Bauherren brauchen Geduld

Baden-Baden (tas) – Die Baupreise steigen drastisch, das macht auch den Fertighausherstellern zu schaffen. Kunden müssen höhere Endpreise einkalkulieren und lange Wartezeiten einrechnen.

Fertige Wand schwebt ein: Die Hersteller von Fertighäusern sind derzeit gut gebucht. Kunden müssen geduldig sein. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

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Fertige Wand schwebt ein: Die Hersteller von Fertighäusern sind derzeit gut gebucht. Kunden müssen geduldig sein. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die steigenden Baupreise treiben Eigenheimbesitzern in spe die Schweißperlen auf die Stirn. Egal ob Holz, Stein, Stahl oder Kunststoffe – Bauunternehmen und damit auch die Kunden werden nicht selten mit prozentual zweistelligen Kostenerhöhungen in vielen Bereichen konfrontiert. Die Hersteller von Fertighäusern können sich von dem Trend nicht freimachen.

„Die Preiserhöhung bei Schwörer-Haus liegt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 15 Prozent“, sagt Johannes Schwörer, Geschäftsführer der Schwörer-Haus KG in Hohenstein-Oberstetten, in Bezug auf die Endkundenpreise. „Es bildet in etwa die Aufschläge ab, die im Schnitt bei den Materiallieferungen angefallen sind. Wobei hier die Preissteigerungen teilweise stark differieren und auch deutlich höher zu Buche schlagen.“ Schwörer spricht von Aufschlägen von bis zu 100 Prozent in bestimmten Bereichen.

Laut dem Statistischen Bundesamt sind die Baukosten in Deutschland zuletzt so stark gestiegen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mehr als 14 Prozent betrug die Zuwachsrate bei den Neubaukosten konventionell gefertigter Wohngebäude im vergangenen November gegenüber dem Vorjahresmonat. Eine höhere Steigerungsrate hatte es zuletzt im Jahr 1970 gegeben. Zwar listet die amtliche Statistik nicht die Preissteigerungen im Fertigbau auf, allerdings sind die einzelnen Positionen im konventionellen Bau ein Hinweis auf das, was auch bei den Herstellern von Häusern in Holzständerbauweise derzeit passiert.

Vertraglich garantierte Festpreisgarantie

Den Daten der Statistiker zufolge, haben die Kosten für Zimmer- und Holzbauarbeiten am stärksten zugelegt. „Sie sind aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Bauholz im In- und Ausland um 38,9 Prozent teurer geworden“, heißt es von der Wiesbadener Behörde. Die Preise für Entwässerungskanalarbeiten stiegen um 18,2 Prozent, für Dacharbeiten erhöhten sie sich um 17,1 Prozent und für Klempnerarbeiten um 16,8 Prozent. Ausbauarbeiten wurden im November 2021 gegenüber dem Vorjahr um 13,5 Prozent teurer.

Auch bei Weber-Haus in Rheinau-Linx geht es laut dem kaufmännischen Geschäftsführer Stephan Jager nicht ohne Preiserhöhungen. Je nach Entwurf des Hauses lägen diese im Vergleich zum Vorjahr zwischen acht und zehn Prozent. Immerhin können sich die Kunden darauf verlassen, dass der Preis dann auch feststeht. In der Branche ist es üblich, den Kunden eine vertraglich vereinbarte Festpreisgarantie zu geben. „Wenn es zu weiteren Materialpreiserhöhungen kommt, kann das in die laufenden Aufträge nicht einkalkuliert werden“, sagt Schwörer – eine Kröte, die alle Fertighaushersteller derzeit schlucken müssen. „Die steigenden Preise wirken sich erst in zirka eineinhalb Jahren auf das Ergebnis aus.“

Lieferengpässe dauern an

Hinzu kommt noch ein anderes Problem: Die generell angespannte Lage beim Bezug der Baumaterialien. „Wir konnten mit unseren Lieferanten die Versorgung für die Produktion auch bei Engpässen gewährleisten“, sagt Gerd Manßhardt, der technische Geschäftsführer von Weber-Haus. „Schwieriger war es hingegen bei einigen Komponenten oder Materialien, die dann auf den Baustellen verbaut werden. Hier kam es gelegentlich zu Verzögerungen. In Summe konnten wir mit viel Arbeit in Einkauf, Materialwirtschaft und Disposition einiges abfedern.“

Auf schnelle Sicht wird sich das Problem der Materialengpässe auch nicht so schnell auflösen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Lage erst im kommenden Jahr 2023 wieder normalisieren wird. Zu groß sind die Brüche in den weltweiten Lieferketten, dass sich das kurzfristig einpendelt“, sagt Manßhardt.

Fachkräftemangel als weiteres Problem

Im Sommer noch hatte die Nachricht des Statistischen Bundesamtes Bauherren aufgeschreckt: Konstruktionsvollholz verteuerte sich im Mai 2021 binnen eines Jahres um rund 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, Dachlatten wurden fast um 46 Prozent teurer, Bauholz mehr als 38 Prozent. Gleichzeitig waren die Baumärkte und Fachhändler zum Teil ausverkauft. Zumindest in diesem Bereich gibt der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) nun Entwarnung. „Die Verfügbarkeit des wichtigsten Baustoffs Holz hat sich in den vergangenen Monaten wieder entspannt, die Lieferfähigkeit ist hier gegeben“, heißt es vonseiten eines BDF-Sprechers.

Ohne Geduld wird das Hausbau-Projekt derzeit aber auf keinen Fall funktionieren. Laut Manßhardt muss ein Kunde aktuell ab Vertragsunterzeichnung etwas mehr als zwei Jahre warten, bis sein Haus fix und fertig steht. Dabei spielt nicht nur die Materialverfügbarkeit eine Rolle, sondern auch das Thema Fachkräftemangel. „Besonders spüren wir das im Bereich der Montage, das bremst unser Wachstum bereits seit einigen Jahren“, sagt Jager.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
26. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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