Bauarbeiter wollen ein Stück vom Kuchen abhaben

Baden-Baden/Rastatt (tas) – In der kommenden Woche gehen die Tarifgespräche in der Baubranche in die zweite Runde. Die Gewerkschaft IG BAU erhöht den Druck.

Viel zu tun auf dem Bau: In Deutschland sind die Auftragsbücher der Unternehmen voll.Foto: Jens Wolf/dpa

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Viel zu tun auf dem Bau: In Deutschland sind die Auftragsbücher der Unternehmen voll.Foto: Jens Wolf/dpa

Die Baukonjunktur brummt, die Auftragsbücher sind voll. So voll, dass die Unternehmen gar nicht mehr hinterherkommen. „Es gibt einen regelrechten Stau am Bau. Maurer, Zimmerleute und Fliesenleger arbeiten am Anschlag, um die Auftragsflut zu bewältigen. Statt Kurzarbeit und Homeoffice heißt es bei ihnen: Überstunden und Wochenendarbeit“, sagt Wolfgang Kreis, Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordbaden.

Und hier kommen die derzeit laufenden Tarifverhandlungen in der Branche ins Spiel. Die Gewerkschaft arbeitet aktuell daran, ein Einkommensplus von 5,3 Prozent für die kommenden zwölf Monate durchzubekommen. Und was fast noch wichtiger ist: Die oftmals nicht unerheblichen, aber unbezahlten Fahrzeiten zu den Baustellen sollen den Mitarbeitern entschädigt werden. In der ersten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber das Angebot eines Lohnzuwachses von drei Prozent auf den Tisch gelegt, um der Gegenseite gleich zu Anfang Wind aus den Segeln zu nehmen. Allerdings stellen sich die Arbeitgeber eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten vor.

Für die IG BAU ist das deutlich zu wenig. „Was für eine Mogelpackung, sagt der Bundesvorstand der IG BAU, Carsten Burckhardt. „Da fallen wir nicht drauf rein. Es war und ist die Baubranche, die in Zeiten von Corona die Binnenkonjunktur entscheidend stabilisiert hat. Die Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter haben es verdient, sie müssen eine deutliche dickere Lohn- und Gehaltstüte fühlen können.“ Um den Druck auf den Verhandlungspartner zu erhöhen, kündigte die Gewerkschaft am Donnerstag Autokorsos und Protestkundgebungen an, die am kommenden Montag und Dienstag in ganz Deutschland stattfinden sollten.

Rekordhoch beim Bauüberhang


In der aktuellen Tarifrunde hat die Arbeitnehmerseite keine schlechten Karten. Fachkräftemangel und volle Überstundenkonten lassen den Unternehmen derzeit nur wenig Spielraum, um auf ihre Mitarbeiter zu verzichten – mögliche Arbeitskampfmaßnahmen kommen da eher zur Unzeit.

Dass der Bau boomt, belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Nach Angaben der Behörde wurden im vergangenen Jahr 306.376 neue Wohnungen in Deutschland fertiggestellt – ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit wurden so viele Wohnungen neu gebaut wie seit 2001 nicht mehr.

Die Statistikbehörde geht zudem von bundesweit rund 780.000 genehmigten Wohnungen aus, die erst noch gebaut werden müssen. Dieser sogenannte Bauüberhang habe ein Rekordhoch erreicht. Laut dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) stieg der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 143 Milliarden Euro.

Gewerkschafter Kreis verweist auch für Mittelbaden auf einen wachsenden Berg genehmigter, aber noch nicht fertiggestellter Wohnungen. Nach einer Auswertung des Pestel-Instituts wurden im Landkreis Rastatt zwischen 2011 und 2019 Baugenehmigungen für rund 1.200 Wohnungen erteilt, die noch gebaut werden müssen. Im Stadtkreis Baden-Baden sind es rund 430 offene Bauprojekte.

Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden in der Kurstadt im vergangenen Jahr 119 neue Wohnungen gebaut – in Ein- und Zweifamilienhäusern, in Reihen- und Mehrfamilienhäusern. Im Landkreis Rastatt waren es 905 neue Wohnungen.


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