Bauzinsen ziehen weiter an

Baden-Baden/Stuttgart (tas) – Bausparer brauchen für die Verwirklichung ihres Traums von den eigenen vier Wänden oder für Modernisierungsvorhaben immer mehr Kapital.

Schnell vergriffen: Immobilienangebote im Südwesten sind derzeit nicht reich gesät. Das könnte sich in ein paar Jahren generationsbedingt aber ändern. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Schnell vergriffen: Immobilienangebote im Südwesten sind derzeit nicht reich gesät. Das könnte sich in ein paar Jahren generationsbedingt aber ändern. Foto: Patrick Pleul/dpa

Die durchschnittliche Bausparsumme bei der Landesbausparkasse (LBS) Südwest ist zuletzt noch einmal deutlich gestiegen – von 64.000 Euro im Jahr 2020 auf rund 71.000 Euro im vergangenen Jahr.

Und der Trend setzt sich auch 2022 fort. Im Januar lag die durchschnittliche Bausparsumme bei über 90.000 Euro, teilte am Mittwoch die LBS Südwest mit. „Wir erleben seit Jahren einen Rücksetzer bei den Vertragszahlen, aber einen Anstieg der Bausparsummen“, sagt Vertriebsvorstand Jörg Leitolf, der von einer hohen Qualität der Verträge spricht.

Deutlich steigende Baukosten und Grundstückspreise

Dass die Summen immer weiter ansteigen, ist Spiegelbild der Marktentwicklung bei Immobilien. Neben deutlich steigenden Baukosten und Grundstückspreisen wird auch die Modernisierung älterer Häuser immer aufwendiger. LBS-Südwest-Chef Stefan Siebert schätzt, dass die Bausparkasse in diesem Bereich künftig noch stärker unterwegs sein wird. Statt Pool und Wintergarten gehe es mittlerweile hauptsächlich um die Gebäudehülle und andere kostspielige Maßnahmen der energetischen Sanierung. Auch das altersgerechte Wohnen stehe für viele Hauseigentümer an. „Der Immobilienbestand ist bisher weitgehend nicht darauf vorbereitet“, sagt LBS-Südwest-Vizechef Uwe Wöhlert.

Wie es mit den Zinsen bei Baufinanzierungen weitergeht, ist laut Siebert auch klar: aufwärts. Zwar hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Schalter bei den Leitzinsen noch nicht umgelegt, doch die anhaltende Diskussion um die vergleichsweise hohe Inflationsrate dürfte den Handlungsdruck auf die Währungshüter weiter ansteigen lassen, erwartet der LBS-Südwest-Chef.

Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp hatte jüngst bereits von einem deutlichen Anstieg des durchschnittlichen Bauzinses berichtet, die aktuellen Konditionen bei zehnjährigen Darlehen lägen derzeit bei 1,6 Prozent. In wenigen Wochen seien die Zinsen um über 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Anfang 2020 hatte es mit weniger als 0,7 Prozent noch ein historisches Tief bei den Zinsen gegeben.

Die Verbraucher reagieren laut LBS bereits. „Wir spüren durch eine erhöhte Anzahl an Kreditanfragen, dass die Entwicklung der Kapitalmärkte unsere Kunden beschäftigt und sie großes Interesse haben, sich die gegenwärtig noch günstigen Zinsen langfristig zu sichern“, sagt Uwe Wöhlert. Doch nicht die steigenden Zinsen seien das Problem beim Finanzierungsvorhaben, sondern das weiterhin dünne Angebot. Die Objekte sind vielerorts knapp, die Preise hoch und damit auch die Anforderungen an das benötigte Eigenkapital.

Keine Entspannung erwartet

Dass es auf mittlere Sicht hier zu einer Entspannung kommen könnte, erwartet Siebert nicht, der „dramatische Nachfrageüberhang“ müsse erst einmal abgebaut werden. Auf lange Sicht erwartet er aber eine Entspannung auf dem Immobilienmarkt. „Massive Auflagen bei der Sanierung werden auch dafür sorgen, dass die Preissteigerungen so nicht weitergehen werden.“ Zudem würde die Generation der Babyboomer zahlreiche Immobilen nach und nach freimachen.

Im vergangenen Jahr hatte die LBS Südwest mehr als 122.000 neue Verträge mit einem Brutto-Volumen von 8,73 Milliarden Euro abgeschlossen. Über 90 Prozent davon seien sogenannte Finanzierertarife gewesen, die ganz konkret auf den Erwerb von Wohneigentum abzielten. 1,98 Millionen Stück hatte die Bausparkasse 2021 im Bestand, ein Minus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Bausparsumme wuchs allerdings um 1,1 Prozent auf 82,18 Milliarden Euro.

Die LBS Südwest ist in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aktiv und damit die größte der insgesamt acht Landesbausparkassen in Deutschland. Ihr Marktanteil in diesem Gebiet liegt laut eigenen Aussagen bei knapp 41 Prozent.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
23. Februar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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