Bedarf an Betreuungsplätzen in Baden-Baden prognostiziert

Baden-Baden (nof) – Für die Ganztagsbetreuung braucht’s den Blick in die Glaskugel: Die Stadtverwaltung hat den Bedarf an Betreuungsplätzen beim Rechtsanspruch für Grundschüler ab 2026 prognostiziert.

Mit der jüngsten Erweiterung kann die Grundschule Cité mehr Kinder in die Ganztagsbetreuung aufnehmen. Foto: Nico Fricke

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Mit der jüngsten Erweiterung kann die Grundschule Cité mehr Kinder in die Ganztagsbetreuung aufnehmen. Foto: Nico Fricke

Ab dem Schuljahr 2026/27 haben Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung. Die Stadtverwaltung bereitet sich bereits auf den Mehrbedarf an Betreuungsplätzen vor: ein finanzieller und logistischer Kraftakt. Mehrere Szenarien hat sie dafür entwickelt.

Es sei nicht davon auszugehen, dass alle Eltern den ihnen zustehenden Platz für ihre Kinder in Anspruch nehmen werden, sagte Iska Dürr, Fachbereichsleiterin Bildung und Soziales, jüngst im Schulausschuss. „Es gibt ein Recht, aber keine Pflicht“, betonte auch Bürgermeister Roland Kaiser.

So braucht es einen Blick in die Glaskugel: Mittels der jährlichen Geburten und der daraus errechneten Anzahl von Einschulungen ab dem Schuljahr 2026/27 hat die Stadtverwaltung Grobberechnungen vorgenommen, um den voraussichtlichen Bedarf an Betreuungsplätzen in Baden-Baden zu ermitteln. 464 Schüler (Erstklässler) werden demnach im ersten Jahr nach Inkrafttreten einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Vier Jahre später hat das Gesetz seine volle Wirkung entfaltet und umfasst dann alle Grundschulklassen mit rund 1.828 Schülern. Daraus seien drei Varianten für die tatsächliche Inanspruchnahme der Plätze abgeleitet worden.

„Erhebliche Unterschiede“ bei Bedarf

Bleibe der Bedarf auf dem aktuellen Stand (58 Prozent der Familien in Baden-Württemberg benötigen während der Grundschulzeit eine Ganztagsbetreuung), bräuchte man 2029 rund 1.060 Plätze, so Dürr. Eine mittlere Variante (Angleichung auf bundesweiten Durchschnitt mit 74 Prozent) sieht den Bedarf bei 1.353 Plätzen, die Maximalvariante (97 Prozent Bedarf) käme auf 1.773 Plätze. „Es gibt also erhebliche Unterschiede“, so Dürr. Aus diesem Grund sollen nun schon die erwarteten Bedarfe bei Eltern und die Einschätzungen der Schulen für die kommenden Jahre abgefragt und geeignete Räume gesucht werden.

Offen sei noch die Frage, wie die künftigen Bedarfe gedeckt werden sollen: Dies könne über die Einrichtung weiterer Ganztagsschulen geschehen, aber auch über Betreuungsplätze in „betriebserlaubten Einrichtungen“ – also Schülerhorte, die nicht an der Schule angesiedelt sind. Da müsse der Gesetzgeber aber noch genauer werden und das Schulgesetz anpassen, so Dürr.

„Das Interesse spricht für das Angebot“

„Wir sind im Vergleich mit anderen Kommunen sehr früh dran mit den Planungen“, sagte Bürgermeister Roland Kaiser: „Der Rechtsanspruch soll auch dabei helfen, dass gut ausgebildete Eltern wieder früher in den Beruf zurückkehren können.“ Damit solle auch dem Fachkräftemangel begegnet werden. Die Verwaltung sieht sich nach der vorgelegten Statistik zunächst gut aufgestellt. Soweit auch die „sonstigen Ganztagsbetreuungsplätze“ rechtlich anerkannt werden, können im Schuljahr 2026/27 alle Bedarfe gedeckt werden. Spätestens aber im Jahr 2029/30 wird die Platzzahl laut Verwaltung nicht ausreichen: Im Maximal-Szenario errechnet sich demnach ein Defizit von 736 Plätzen. Werden aber nicht alle vorhandenen Betreuungsplätze anerkannt und nur die Ganztagsschul- und Hortbetreuungsplätze gezählt, dann könne nur noch der vorausberechnete Bedarf im Schuljahr 2026/27 gedeckt werden.

Derzeit stehen in Baden-Baden für 1.737 Grundschulkinder 1.037 Ganztagsbetreuungsplätze (59,7 Prozent) zur Verfügung, 807 davon sind belegt. Die Stadtverwaltung hatte die Zahl der Ganztagsbetreuungsplätze zuletzt stark ausgebaut: Seit diesem Schuljahr ist zum Beispiel die Vincenti-Grundschule eine offene Ganztagsschule. Dort überstieg die Nachfrage (105) jedoch das Angebot (90 Plätze). Stark ausgebaut wurde das Ganztagsangebot in der Grundschule Cité. Ein Erweiterungsbau ermöglicht seit diesem Schuljahr die Aufnahme weiterer Kinder ins Ganztagsprogramm. 160 Plätze stehen dort zur Verfügung, belegt sind 94. Darüber hinaus hat das Schülerbetreuungshaus an der Grundschule Balg seit November 2021 für weitere 40 Grundschulkinder aus dem ganzen Stadtgebiet geöffnet.

„Das Interesse spricht für das Angebot“, lobte Thomas Gönner (Grüne). Karin Fierhauser-Merkel (SPD) rief dazu auf, den Blick auch stets auf ausreichend und gut qualifiziertes Personal zu haben.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
8. Dezember 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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