Beate Böhlen will beim zweiten Wahlgang kandidieren

Von BT-Redakteur Harald Holzmann

Baden-Baden (hol) – Die Grünen-Politikerin Beate Böhlen, Bürgerbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, will bei der zweiten Runde der Oberbürgermeisterwahl in der Kurstadt antreten.

Beate Böhlen will beim zweiten Wahlgang kandidieren

Beate Böhlen wirft für den zweiten Wahlgang den Hut in den Ring. Foto: Marijan Murat/dpa

Die 55-Jährige bestätigte am späten Montagabend dieser Zeitung, dass sie bis Mittwochabend eine offizielle Bewerbung bei der Stadtverwaltung abgeben wird. Dazu muss sie unter anderem 100 Unterstützungsunterschriften sammeln. Wenn der Gemeindewahlausschuss zustimmt, landet ihr Name dann auf dem Stimmzettel des zweiten Wahlgangs am Sonntag, 27. März.

Böhlen begründet ihre Bewerbung mit dem mäßigen Abschneiden des Grünen-Kandidaten Roland Kaiser beim ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag. Der kurstädtische Sozialbürgermeister hatte nur 24 Prozent der Stimmen bekommen und war knapp hinter Amtsinhaberin Margret Mergen auf Platz drei gelandet. Böhlen sagt, zwischen ihr und Kaiser habe es eine Vereinbarung gegeben darüber, sich keine Konkurrenz zu machen. Nach dem Ergebnis des ersten Wahlgangs fühle sie sich aber nicht mehr an diese Übereinkunft gebunden, betont sie. „Ich werfe meinen Hut in den Ring.“

Böhlen ist 55 Jahre alt, ist gebürtige Baden-Badenerin und lebt mit ihrem Mann Peter in Lichtental. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder. Beate Böhlen war seit mehr als 15 Jahren als stets streitbare und oft polarisierende Kraft für die Grünen in der kurstädtischen Kommunalpolitik aktiv, lange Zeit als Fraktionschefin im Gemeinderat sowie als direkt gewählte Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Petitionsausschusses des Landes. Nach der Kommunalwahl 2019, bei der sie die meisten Stimmen aller Bewerber auf sich vereinen konnte, wechselte sie in ihren neuen Job als Bürgerbeauftragte des Landes. Dafür musste sie ihre Mandate im Gemeinderat und im Landtag aufgeben.

Jetzt will sie wieder in das politische Geschehen der Kurstadt eingreifen. Weder Mergen noch Kaiser traut sie es zu, im zweiten Wahlgang ein Gegengewicht zum am vergangenen Sonntag im ersten Wahlgang mit 39,2 Prozent der Stimmen siegreichen Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth darzustellen, wie sie sagt. „Die Baden-Badener sollten aber die Wahl haben“, meint sie. „Die Bürger kennen mich. Ich brenne für diese Stadt. Ich habe das Gefühl, ich muss das, was ich in den vergangenen Jahren für Baden-Baden-Baden erreicht habe, in die Waagschale werfen. Deshalb trete ich an.“

Kommentar: Grüne eiskalt getroffen

Von Harald Holzmann

Die Ereignisse überschlagen sich gerade in der Kurstadt: In der Nacht hat Grünen-Politikerin Beate Böhlen verkündet, dass sie im zweiten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl am 27. März antreten wird. Heute in aller Frühe hat die amtierende Oberbürgermeisterin Margret Mergen ihren Rückzug bekanntgegeben. Damit steht fest: Ihr Name wird am 27. März nicht mehr auf dem Stimmzettel stehen. Sonst ist aber alles wieder in Bewegung geraten.

Der Sieger des ersten Wahlgangs, der Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth, sagte am Montag: „Das Spiel ist erst zu Ende, wenn abgepfiffen ist.“ Für Gratulationen sei es trotz seines satten 15-Prozent-Vorsprungs noch viel zu früh. Und er hatte recht damit, denn die langjährige Landtagsabgeordnete und Ratsfraktionsvorsitzende der Grünen Beate Böhlen hat das Zeug dazu, dem Mann aus Muggensturm noch einmal gefährlich zu werden. Sie ist gut vernetzt in der Stadt, war mehrmals Stimmenkönigin bei den Kommunalwahlen und hat einstmals der CDU das Baden-Badener Direktmandat für den Landtag abluchsen können. Sie dürfte viele Fans in Baden-Baden haben, die sich jetzt noch einmal genau überlegen werden, wo sie beim zweiten Durchgang ihr Kreuzchen machen.

Mergens Rückzug ist nur konsequent. Sie gesteht damit ihre Niederlage ein und macht den Weg frei für die von einer deutlichen Mehrheit der Wähler gewollten Veränderung an der Verwaltungsspitze. Nun bleibt die Frage, was Sozialbürgermeister Roland Kaiser macht. Der Kandidat der Grünen wurde heute früh so wie seine gesamte Partei von der Nachricht über Böhlens Kandidatur eiskalt getroffen. Zudem hat er in diesen Minuten gerade alle Hände voll zu tun mit der Koordination der Hilfe für die Ukraine-Flüchtlinge – es gibt halt auch noch wirklich lebenswichtige Probleme in dieser Stadt. Ob er überhaupt schon dazu gekommen ist, sich über sein weiteres Vorgehen Gedanken zu machen, ist fraglich. Durchaus möglich jedenfalls, dass auch er seine Kandidatur zurückzieht.

Das Vorgehen Böhlens offenbart aber, wie weit sich die ehemalige Grünen-Chefin entfernt hat von ihrer Partei in Baden-Baden. Parteivorstand und Fraktion hatten Kaiser den Vorzug gegeben vor Böhlen. Jetzt macht sie es eben alleine – und polarisiert damit mal wieder, wie sie es schon so oft getan hat während ihrer politischen Karriere in Baden-Baden. Mittlerweile ist die 55-Jährige seit zweieinhalb Jahren Bürgerbeauftragte des Landes. Sie habe in dieser Funktion dazugelernt und könne auch sehr gut vermitteln, betonte sie am Montagabend im Gespräch mit dieser Zeitung. Das wäre gut, denn wenn sie tatsächlich gewählt wird, dann wird es eine Menge Vermittlungsarbeit zu leisten geben in Baden-Baden, um die tiefen politischen Gräben, die nun auch sie aufgerissen hat, wieder zu verfüllen.

Unterdessen erklärte Amtsinhaberin Margret Mergen (CDU) am Dienstagmorgen über ihre Facebook-Seite, dass sie im zweiten Wahlgang nicht mehr kandidieren wolle:

Mergen tritt im zweiten Wahlgang nicht mehr an