Baumarten im Baden-Badener Wald im Blick

Baden-Baden (hez) – Es sind schwere Atlanten, die die Arbeit der kurstädtischen Förster erleichtern sollen: Die Ergebnisse der Standortskartierung im Stadtwald liegen nun vor.

Viele Eichen wachsen auch im kurstädtischen Wald an geeigneten Standorten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Viele Eichen wachsen auch im kurstädtischen Wald an geeigneten Standorten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Ergebnisse der Standortskartierung im Baden-Badener Stadtwald wurden jetzt von Marc Morell von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt vor der Rebberghütte in Neuweier an Forstamtsleiter Thomas Hauck übergeben. Mit diesen großen und äußerst „gewichtigen“ Standort-Atlanten hatte Hauck dann einiges zu schleppen.

Durch die komplette Kartierung einer Stadtwaldfläche von rund 8.350 Hektar liegen nun detaillierte Informationen über die Verhältnisse an einzelnen Punkten vor. Die Standort-Atlanten können von den Revierleitern auch mit in den Wald genommen und als Hilfsmittel zurate gezogen werden, wenn es darum geht, ob Rotbuche, Fichte, Tanne, Douglasie oder eine andere Baumart für einen speziellen Standort besonders geeignet sind.

Ein Klassifizierungssystem liefert zudem Informationen über die Konkurrenzkraft von Baumarten, über ihren Pflegebedarf an einzelnen Standorten und über die Widerstandsfähigkeit in Bezug auf Stürme und Insektenbefall. Mit anderen Worten: Es geht hier um die Leistungsfähigkeit von Baumarten an bestimmten Stellen im Wald.

An der Neuweierer Rebberghütte übergibt Marc Morell (links) die schweren Standortsatlanten an Forstamtsleiter Thomas Hauck. Foto: Henning Zorn

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An der Neuweierer Rebberghütte übergibt Marc Morell (links) die schweren Standortsatlanten an Forstamtsleiter Thomas Hauck. Foto: Henning Zorn

Grundlegendes Ziel der waldökologischen Standortskartierung ist es, die Wuchsbedingungen der heimischen Wälder vollständig zu erfassen und die Ergebnisse für praktische Anwendungen darzustellen. So bietet die Kartierung wesentliche Informationen zur Ausweisung von Waldentwicklungstypen und zur Planung waldbaulicher Maßnahmen.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt unterstreicht, dass man vor allem auch Hinweise darauf geben will, wie Waldbestände durch standortgerechte Baumarten klimastabil weiterentwickelt werden können. Weiter bieten die Kartierungsanalysen auch Daten für allerlei naturschutzfachliche Planungen bis hin zu Prognosen für die Entwicklung einzelner Baumarten.

Jedes Jahr werden in Baden-Württemberg etwa 10.000 bis 12.000 Hektar Waldfläche kartiert. Dabei kommt vor allem ein etwa ein Meter langer Bohrstock zum Einsatz, mit dem regelmäßig – etwa im Abstand von 50 Zentimetern – Bodenproben entnommen werden. Daten gewinnen die Experten dabei unter anderem über die Bodenvegetation und Humusbildung, wobei auch Fragen des Wasser- und Nährstoffhaushalts im Untergrund beleuchtet werden.

Experte: „Der Stadtwald ist gut aufgestellt“

Hinsichtlich der Baumarteneignung, so erklärte Marc Morell bei der Übergabe der Kartierungsatlanten, könnten die Förster anhand der Daten auch feststellen, ob sich an einem Standort vielleicht ungeeignete Arten breitgemacht haben. Dies könnten zum Beispiel Gehölze sein, deren saure Nadelstreu den Boden verschlechtert.

Julia Klein, Revierleiterin im Rebland, glaubt allerdings nicht, dass es im Baden-Badener Stadtwald viele Standorte „mit falscher Bestockung“ gibt. Wichtig sei aber besonders hinsichtlich des Klimawandels die Risikostreuung durch verschiedene Baumarten im Wald.

Zu diesem Thema nahm Marc Morell auch Stellung, als er über die Standortskartierung im Kurstadt-Forst berichtete. Er sagte: „Der Stadtwald ist gut aufgestellt, die Mischung der Arten ist super.“ Bezüglich der Pflanzung neuer Baumarten zur Erreichung größerer Klimastabilität zeigte er sich skeptisch: „Beim Experimentieren mit solchen Arten hat es schon viele Bauchlandungen gegeben. Die Atlas-Zeder ist sicher nicht die neue Douglasie.“ Juliane Klein sieht hier aber kein Problem für den Stadtwald: „Wir schauen beim Fördern von Baumarten zuerst die heimischen Gewächse an.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
9. August 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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