Bebauung trotz Sorge um Biotop

Gaggenau (vgk) – Am Hörtelsteiner Weg in Ottenau sollen zehn Wohneinheiten entstehen.

In unmittelbarer Nähe der Bahngleise bei der Schlotteräxtbrücke entsteht das kleine Baugebiet. Foto: Thomas Senger/Archiv

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In unmittelbarer Nähe der Bahngleise bei der Schlotteräxtbrücke entsteht das kleine Baugebiet. Foto: Thomas Senger/Archiv

Die geplante Bebauung südwestlich des Hörtelsteinerwegs bewegt nach wie vor die Gemüter. Gleichwohl entschied sich nun die große Mehrheit der Gemeinderäte, bei zwei Enthaltungen und drei Nein-Stimmen, für das Baugebiet und die Beschlussvorlage der Stadt Gaggenau.

Es war ein langer Weg für alle am Prozess Beteiligten bis zur Entscheidung. Bereits im Dezember 2014 wurden erste Gespräche mit einem Investor geführt. Das Plangebiet umfasst eine Fläche von rund 0,32 Hektar (ha) und befindet sich am östlichen Siedlungsrand des Ortsteils Ottenau nördlich der Murg und der Hauptstraße. Die Umgebung wird von ein- bis zweigeschossigen Einzel- und Doppelhäusern geprägt. Ebenfalls befindet sich in diesem Bereich ein gesetzlich geschütztes Biotop.

Vorgesehen sind an dieser Stelle vier Doppelhaushälften (acht Wohneinheiten) und ein Einfamilienhaus (maximal zwei Wohneinheiten). Die Höhe der Gebäude wurde nach einem Ortstermin gemeinsam mit Anwohnern und Verwaltung so limitiert, dass die Terrasse der angrenzenden Cocktailbar nicht davon tangiert wird.

Die im südlichen Teil des Baugebiets liegenden Häuser sollen über eine vom Investor noch zu schaffende private Zufahrtsstraße erschlossen werden. Die Erschließung des Plangebiets erfolgt über den Hörtelsteinerweg. Der Wunsch der Stadtwerke Gaggenau, das bisher nicht im Plangebiet befindliche Flurstück Nummer 4712/3 als Fläche für Versorgungsanlagen festzusetzen, wurde im Sinne einer zügigen Verfahrensabwicklung aus dem Geltungsgebiet herausgenommen.

In die Planungen eingearbeitet wurden hingegen die Anregungen der 23 Anwohner. Unter anderem betrifft dies den Hörtelsteinerweg, der auf 5,50 Meter und ebenfalls auf Kosten des Bauträgers verbreitert werden soll. Um den befürchteten Parkdruck zu mindern, sollen jedem Baugrundstück zwei Baufenster für Stellplätze oder Garagen angeboten werden. In die örtlichen Bauvorschriften soll zudem eine erhöhte Anzahl an Stellplätzen festgeschrieben werden.

Bezüglich des Hochwasserschutzes erfolgt der Nachweis des ermittelten Retentionsvolumens auf der Ebene des Baugenehmigungsverfahrens. Für ein Kellergeschoss unterhalb des Wasserspiegels des Bemessungshochwassers muss zudem eine wasserrechtliche Genehmigung vorliegen.

Zaun entlang der Bahnlinie

Von den Planungen nicht berührt wird das im überplanten Gebiet liegende Biotop. Die AVG fordert als Schutzmaßnahme einen Zaun entlang der Bahnlinie.

In ihrer Stellungnahme wunderte sich Stadträtin Gerlinde Stolle (SPD) über die Behandlung des Artenschutzes und die damit verbundene Aussage, dort seien keine schützenswerten Arten gefunden worden. Gleichfalls sehe sie die Massierung der Gebäude nach wie vor kritisch. Sie selbst hätte gerne auch auf das letzte Haus verzichtet, um die Fläche als Retentionsfläche nutzen zu können. Stolle versagte den Planungen ihre Zustimmung. Bürgermeister Michael Pfeiffer entgegnete, dass die Ökologie gutachterlich vom Landratsamt überprüft werde.

Für seine Fraktion signalisierte Andreas Paul (CDU) Zustimmung, auch wenn nicht alles für gut befunden werde. Zur Begründung nannte er, dass die bisherigen vom Stadtrat vorgebrachten Einwände und Anregungen ernst genommenen und in die Planung mit aufgenommen wurden.

Die vielen Häuser auf engem Raum findet auch FWG-Stadtrat Martin Hahn kritisch. Er meinte allerdings, dass „in diesem Eck etwas gebaut werden soll.“ Ein Haus weniger könnte jedoch dazu führen, dass das Interesse von Investoren an dem Bauland schwinde.

Als realistischer bezeichnete Gerd Pfrommer (SPD) die für dieses Gebiet gemachten Vorschläge. Die meisten Knackpunkte seien berücksichtigt. Auch wenn man in der Fraktion unterschiedlicher Auffassung sei, werde man der Beschlussvorlage zustimmen.

Der Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Eric Peplau, machte sich Sorgen um das Biotop an dieser Stelle. Seiner Sichtweise schloss sich Alexander Haitz (FDP) an und forderte zudem, mit Blick auf dem Gewerbebetrieb, die Parksituation im Auge zu behalten.

Als Grund für seine Ablehnung nannte Armin Kellert (AfD) unter anderem die Hochwassersituation.


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