Baumaterialien: Weitere Preissteigerungen erwartet

Baden-Baden (kie) – Das Baugewerbe kommt bisher gut durch die Pandemie. Doch Baumaterialien wie Holz, Stahl oder Dämmstoffe werden knapp.

Unter anderem Holz ist derzeit Mangelware. Grund sind Exportverträge, aber auch die Pandemie. Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press/picture alliance/dpa

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Unter anderem Holz ist derzeit Mangelware. Grund sind Exportverträge, aber auch die Pandemie. Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press/picture alliance/dpa

Der Grund sind Lieferengpässe infolge der Corona-Krise und wegen verstärkter Exporte ins Ausland. Für Betriebe und Baumärkte hat das derzeit dramatische Folgen. Und auch die Endverbraucher werden vermutlich schon bald von Preissteigerungen betroffen sein.

„Alles wird knapp“, sagt etwa Jo Mayr, Inhaber von Profi Schiffmacher in Gaggenau. Im ganzen Sortiment klafften derzeit Lücken – von Holz, über Baurohstoffe bis hin zu Elektroinstallationen. Die Folge solcher Lieferengpässe sind steigende Preise: In einem Schreiben der Wertheimer GmbH an Geschäftskunden, das dem BT vorliegt, ist etwa von „massiven Preisentwicklungen sowie starken Lieferzeitverzögerungen“ die Rede. Preisbindungen mit den Lieferanten seien „zum Teil nicht mehr gültig“. Eine „Entschärfung“ der Situation sei „nicht in Sicht.“

Preissteigerungen um bis zu 50 Prozent

Laut Zentralverband Deutsches Baugewerbe ist Holz zwischen 15 und 20 Prozent, Mineralölerzeugnisse sind etwa 15 Prozent und Betonstahl fast 30 Prozent teurer geworden als im September 2020. Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz berichtet laut Deutscher Presseagentur von Preiserhöhungen um rund 50 Prozent – bei Wärmedämmung und bei Trockenbauprofilen. „Es ist brutal, wie sich das teilweise entwickelt hat“, sagt Eleni Auer, Pressesprecherin des Branchenverbands Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Wie eine aktuelle Umfrage von Bauwirtschaftsverbänden unter baden-württembergischen Baubetrieben zeigt, gaben mehr als 80 Prozent der Unternehmen an, dass die Preise in den vergangenen drei Monaten deutlich gestiegen sind. Rund 75 Prozent der Betriebe erwarten nach Rücksprache mit ihren Lieferanten weitere Preissteigerungen in den kommenden Monaten. Rund 65 Prozent berichten über zunehmende Lieferschwierigkeiten.

Ursächlich für diese Entwicklung ist einerseits die Corona-Pandemie: Wie Auer erklärt, sei etwa die Nachfrage nach Stahl coronabedingt kurzfristig stark zurückgegangen, die Produktion wurde entsprechend gedrosselt. In den vergangenen Monaten sei die Nachfrage dann sprunghaft gestiegen, besonders die positive Konjunktur in China führe dazu, dass aktuell weniger Stahl auf dem Markt ist, als benötigt wird.

Andererseits würden Exportabkommen zum Materialmangel führen – beispielsweise beim Holz: Langfristige Exportverträge bestünden beispielsweise mit China, US-interne Probleme wie große Trockenheit und der Ausfall eines Materiallagers führten zudem zu kurzfristigen Holz-Exportverträgen mit Amerika. „Wir haben eigentlich Holz hier – und trotzdem haben wir zu wenig“, gibt Auer zu bedenken. Die Preise für aus Erdöl gewonnene Baustoffe wie Bitumen oder bestimmte Dämmmaterialien seien wegen der global steigenden Nachfrage nach Erdöl zudem stark gestiegen.

„Es gibt keinen doppelten Boden“

Im Baugewerbe seien langfristige Schwankungen beim Preis nicht ungewöhnlich; diese würden üblicherweise bei den Angeboten einkalkuliert. Doch: „Innerhalb so kurzer Zeit kann man das nicht einfach beim Endverbraucher draufschlagen“, sagt Auer. Die Betriebe würden nun auf den Kosten sitzen bleiben. Eine sogenannte „Stoffpreisgleitklausel“, die Betriebe gegen Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt schützen soll, werde hingegen nur bei lang laufenden Projekten eingesetzt: „Es gibt keinen doppelten Boden“, umschreibt Auer das derzeitige Szenario vor allem für kleine und mittelständische Betriebe. „Das ist echt ein Problem“.

Noch erreichen die Preissteigerungen nicht die Endverbraucher. Doch das wird sich laut den neuesten Umfrageergebnissen der Branchenverbände bald ändern: Mehr als die Hälfte der Firmen kündigt an, die Mehrkosten künftig an die Auftraggeber weiterzureichen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
15. April 2021, 12:40 Uhr
Aktualisiert:
15. April 2021, 11:21 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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