenommenen Orchesterklang.

Strahlende Apotheose

Im Finalsatz könnte man das triumphale Auferstehen erwarten. Aber so simpel geht es bei Mahler nicht zu. Erst einmal gab sich das Orchester leise und geheimnisvoll. Aus dem Off – also aus dem Foyer – ertönten gedämpfte Bläserrufe und Orchestereinwürfe, die auf diese Weise wie aus weiter Ferne klangen. Die Wiener Singakademie sang den Chorpart lange in einem weichen, tragfähigen Pianissimo, als müsse man sich die Auferstehung als einen vorsichtigen, langsamen Prozess vorstellen. Aus dem sanften Chorgesang wuchs das Sopransolo sozusagen organisch heraus. Sopranistin Christina Landshamer sang mit meisterhaft dosierter Lautstärke den aufleuchtenden Solopart. Erst im Duett mit der Altistin gewann das „Aufersteh’n“ an Kraft und Zuversicht, bis schließlich auch der Chor und das Orchester in eine strahlende, volltönende Apotheose einmündeten.

Es war eine rundum gelungene, grandiose Interpretation von Mahlers „Auferstehungssinfonie“, die das Publikum im Festspielhaus von den Sitzen riss und zu Recht mit üppigem Beifall gefeiert wurde. Bleibt zu hoffen, dass das Kulturleben insgesamt in den kommenden Wochen und Monaten eine Auferstehung feiern kann.


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