Baumkletterer üben den Ernstfall

Gaggenau (er) – Rund 30 professionelle Baumkletterer aus dem Raum Pirmasens, Karlsruhe, Rastatt, Sinzheim, Baden-Baden und Gaggenau trafen sich zur Weiterbildung am Hofgut Bad Rotenfels.

David Lubba aus Gaggenau bei der „Rettung“ des Dummies aus luftiger Höhe. Foto: Rohwer

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David Lubba aus Gaggenau bei der „Rettung“ des Dummies aus luftiger Höhe. Foto: Rohwer

Ziel der Veranstaltung war das angeleitete Retten eines „schwerverletzten und bewusstlosen Kollegen“ aus einem Baum in rund zehn Metern Höhe. Bei der diesjährigen Veranstaltung ging es besonders um die Besonderheiten im Umgang mit einem lebensgefährlichen orthostatischen Schock, auch Hängetrauma genannt.

„Ein orthostatischer Schock kann schneller eintreten, als man denkt. Gefährdet sind zum Beispiel Baumkletterer, die nach einem Sturz, durch eine Verletzung, einen großen Schreck oder ein anderes unvorhergesehenes Ereignis hilflos und bewusstlos im Auffanggurt oder in einer Steigschutzeinrichtung hängen“, erklärte der Referent Matthias Schmitt, selbst erfahrener Baumkletterer im öffentlichen Dienst, den Zuhörern.

„Durch den Auffanggurt wird der Rückstrom des Blutes aus den Beinen behindert oder unterbunden“, sagte er. Der schlechte Zustand, den die Bewegungslosigkeit in der frei schwebenden Position noch verstärkt, ist der fehlende Widerstand unter den Füßen, sodass die Muskelpumpe in den Beinen entfällt, also die Bewegung der Muskulatur zur Unterstützung des Blutkreislaufs. Das Blut versackt in den Beinen und lebenswichtige Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, Puls und Blutdruck sacken ab. Die Folge ist der orthostatische Schock. Die Gesamtsituation kann sich zusätzlich verschlimmern durch extreme Temperaturen und die schwere körperliche Anstrengung.

Ruhe bewahren in luftiger Höhe

Im Verlauf des Vortrags wurde deutlich, dass schnelles Handeln das A und O ist. „Retten bedeutet, den überstreckten Kopf des Bewusstlosen zu stabilisieren, um die Sauerstoffzufuhr wieder zu ermöglichen, Ruhe auszustrahlen durch souveränes Handeln und Ansprechen und den Verletzten schnell und sicher zurück auf den Boden zu bringen. Anschließend erfolgt die weitere Erstversorgung.“

Nach dem theoretischen Teil folgte das praktische Üben. Wegen Corona wurde zu diesem Zweck ein 75 Kilogramm schwerer Dummy, mit Helm und Klettergurt in einer Platane positioniert. Dieser war von der Freiwilligen Feuerwehr Gaggenau zur Verfügung gestellt worden. Unter der Beobachtung von Matthias Schmitt, der sich einige Meter oberhalb am Baum gesichert hatte, sowie den anderen Teilnehmern am Boden, probten die Baumkletterer die sichere Bergung des „Bewusstlosen“.

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Erstellt:
21. September 2020, 14:28 Uhr
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