Batterie-Recycling: Mercedes-Pilotfabrik entsteht in Kuppenheim

Von Erika Becker Egbert Mauderer

Kuppenheim (BT) – Die Strategie der Mercedes-Benz-Group beim Recyceln von Batterien für E-Autos ist eine globale – doch den Anfang macht jetzt ein lange erwartetes Pilotprojekt in Kuppenheim.

Batterie-Recycling: Mercedes-Pilotfabrik entsteht in Kuppenheim

Neue Perspektive: Die Pilotfabrik zum Recycling von Batterien wird Mercedes auf dem Gelände seines Presswerks in Kuppenheim errichten. Sie soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Foto: Mercedes

Am Freitag bestätigte Mercedes-Benz, einen zweistelligen Millionenbetrag in Forschung und Entwicklung sowie den Aufbau der Pilotfabrik dort zu investieren. Dem Vernehmen nach sollen mindestens 50 Arbeitsplätze entstehen – mit Aussicht auf spätere 150, wenn ein Regelwerk nach dem Pilotprojekt entsteht. Dem Projekt wurde nach Unternehmensangaben eine Förderung durch den Bund in Aussicht gestellt.Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler sagte, man sei „sehr stolz darauf“, dass Mercedes die zukunftsweisende Anlage auf dem Presswerk-Gelände in Kuppenheim errichten werde. Der Verwaltungschef sprach von einer „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ mit dem Unternehmen. Mußler rechnet mit 50 bis 70 Arbeitsplätzen, die durch die Pilotfabrik entstehen. Und der Rathaus-Chef blickt schon weiter voraus. Denn für den Fall, dass sich die Anlage bewährt, wird bereits über ein Regelbetrieb mit größerem Volumen nachgedacht. Eine dafür notwendige Fabrik sähe Mußler ebenfalls gerne in Kuppenheim. Der Gemeinderat habe bereits befürwortet, gegebenenfalls eine Fläche östlich des Presswerks zur Verfügung zu stellen.

Das Recycling soll auf Grundlage der sogenannten Hydrometallurgie-Technologie erfolgen. Auf dieser Basis plant das Unternehmen, auch in China und den USA Batterien zu recyceln. Maximale Kreislaufwirtschaft bei allen verwendeten Rohstoffen sei das Ziel. „Das nachhaltige Batterierecycling ist dabei ein wesentlicher Faktor – und zwar weltweit“, sagte Jörg Burzer, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz-Group. „Mit unserer neuen Recyclingfabrik am Standort Kuppenheim steigern wir die Recyclingquote auf mehr als 96 Prozent und bauen unsere eigenen Kompetenzen im Bereich der Batteriewertschöpfung konsequent aus.“

Zum Aufbau der Pilotfabrik in Kuppenheim hat Mercedes-Benz die Licular GmbH als hundertprozentiges Tochterunternehmen gegründet. Sie plant eine Zusammenarbeit mit dem Technologieunternehmen Primobius, das als Joint Venture des deutschen Maschinenbauunternehmens SMS group sowie des australischen Projekt-Entwicklers Neometals das notwendige technologische Know-how inklusive entsprechender Voruntersuchungen in das Vorhaben einbringen soll. Wissenschaftlich soll das Projekt vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie den Technischen Universitäten Clausthal und Berlin begleitet werden.

Bis zu 150 neue Arbeitsplätze

„Die Pilotfabrik am Standort Kuppenheim markiert für die Mercedes-Benz-Group den Einstieg in das wichtige Thema Batterierecycling und macht das Unternehmen perspektivisch unabhängiger von Rohstofflieferungen“, sagte Michael Brecht, Betriebsratsvorsitzender der Mercedes-Benz-Werke Gaggenau und Kuppenheim. „Gleichzeitig sammeln wir beim Thema Kreislaufwirtschaft wichtiges Know-how und schaffen neue zukunftsfähige Arbeitsplätze, die bei einem erfolgreichen Betrieb weiter ausgebaut werden können.“ Brecht gilt als einer der Treiber des Projekts.

Die neue Pilotfabrik soll künftig die gesamte Prozesskette des Batterierecyclings abbilden: von der Entwicklung von Logistikkonzepten über das nachhaltige Recycling der wertvollen Rohstoffe bis hin zur Reintegration von Rezyklat in die Herstellung neuer Batterien.

Der Aufbau der Anlage erfolgt in zwei Stufen. Bis 2023 soll zunächst eine Anlage zur mechanischen Zerlegung entstehen. In einem zweiten Schritt sollen – „vorbehaltlich der vielversprechenden Gespräche mit der öffentlichen Hand“, so Mercedes-Benz – die Anlagen zur hydrometallurgischen Aufbereitung der Batteriematerialien in Betrieb gehen. Damit könnten in Kuppenheim künftig alle nötigen Schritte bis hin zur Aufbereitung der Materialströme in Batteriequalität abgedeckt werden.

Laut Bürgermeister Mußler steht nun das immissionsschutzrechtliche Verfahren bevor, bei dem vor allem Fragen zum Wasserrecht und zu Grund und Boden abzuarbeiten sind.

Die Pilotanlage soll eine Jahreskapazität von 2.500 Tonnen umfassen. Die zurückgewonnenen Materialien werden in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt und so in die Produktion von mehr als 50.000 Batteriemodulen für neue Mercedes-EQ-Modelle einfließen.