Baukonjunktur zwingt Muggensturmer zu Geduld

Muggensturm (sl) – Die Sanierung und Erweiterung der Wolf-Eberstein-Halle in Muggensturm sollte längst fertig sein. Bei einem Rundgang über die Baustelle erklären die Architekten die Verzögerung.

Mit etwa 1.000 Quadratmetern Fläche und bis zu sieben Metern Höhe soll die neue Halle im Obergeschoss den Handballern optimale Trainingsmöglichkeiten bieten.Foto: Sebastian Linkenheil

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Mit etwa 1.000 Quadratmetern Fläche und bis zu sieben Metern Höhe soll die neue Halle im Obergeschoss den Handballern optimale Trainingsmöglichkeiten bieten.Foto: Sebastian Linkenheil

Eigentlich sollte die Sanierung und Erweiterung der Muggensturmer Wolf-Eberstein-Halle ja schon längst fertig sein. Das Architektenehepaar Gabriele und Stefan Becker begründet die rund siebenmonatige Verzögerung mit Materialengpässen, aber auch mit unzuverlässigen Handwerksbetrieben von auswärts. „Bis der Winter da ist, sind wir fertig“, sagte Bürgermeister Dietmar Späth – und meinte damit, dass die Räumlichkeiten für die Vereine dann nutzbar sein sollten.

Baustoffe sind Mangelware


Die Corona-Sorgen schwinden, und die Konjunktur zieht in China und den USA früher an als bei uns, daher seien die internationalen Märkte für Baustoffe – besonders Holz – leergekauft. Auch mit dem Einsatzwillen von Handwerkern, sofern sie nicht aus der Region stammen, habe man ungute Erfahrungen gemacht, so die beiden Architekten.

Doch was schon fertig ist, kann sich sehen lassen: Der Erweiterungsbereich wirkt großzügig, hell und durchdacht. Im neuen Obergeschoss ist als Herzstück eine rund 1.000 Quadratmeter große und sieben Meter hohe neue Halle entstanden, die ein Handballfeld nach Wettkampfbedingungen aufnehmen soll, wenn es auch nur zu Trainingszwecken gedacht ist. Auch Hallenfußball und Volleyball kann dort gespielt werden. Unten gibt es einen großzügigen, stützenfreien Gymnastikraum, und auf beide Geschosse verteilt findet man jeweils rund 120 Quadratmeter große eigene Räume für GroKaGe, Handharmonika- und Musikverein sowie einen vierten zur wechselnden Verwendung. An separate Zugänge zur Anlieferung von sperrigem Material und Instrumenten ist ebenso gedacht wie an Schallschutz gegen das „Plop-Plop“ des benachbarten Tennisplatzes. Neu ist auch die Ausstattung von Umkleiden und Sanitärbereichen. Jetzt fehlen noch einige Details des Innenausbaus, was die Architekten selbst gehörig nervt.

Reduzierte Mehrwertsteuer hilft beim Sparen

Dafür können sie Erfolge bei der Kosteneindämmung vermelden. 7,27 Millionen Euro sollte der erste Bauabschnitt ursprünglich kosten, hieß es 2019. Während der Bauzeit wurden in Abstimmung mit dem Gemeinderat einige Verbesserungen festgelegt: PVC-freier Boden in der neuen Sporthalle, keine Stützen im Gymnastikraum, dafür Fußbodenheizung in diesem Bereich und anderes mehr. Dennoch will man mit 7,34 Millionen Euro fast eine Punktlandung bei den Kosten hinlegen. Geholfen hat dabei nicht zuletzt der günstigere Mehrwertsteuersatz zur Abfederung von Pandemie-Folgen im Jahr 2020.

Mit Dach und Technik geht es weiter

Der neue zweite Bauabschnitt, dem der Gemeinderat am Montagabend einstimmig sein Okay gegeben hat, wendet sich nun dem Bestandsgebäude zu und sieht die Sanierung und Erweiterung der technischen Installationen der Haupthalle sowie die Erneuerung des Haupthallen- und des Gaststättendachs vor. Das Dach hat laut Stefan Becker nach 40 Jahren seine Lebenserwartung erreicht. An einigen Stellen regne es rein. Die Wärmedämmung und auch die Ausführung ohne jede Neigung seien nicht mehr zeitgemäß. Künftig soll das Dach auch eine Fotovoltaikanlage tragen können.

Das Innere der Halle soll künftig mit Deckenstrahlplatten beheizt werden, womit man 30 bis 40 Prozent Energie einsparen könne. In der neuen Halle im Obergeschoss sind diese Deckenplatten schon eingebaut. Die gesamte Hallenlüftung wurde bereits im ersten Bauabschnitt erneuert. Die Beleuchtung wird auf LED umgestellt, was ebenfalls der Energieeffizienz dienen soll. Nach den Auflagen des Brandschutzes ist zudem die gesamte Halle – wie auch Foyer und Saal, die im dritten Bauabschnitt dran sind – mit Brandmeldeanlagen auszustatten. Hierbei will man auf ein wartungsfreundliches Rauchansaugesystem setzen. Weil bei all diesen technischen Sanierungen (Beleuchtung, Heizung, Brandmeldeanlage) die Unterdecke der Haupthalle betroffen ist und die bestehende Decke zudem aus brennbarem Material besteht, soll sie ebenfalls erneuert werden. Dies schreibe auch die erst vor wenigen Monaten geänderte Versammlungsstättenverordnung so vor. Dieses Regelwerk mache nun auch eine eigentlich nicht geplante Erneuerung der Bühnentechnik notwendig, die wie die Halle selbst aus dem Jahr 1979 stammt und nicht mehr den geltenden Unfallverhütungsvorschriften entspreche. Als Projektpartner für die neue Bühnentechnik, die 133.000 Euro kosten soll, hat sich die Gemeinde die Firma Bühnentechnik Arnold aus Brechen mit ins Boot geholt.

Die Bühnentechnik der Wolf-Eberstein-Halle entspricht nicht mehr den Vorschriften zur Unfallverhütung.Foto: Sebastian Linkenheil

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Die Bühnentechnik der Wolf-Eberstein-Halle entspricht nicht mehr den Vorschriften zur Unfallverhütung.Foto: Sebastian Linkenheil

Für eine neue und moderne, dabei aber leicht zu bedienende Medientechnik soll die Firma Fachwerk aus Kappelrodeck sorgen. 212.000 Euro sind hierfür prognostiziert.

Für die Sanierung des Haupthallendachs inklusive Gaststätte sowie die technische und energetische Sanierung der Unterdecke in der Haupthalle sind 1,74 Millionen Euro veranschlagt. Der Gemeinderat akzeptierte die Planungen und Kostenrechnung für insgesamt rund 2,085 Millionen Euro.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
23. Juni 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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