Begegnungszentrum steht auf Projektliste ganz oben

Bietigheim (mak) – Der Anfang 2000 gegründete Seniorenbeirat hat in Bietigheim viele Angebote etabliert. Die Feier zum 20-Jährigen fiel im Vorjahr wegen Corona aus, sie wird im Herbst nachgeholt.

Bis zu Beginn der Corona-Pandemie kam der Handarbeitstreff zweimal im Monat im Haus Edelberg zusammen. Foto: Seniorenbeirat

© pr

Bis zu Beginn der Corona-Pandemie kam der Handarbeitstreff zweimal im Monat im Haus Edelberg zusammen. Foto: Seniorenbeirat

Eigentlich wollte man im vergangenen Jahr das 20-jährige Bestehen mit einem Fest begehen, doch dann kam Corona dazwischen, wie Ingrid Heck-Fütterer berichtet. Sie arbeitet im Seniorenbüro der Gemeinde Bietigheim, das die vom Seniorenbeirat entwickelten Ideen und Projekte koordiniert und umsetzt. Die Feier zum 20-Jährigen soll im September nachgeholt werden. Die Gemeinde hatte damals bereits die Vereine im Ort angeschrieben und einen runden Tisch einberufen, der sich mit der Gründung eines Seniorenbeirats befasst hatte, als Dr. Thomas Kölmel mit der Dr.-Jakob-Kölmel-Stiftung hinzustieß und ebenfalls die Arbeit für Senioren organisieren wollte, berichtet Ingrid Heck-Fütterer im BT-Gespräch.Nach der Gründung des Seniorenbeirats arbeitete sie zunächst als ABM-Kraft, die von der Kölmel-Stiftung finanziert wurde. 2003 habe sich dann Bietigheim als erste Kommune im Landkreis Rastatt ein Seniorenbüro geleistet. Die gelernte Betriebswirtin für soziale Einrichtungen wurde von der Gemeinde angestellt, die Kölmel-Stiftung finanzierte ihre Stelle noch einige Jahre mit. Der Bietigheimer Seniorenbeirat hat sich seit seinem Start im Jahr 2000 als einfallsreicher Impulsgeber erwiesen: Bereits im ersten Jahr gab es einen Internetkurs für Senioren in Zusammenarbeit mit der Schule, gefolgt von einem Grundlagen-Kochkurs für Männer, ein Treffen für pflegende Angehörige wurde ins Leben gerufen, ein monatlicher Kaffeenachmittag wurde angeboten und das Bewegungsprogramm „Fit in den Frühling“, das während der Fastenzeit stattfand. „Viele Angebote wurden zu „regelmäßigen Veranstaltungen“, berichtet Heck-Fütterer. Das Besondere am Seniorenbeirat in Bietigheim ist der Umstand, dass es kein Vorstandsteam gibt, sondern dass alle Mitglieder gleichberechtigt sind. Zu den insgesamt 14 Personen zählt auch die Hauptamtsleiterin Marlena Ganz sowie die Leitung von Haus Edelberg. Der Seniorenbeirat baute einen ehrenamtlichen Besuchsdienst für die Bewohner des Pflegeheims auf, die Begegnungsstätte im Haus Edelberg wird zudem auch vom Seniorenbeirat genutzt.

Projekt „Alt für Jung“ erfolgreich

Ein erfolgreiches Projekt des Seniorenbeirats war „Alt für Jung – Hand in Hand“ und kam im Oktober 2005 auf Initiative der damaligen Leiterin der Kita St. Michael zustande. Die Idee war, jungen Familien, die ihr Kleinkind zu Hause betreuen, eine Möglichkeit anzubieten, an einem Vormittag in der Woche ihr Kind für drei Stunden in Obhut zu geben. Die kostenlose Betreuung fand meistens im evangelischen Gemeindezentrum statt, zeitweise auch in Räumlichkeiten von St. Michael. Ab 2015 wurden die Kleinkinder dann in die Krippen-Gruppen von St. Michael integriert, berichtet Heck-Fütterer. Der Seniorenbeirat organisierte ab Oktober 2006 im wöchentlichen Wechsel in den örtlichen Gasthäusern einen Mittagstisch. Die Teilnehmerzahl nahm im Lauf der Zeit ab, ebenso die Gasthäuser, die Mittagstisch anbieten. „Außerdem war das Mittagessen für einige Senioren einfach zu teuer“, führt Heck-Fütterer aus. Auf Initiative und in Zusammenarbeit mit der damaligen Pfarrerin wurde dann ab Oktober 2013 wöchentlich im evangelischen Gemeindezentrum ein Mittagstisch mit ehrenamtlichem Küchenteam organisiert. Vor Corona wurden dort jede Woche bis zu 45 Gäste bewirtet, berichtet die 63-Jährige. Im Vorstand des Seniorenbeirats arbeiten gemäß Geschäftsordnung 14 Frauen und Männer ehrenamtlich. Insgesamt 50 Ehrenamtliche engagieren sich in den zahlreichen Projekten, die im Lauf der Jahre entwickelt wurden: „Es war bisher unproblematisch, für bestimmte Projekte Ehrenamtliche zu finden; schwieriger ist es, Männer und Frauen zu finden, die sich für die Dauer von drei Jahren engagieren oder die verantwortlich eine regelmäßige Gruppe übernehmen“, erläutert Heck-Fütterer. Der älteste Mitarbeiter ist Jahrgang 1927 (hilft beim Mittagstisch), die Jüngste ist Jahrgang 1984 (Mitglied im Seniorenbeirat); die meisten sind zwischen 70 und 75 Jahre alt.

Gemeinde und Kölmel-Stiftung finanzieren Projekte

Die Arbeit des Seniorenbeirats wird von der Gemeinde und der Dr.-Jakob-Kölmel-Bürgerstiftung finanziert. Die meisten angebotenen Aktivitäten tragen sich selbst, beispielsweise der Mittagstisch oder das Angebot „Fit in den Frühling“. Aufgrund der Corona-Pandemie sind momentan keine Präsenzveranstaltungen möglich, bedauert Ingrid Heck-Fütterer. Über den Sommer gab es einige Treffen draußen oder im kleinen Rahmen und mit Abstand im großen Raum. An Ostern 2020 erhielten die Mitglieder des Seniorenbeirats und Ehrenamtliche einen Brief und eine Stoffmaske; im Juli 2020 wurde bei der Aktion „Grillen für Senioren“ eine Bratwurst nach Hause gebracht; im Oktober gab es den „Mittagstisch auf Rädern“; vor Weihnachten schrieb Bürgermeister Constantin Braun einen Brief an die Senioren. Weiterhin gab es an Fastnacht 2020 Gymnastikvorschläge und einen Dambedei für alle Ehrenamtlichen. „Momentan läuft viel über Telefon, Briefe oder über Anzeigen und Informationen im Gemeindeanzeiger“, verdeutlicht Heck-Fütterer. Das nächste große Vorhaben des Seniorenbeirats ist ein selbst verwaltetes Begegnungszentrum mit Café, wo sich Gruppen und Initiativen „verwirklichen“ können. Das Vorhaben soll mit Unterstützung der Kölmel-Stiftung und den örtlichen Vereinen realisiert werden, kündigt Ingrid Heck-Fütterer an: „Wir sind derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Objekt.“

Zum Artikel

Erstellt:
16. März 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.