Bauern rechnen mit deutlichen Einbußen

Stuttgart/Bruchsal (dpa/ans) – Regionen im Land sind unterschiedlich stark von Ernteausfällen betroffen. Frostschäden betreffen auch die Kreise Rastatt und Ortenau.

Nach Hagelschäden und Frost rechnen die Apfelbauern mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

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Nach Hagelschäden und Frost rechnen die Apfelbauern mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Rudi Carrells Gassenhauer „Wann wird’s mal endlich wieder Sommer?“, dürfte der eine oder andere Bauer vor allem in den vergangenen Wochen vor sich her gesummt haben. Denn bislang war der nicht nur für viele Urlauber ein Reinfall, sondern auch für einige Landwirte.

„Das Problem war, dass es nicht aufgehört hat zu regnen“, sagt Martin Armbruster vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband. „Und irgendwann wird es dann zu viel und es kann nichts abreifen.“ Nur das Gras sei gut gewachsen bislang.

Vielen Landwirten gerät dadurch vor allem der Zeitplan durcheinander. „Wir sind etwa zwei Wochen hinten dran“, sagt Ariane Amstutz, Sprecherin des Landesbauernverbands. „Die Ernte ist dieses Jahr eine echte Nervensache.“ Wegen des Regens seien die Landwirte nicht auf die Flächen gefahren und würden regelmäßig ausgebremst. „Es hat schlussendlich zum falschen Zeitpunkt zu viel geregnet“, sagt auch Amstutz. In einigen Regionen habe es Hagelschäden gegeben. „Außerdem sind Flächen abgesoffen oder Sturm und Starkregen haben das Getreide flachgelegt.“

Frühe Sorten von Frost betroffen

Die Regionen im Land seien unterschiedlich stark von den Ernteausfällen betroffen, so Hans Lehar, geschäftsführende Vorstand der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft (OGA) Nordbaden. Auch im Landkreis Rastatt und im Ortenaukreis habe es Frostschäden gegeben. Besonders die frühen Sorten seien betroffen gewesen. „In Nordbaden gab es außerdem Hagelschäden“, ergänzt er. Der übermäßige Regen in diesem Jahr habe aber auch eine gute Seite, betont Lehar. Zwetschgen und Äpfel seien in diesem Jahr durch die hohe Wasserzufuhr größer als sonst. „Allerdings sind die Früchte empfindlicher und platzen eher auf“, so der Genossenschaftsvorstand.

Andere Gebiete waren deutlich stärker vom Regen betroffen. In den Kreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb mussten Landwirte nach Angaben des Landesbauernverbands bis zu 100 Prozent von ihrem Mais, Getreide und ihren Kartoffeln abschreiben. In den Landkreisen Calw und Freudenstadt war der zweite Schnitt im Grünland wegen Starkregens nicht mehr möglich. Viele kommt das teuer zu stehen, weil sie keine Hagelversicherung besitzen. Der Verband rät dazu, weil das Wetter immer unkalkulierbarer werde.

Es gebe in diesem Jahr im ganzen Land recht unterschiedliche Voraussetzungen und Erntebedingungen, sagt Amstutz. Fest stehe aber, dass die Ernteerwartung von Ende Juni wetterbedingt deutlich nach unten korrigiert werden müsse. Konkrete Zahlen will der Verband am 25. August vorlegen.

Gute Erträge in Nordbaden

„Bei den Sorten, die gerade geerntet werden, sehen wir gute Erntemengen“, sagt hingegen Lehar. Ebenso sei an der Qualität der Früchte bisher nichts auszusetzen. „Schön, groß und aufgefärbt“ seien die Frühäpfel in diesem Jahr. Die Preisentwicklung der Zwetschgen sei ebenfalls zufriedenstellend. Auch die ersten Äpfel seien in diesem Jahr „preislich gut bewertet“, wie Lehar mitteilt. Allerdings könne sich der Abgabepreis durch Konkurrenzprodukte aus Osteuropa noch nach untern korrigieren, befürchtet er.

In Ravensburg pflückten die Apfelbauern bereits gestern die ersten Früchte von den Bäumen. Die Hoffnungen auf eine sehr gute Saison sind beim Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee derzeit nicht so groß. „Wir werden zwar am Zentrum eine gute Qualität erreichen, aber der Aufwand, den wir betreiben, ist in diesem Jahr enorm hoch“, sagt Betriebsleiter Werner Leibinger. Schorf, Mehltau und Regenflecken träten wegen des feuchten Wetters häufiger auf als sonst.

Hoffnungen könnte ihnen noch ein goldener Herbst machen. „Wenn wir den bekommen, haben wir ein gutes Erntewetter. Das kann das eine oder andere noch relativieren.“ Die Prognosfruit-Konferenz der europäischen Apfel- und Birnenwirtschaft jedenfalls schätzt die diesjährige Apfelernte auf knapp 1,1 Million Tonnen. Das ist ein Plus von sechs Prozent.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
14. August 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
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