Basislager für „schwimmende Hotels“ in Greffern

Rheinmünster (fvo) – Der Einstieg des Flusskreuzfahrt-Anbieters Viking am einstigen Kieswerk ist in Arbeit. Bürgermeister Helmut Pautler findet, dass das ein „passendes Gewerbe“ für Greffern ist.

An dieser Stelle sollen künftig die Viking-Schiffe andocken beziehungsweise überwintern. Foto: Franz Vollmer

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An dieser Stelle sollen künftig die Viking-Schiffe andocken beziehungsweise überwintern. Foto: Franz Vollmer

Ein bisschen verschlafen wirkt er schon, der kleine Yachthafen in Greffern. Gerade mal ein halbes Dutzend Boote kauert gut eingemummelt inden Anlegeboxen. Die meisten Genossen sind an Land beziehungsweise auf Trockendock. Ein einziger Skipper dreht eine kleine Hafenrunde. Die Beschaulichkeit könnte sich aber bald ändern, wenn Viking Cruises bei der einstigen Kiesstation aufkreuzt und selbige als Anlegestelle nutzt. Ab 1. Januar tritt der Anbieter von Flusskreuzfahrten dort als Pächter auf – zumindest formell.

„Viking erhält wie vertraglich vereinbart einen Großteil der Wasserfläche für gewerblichen Betrieb. Im Winter sollen hier zudem künftig Schiffe lagern“, erklärt Rheinmünsters Bürgermeister Helmut Pautler beim Vor-Ort-Termin. Anvisiert sind 7.000 Quadratmeter, auf denen bis zu sieben Schiffe quer zur Rheinrichtung und nach bestem Ölsardinenprinzip nebeneinanderliegen. In dieser Jahreszeit sei auch das Wassersportgeschehen eher verhaltener Natur. Von daher „beißt sich das nach meinem Dafürhalten nicht“, so Pautler. Im Übrigen habe der Motor Yachtclub die von ihm benötigte Wasserfläche (6.500 Quadratmeter plus 1.300 m² Land) seit Jahrzehnten „für einen sehr günstigen Preis“ bekommen – eine Fläche, die der Größe des Clubs mit dem schwimmenden Restaurant und den Bedürfnissen der Mitglieder entspreche.

Der Pachtvertrag mit Viking greift allerdings erst, wenn die behördlichen Genehmigungen zu Wasserrecht, Naturschutzrecht oder Vogelschutzrichtlinien, aber auch zu statischen Berechnungen vorliegen. Dafür könnte allerdings noch Zeit ins Land gehen. „Die Dinge sind angeschoben. Wir arbeiten die Liste ab und warten auf den Zwischenbericht“, erklärt Viking-Geschäftsführer Thomas Bogler, einen belastbaren Zeitplan konnte und wollte er aber keinen machen, zumal Genehmigungen für Landebrücken derzeit zwischen sechs und 18 Monaten dauern, so seine leidige Erfahrung. Im Moment sei es „sehr schwierig“. Fakt ist aber dennoch, dass man (wie schon im Gemeinderat erklärt) nach wie vor zum Projekt stehe.

Als Anlegepunkte im Wasser dienen vier den Steiger flankierende Dalben entlang des 200 Meter langen Ufers, an Mini-Bohrtürme gemahnende Stahlstifte, die die Gemeinde vom einstigen Kieswerk übernommen hat. Auf etwaige Korrosionsschäden wurde geprüft, „das ist alles völlig unproblematisch“ in Sachen Wiederverwertbarkeit. Je nach Höhe der maximal 132 Meter langen Schiffe (Kapazität für 190 Gäste) könnten sie bei Bedarf nach oben verlängert, sprich technisch angepasst werden. Auch die Poller auf dem Dammbereich, an denen die Schiffstaue befestigt werden, müssen wohl aus Gründen der Sicherheit nachgerüstet werden. Hierfür sind allerdings der Betreiber sowie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein (Freiburg) zuständig, das als Bundesbehörde quasi unterhaltspflichtiger Eigentümer des Dammes zwischen Dammfuß (nahe Straße) und Wasserlinie ist. Es hat damit auch bei einem Eingriff das erste und letzte Wort, so Pautler. Die Benutzung des Gewässers ist wiederum aufgrund früherer Einigungen zwischen Bund und Land Sache der Gemeinde.

Pachteinnahmendoppelt so hoch

Frühestens im Sommer rechnet Pautler mit ersten sichtbaren Änderungen. Alles natürlich immer unter der Prämisse, wie sich die Pandemie entwickelt. Um die Schiffsanlegestelle mit Strom zu versorgen, wurden bereits Leerrohre bis in die Nähe des Steigers eingezogen. „Und die Schiffe brauchen richtig viel Strom“, weiß er.

Vom ehemaligen Kieswerk indes südlich der Tullastraße ist nicht mehr viel zu sehen, es wurde vor vier Jahren stillgelegt, Aufbereitungsfläche, Siebturm sowie Förderband und Verladeeinrichtungen wurden zurückgebaut. Einzig die 400 Quadratmeter große Halle, wo sich früher Büros, Sanitärtrakt und Werkstatt befanden, blieb stehen. Viking will die Halle als logistisches Zwischenlager zur Ver- und Entsorgung der Schiffe und als Materiallager (Laminatböden, Fenster, Glas) benutzen. Und da ist ja schon einiges, was in so einem „kleinen schwimmenden Hotel“ (Pautler) benötigt wird, von Lebensmitteln bis zur Wäsche. Neben besserer Planbarkeit (man denke an Verspätung von Zulieferern) sollen an Ort und Stelle Wartungsarbeiten wie Bodenbelag, Elektrobereich, Wandbehänge und dergleichen durchgeführt werden, allerdings keine Großreparaturen und wie zugesichert vor allem keine Metallarbeiten.

Gewerbliche Nutzung ist laut Pautler zwar in diesem Areal prinzipiell nicht möglich. Zusammen mit gewerblicher Nutzung des Hafens kann aber in fest vereinbartem Umfang die ursprüngliche Betriebsfläche als logistischer Stützpunkt genutzt werden. Aktuell wird die Halle mit einem Gelände von 4.222 Quadratmeter (insgesamt wird Viking mit dem Grundstück Alter Kopfgrund 6.800 Quadratmeter in Beschlag nehmen) zwischengenutzt von der Firma „Unsere Grüne Glasfaser“, genau gesagt, von einem Subunternehmen, so Pautler, der in der Vergangenheit leider auch von Vandalismus und erheblichen Schäden am Gebäude berichten musste. Die große Freifläche westlich der Halle und des befestigten Bereichs soll im späteren Verlauf rekultiviert werden mit Auwald. Dort wurde jüngst sogar eine seltene Käferart entdeckt.

Die ehemalige Halle des Kieswerks soll als logistischer Stützpunkt genutzt werden.  Foto: Franz Vollmer

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Die ehemalige Halle des Kieswerks soll als logistischer Stützpunkt genutzt werden. Foto: Franz Vollmer

Fazit jedenfalls: Von der Art der Nutzung her sei es für die Schiff- und Lotsen-Tradition in Greffern „das passende Gewerbe“, findet Pautler mit Blick auf frühere Schubverbände und große Containerschiffe. Zudem sei es vom Gemeinderat gewollt, nicht zuletzt, weil man sich nachhaltigerweise auch Arbeitsplätze davon verspricht. Vor allem aber generiere so ein Großanbieter Einnahmen, die die Gemeinde dringend benötigt, wie Pautler mit Blick auf vier Kitas, drei Schulen und das Hallenbad erklärt. Und das wohlgemerkt ohne Landschaftsverbrauch. Die Pacht betrage, ohne ins Detail zu gehen, rund das Doppelte im Vergleich zu den Einnahmen, die man zuletzt vom Kieswerk erzielte. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine verträgliche Entwicklung auch für die Anwohner vor Ort hinbekommen“, ist der Schultes überzeugt. Zumal man als Gemeinde jederzeit die Option habe, bei Fehlentwicklungen nachzujustieren.

Hinsichtlich der Reiseströme beim Tagesausflugsangebot und Landgang erwartet Pautler jedenfalls „nicht die Massen“ pro Tag, da werde es keine fünf Schiffe geben und damit nur unmerklich mehr Verkehr, der über die als Kreisstraße fungierende Industriestraße abgewickelt wird. Auch falle das Busgeschehen im Vergleich zum Lastwagenverkehr von früher moderat aus, ganz zu schweigen von jenen Zeiten der Landverladung, als die Einwohner auf die Barrikaden gingen, weil Lkw im Stundentakt durch den Ort gebrettert waren („Erlaubt war nur das Verschiffen von werkseigenem Kies“).

Der Vorteil sei natürlich die zentrale Lage zwischen Straßburg, Baden-Baden und Speyer – und das, ohne Ortsdurchfahrten zu tangieren. Bühlertal mal ausgenommen, das man schon durchfahren müsse, will man zum Nationalpark. Allerdings soll es für den zunehmenden Anteil an fitter Klientel künftig auch E-Bike-Angebote geben, um die nähere Ebene per Velo zu erkunden. Auch Kanufahrten auf ruhigem Gewässer sind vorstellbar.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
6. Dezember 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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