Barney Roy gewinnt Großen Preis von Baden

Iffezheim (deli) – Barney Roy hat am Sonntag auf der Galopprennbahn in Iffezheim den 148. Großen Preis von Baden gewonnen. Der Wallach gewann vor 500 Zuschauern das mit 175.000 Euro dotierte Rennen.

Schneller Wallach und jubelnder Jockey: Barney Roy wird von James Doyle zum Sieg geritten. Foto: Klaus-Jörg Tuchel

© Klaus-Joerg Tuchel

Schneller Wallach und jubelnder Jockey: Barney Roy wird von James Doyle zum Sieg geritten. Foto: Klaus-Jörg Tuchel

Der Beifall der in übersichtlicher Zahl anwesenden Zuschauer bei der Siegerehrung fiel höflich, aber nicht enthusiastisch aus: Mit Barney Roy und Communique gab es im Großen Preis von Baden einen Doppelerfolg der Gäste aus dem Ausland und eine doch ernüchternde Niederlage für Deutschlands Grand-Prix-Pferde. Der 3:1-Wettfavorit Torquator Tasso wurde nach nicht optimalem Rennverlauf nur Dritter – und anschließend ärgerten sich alle.

Denn das vom 16,4:1-Außenseiter Communique vorgelegte mäßige Tempo, war Gift für die endspurtstarken deutschen Pferde. „Es war viel zu langsam“, lautete der allgemeine Tenor. So sprintete Barney Roy, der vor einigen Wochen mit dem Großen Dallmayr-Preis bereits ein Gruppe-I-Rennen in München gewinnen konnte, vor das Feld und schaffte für Godolphin, das rennsportliche Unternehmen von Scheich Mohammed Al Maktoum, den dritten Sieg in diesem Rennen in Folge. „Der Boden war entscheidend“, kommentierte Jockey James Doyle den Erfolg. „Zuletzt in Köln, wo er Vierter war, passte es einfach nicht. Es war zu weich.“

Ungewöhnliche Vita

Der sechs Jahre alte Wallach hat eine ungewöhnliche Vita: Vor drei Jahren wurde er von Godolphin gekauft, gewann große Rennen in England und wurde 2018 als Deckhengst aufgestellt. Doch er erwies sich als unfruchtbar, wurde kastriert – und kehrte als Wallach in den Stall von Trainer Charlie Appleby zurück. Das hinderte ihn nicht am schnellen Laufen. Barney Roy siegte in Frankreich sowie Dubai und ging diesen Sommer auch in Deutschland auf erfolgreichen Beutezug. „Jetzt geht es nach Kanada“, hieß es zu künftigen Plänen aus seiner Umgebung.

Derweil diskutierten die einheimischen Teams über die schiefgegangene Taktik. „Wir haben ja mit Oriental Dream noch einen guten Hengst in unserem Eigentum. Den hätte man als Tempomacher einsetzen müssen“, fand Torquator Tasso-Mitbesitzer Peter-Michael Endres. Er sagte aber auch: „Das ändert nichts daran, dass er ein wirklich gutes Pferd ist. Wer hätte denn vor einigen Wochen gedacht, dass er einmal Dritter im Großen Preis von Baden wird?“

Trainer Marcel Weiß, der sich das Rennen wie immer im Waagegebäude am Monitor angeschaut hatte, haderte wie schon am Vortag bei Virginia Joy im „T. von Zastrow“-Stutenpreis mit der Position des Hengstes im Rennen. „Dieses Wochenende hatten wir immer Pech mit der Lage – und in der Zielgeraden hatte er dann auch nicht immer freie Bahn.“

Langsamster Großer Preis seit 1999

Jockey Bauyrzhan Murzabayev brachte es schließlich auf den Punkt: „Das war vom Tempo her eher ein Ausgleich IV und kein Gruppe-I-Rennen.“ In der Tat war es der langsamste Große Preis von Baden seit 1999. Besser wurde seine Laune nach einem Besuch im Zimmer der Rennleitung auch nicht, denn die Turfschiedsrichter brummten ihm eine Sperre von 14 Tagen auf – er hatte die Peitsche sechs Mal eingesetzt, einmal zu viel.

Immerhin war Torquator Tasso am Ende noch der beste deutsche Kandidat, vor der Vorjahreszweiten Donjah, bei der man lange überlegt hatte, ob man sie auf dem für sie unpassenden Boden überhaupt laufen lassen sollte. „Dafür hat sie sich gut geschlagen“, meinte Trainer Henk Grewe. Ihr eigentlich ins Auge gefasstes Engagement Anfang Oktober im Prix de l’Arc de Triomphe wird sie dennoch nicht wahrnehmen. „Dafür hätte sie heute schon gewinnen müssen“, sagte Holger Faust, der Rennstallmanager von Darius Racing, dem Besitzer von Donjah, die Durance gerade noch auf Rang fünf verweisen konnte. „Durance ist gut genug gelaufen, kämpft immer und gibt ihr Bestes“, lobte Trainer Peter Schiergen seine Stute.

Eher etwas bedröppelt schaute Trainer Markus Klug nach dem Rennen drein. Von Satomi, die Letzte wurde, hatte man realistisch nicht mehr erwartet. Aber Kaspar war als Vorletzter doch eine große Enttäuschung. „Wir wollten ihn hinter einem Führpferd verstecken, aber es war einfach zu langsam“, gab Jockey Maxim Pecheur zu Protokoll. Hinterher ist man immer klüger.

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Erstellt:
13. September 2020, 19:06 Uhr
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