Bedarf steigt rasant

Gernsbach (stj) – Die Nachfrage flexibler Grundschulbetreuungsangebote wird stärker. Das rückt in Gernsbach die Schulentwicklung in den Fokus, mit der sich der Gemeinderat am 1. März befasst.

Die preisgekrönte 28 Jahre alte Architektur der Grundschule Scheuern ist nach wie vor modern und einladend. Foto: Stephan Juch

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Die preisgekrönte 28 Jahre alte Architektur der Grundschule Scheuern ist nach wie vor modern und einladend. Foto: Stephan Juch

Die Kommunalpolitiker sollten schon am 25. Januar zu einer öffentlichen Sitzung zur Schulentwicklung zusammenkommen. Diese wurde kurzfristig auf den 1. März verschoben. Spätestens nachdem Bürgermeister Julian Christ im Rahmen der Haushaltsberatung am 8. Februar bekannt gegeben hat, dass die Von-Drais-Grundschule an ihrem aktuellen Standort für eine Ganztagsbetreuung ungeeignet sei, schlägt das Thema in der Stadt hohe Wellen.

Spätestens bis zum Jahr 2025 muss Gernsbach gerüstet sein, um den dann geltenden Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz für Grundschulkinder erfüllen zu können. Bisher galt als sicher, dass die Von-Drais-Grundschule in der Kernstadt entsprechend ausgebaut wird, zumal sie ohnehin stark sanierungsbedürftig ist und erneuert werden muss – unabhängig vom künftigen Angebot. Dass aber der von einem externen Büro aus Nordrhein-Westfalen erstellte Schulentwicklungsplan der Grundschule am Standort in der Von-Drais-Straße quasi eine Zukunft mit Ganztagsbetreuung abspricht, ändert nun die Gemengelage.

Die Tatsache, dass die Stadt Gernsbach zum einen äußerst knapp bei Kasse, zum anderen angesichts ihrer Topografie nicht gerade reich an Alternativstandorten ist, dürfte den Blick der Kommunalpolitiker verstärkt auf mögliche Entwicklungspotenziale in den Stadtteilen richten – und da insbesondere auf Scheuern. Denn dort ist man (wenn auch inoffiziell) längst beim Ganztagsbetrieb angekommen. Mehrfach habe Schulleiterin Ursula Fritsch schon bei Bürgermeister Julian Christ und Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht darum gebeten, ihre Visionen für die nächsten Jahre in einer Gemeinderatssitzung vorstellen zu dürfen. Dieser Wunsch sei aber wiederholt abgelehnt worden.

Deshalb hat sich Fritsch nun im Vorfeld der gemeinderätlichen Schulentwicklungssitzung an die Fraktionen gewandt, in der Hoffnung, dort auf mehr Gehör zu stoßen, was die aktuelle Situation an der Grundschule Scheuern betrifft. Dort herrsche nämlich schon jetzt ein sehr hoher Anteil an Betreuungsbedarf über den „normalen“ Schulbetrieb hinaus.

Neubaugebiete in Scheuern machen sich bemerkbar

In den zurückliegenden fünf Jahren habe sich der Bedarf des flexiblen Betreuungsangebots an der Grundschule Scheuern (verlässliche Grundschule und flexible Nachmittagsbetreuung mit Frühbetreuung ab 7 Uhr bis 16 Uhr) rasant erhöht. Für das kommende Schuljahr gebe es aktuell bereits 51 Anmeldungen (von dann 70 Schülern aus dem Einzugsgebiet Scheuern und Lautenbach). Das seien rund 20 mehr als im laufenden Schuljahr. Offenbar werden hier die Auswirkungen der Neubaugebiete langsam spürbar – und die 122 Wohnungen „Am Sonnenrain“ werden ja dieses Jahr erst noch bezugsfertig. Hinzu kommt, dass der angrenzende evangelische Kindergarten keine Hausaufgabenbetreuung mehr anbieten wird und dass der Hort in Hilpertsau keine Kinder mehr aufnehmen kann. Von dort erreichen die Grundschule Scheuern schon Anträge zum Schulbezirkswechsel, informiert Ursula Fritsch.

Lobend hervor hebt die Schulleiterin das Engagement der Stadt bei der digitalen Ausstattung der Grundschule Scheuern, die inzwischen fast vollständig sei, sodass das Lehrerteam in der Corona-Krise die Kinder sehr gut beim Homeschooling und die 28 Kinder vor Ort in der Notbetreuung versorgen könne. Auch die Räumlichkeiten im Schulgebäude haben sich mit der wachsenden Nachfrage in den zurückliegenden Jahren verändert und angepasst: Schulküche mit warmem Mittagessen, Bistro (Mensa), Spielräume und Platz für die Hausaufgabenbetreuung sowie Beschäftigungsangebote werden ergänzt durch ein attraktives Außengelände. Hauptamtsleiter Lachnicht habe sich zuletzt sehr dafür eingesetzt, dass der ehemalige Vereinsraum nun der Schule und der Betreuung vollständig zur Verfügung steht, freut sich Fritsch.

Personell wird die Schulkindbetreuung in Scheuern von einer Lerntherapeutin in Teilzeit geleitet, die als Erzieherin vergütet wird und die Verantwortung für zwei Minijobber in der Küche und drei ungelernte Minijobber für die pädagogische Arbeit trägt; zusätzlich sind noch mehrere Jugendbegleiter im Einsatz, zählt Fritsch in ihrem Schreiben an die Fraktionen auf.

Von ihnen erhofft sie sich bei der anstehenden Diskussion des Schulentwicklungsplans Unterstützung. Dieser liegt der Schulleiterin (genauso wie den Kommunalpolitikern) bisher nicht vor. Die Schulleiterin weist die Gemeinderatsfraktionen aber schon mal darauf hin, dass sich von den 18 Schulanfängern des neuen Schuljahres in Scheuern 17 für die Nachmittagsbetreuung angemeldet haben. Und man könne davon ausgehen, dass dieser Bedarf konstant hoch bleibe.


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