Baugebiet „Im Feld“ bleibt am Start

Gaggenau (tom) – Das umstrittene Bebauungsgebiet „Im Feld“ in Sulzbach wird weiter vorangetrieben. Als Nächstes erfolgt die sogenannte frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange.

Wo heute noch Obstwiesen sind, sollen künftig Wohnhäuser stehen: Blick auf den Ortsrand von Sulzbach. Foto: Senger

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Wo heute noch Obstwiesen sind, sollen künftig Wohnhäuser stehen: Blick auf den Ortsrand von Sulzbach. Foto: Senger

Ziel ist, dass bis Ende 2021 ein Bebauungsplan vorliegt. Denn auch dieses Baugebiet soll in einem beschleunigten Verfahren nach § 13 b des Baugesetzbuches ausgewiesen werden.

In seiner Sitzung am Dienstagabend in der Jahnhalle billigte der Ortschaftsrat von Sulzbach das weitere Vorgehen mit vier zu zwei Stimmen. Drei Ratsmitglieder fehlten bei der Sitzung; Ortschaftsrat Gregor Böhm verfolgte diesen Punkt der Tagesordnung von den Zuhörerreihen aus, da er als befangen gilt. Rund 70 Zuhörer hatten sich auf den Weg gemacht und verfolgten im Saal und auf der Empore den Sitzungsverlauf.

„Überrascht und überwältigt“ von der Besucherresonanz zeigte sich Bürgermeister Michael Pfeiffer. Aber es werde an diesem Abend keine Entscheidung getroffen, die „zementiert“ sei, versicherte er den Zuhörern. Unter ihnen waren Gegner des Neubaugebiets. In der Fragerunde, die „keine Diskussionsrunde“, werden dürfe, wie Ortsvorsteherin Josefa Hofmann eingangs mahnte, trugen sie wesentliche ihrer Bedenken gegen das Vorhaben vor.

Der städtebauliche Entwurf umfasst derzeit 23 Grundstücke mit maximal 30 Wohneinheiten in sieben Einfamilien- und 16 Doppelhaushälften. An einer Befragung der derzeitigen Grundstückseigentümer haben 83 Prozent der Angeschriebenen teilgenommen. Für 68 Prozent der Grundstücke liege eine Zustimmung vor. Für 37 Prozent liege eine Bereitschaft vor, innerhalb von sieben Jahren zu bauen.

Eine Bürgerinitiative im Ort wendet sich gegen das Baugebiet. Über deren Bedenken hat das BT am 2. Juni berichtet, über die Argumente der Stadtverwaltung ebenfalls.

Das hängige Gelände – bis zu 20 Prozent Gefälle – werde Planer, Bauherren und Firmen vor Herausforderungen stellen, das wurde aus den Erläuterungen der Stadtverwaltung immer wieder deutlich. So ist auch der Bau von großen Zisternen eine Notwendigkeit, um das Kanalsystem nicht zu überlasten. Bevor es überhaupt zu einer Bebauung kommt, solle deshalb die Erneuerung der Sulzbach-Verdolung am Festplatz abgeschlossen sein. Eine Senioren- und familiengerechte Bebauung dort wird von Ortsvorsteherin Hofmann favorisiert.

Immer noch „ergebnisoffen“

Sie unterstrich in der Sitzung, dass sie dieses Ziel weiter verfolgen werde. Es könne eine Alternative zu dem neuen Baugebiet sein. Eine Bebauung am Festplatz sei gut denkbar, sagte Bürgermeister Michael Pfeiffer, doch brauche man dort einen Investor. Und der Festplatz werde das Grundproblem fehlender Bauplätze nicht lösen.

Als ein Hindernis „Im Feld“ für die Ausweisung als Baugebiet gelten Naturschutz-Bedenken: Seltene Tiere wie Zauneidechse, Fledermausarten, Gartenrotschwanz, Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind nachgewiesen.

Während Bürgermeister Pfeiffer mit der anhaltend hohen Nachfrage nach Bauland argumentierte, führten die Gegner ins Feld: „Wir können nicht immer weiter nach außen gehen und immer mehr Natur zubauen“, verwies Dr. Frank Schröder auf rund 40 freie Bauplätze in Sulzbach. Die Landschaft dürfe nicht immer weiter zersiedelt werden, sagte Andre Weber. Zur Sicherung des Schulstandorts brauche es nicht das Baugebiet, verwies er auf bereits jetzt leer stehende Häuser. Deren Zahl werde bedingt durch das Alter ihrer Bewohner immer größer.

Anwohner Kurt Gerst führte nicht zuletzt ästhetische Argumente an: Er fürchtet eine „an die 200 Meter lange Wand aus Häusern und Doppelgaragen.“

Nach der Abstimmung gab Ortschaftsrätin Petra Funke eine persönliche Erklärung ab: Die Mitglieder des Ortschaftsrats haben die „Zukunft des gesamten Orts“ im Blick versicherte sie. Man versuche, nicht nur einzelne Interessen zu berücksichtigen. Das Bebauungsplanverfahren sei in einem ergebnisoffenen Prozess, dies solle „er so lange wie möglich auch bleiben“.

Ortsvorsteherin Josefa Hofmann gab zu bedenken: „Mit §13 b“ werde schnell etwas kaputt gemacht „ohne lange genug zu überlegen“.


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