Begleiteter Einstieg ins Arbeitsleben

Gaggenau (er) – Menschen, die durch Sucht oder eine psychische Erkrankung aus dem Arbeitsleben gefallen sind, haben bei der Re-Integration ins Arbeitsleben oft große Schwierigkeiten.

Das Modellprojekt BEAS von der Fachklinik Fischerhaus wird vom Universitätsklinikum Freiburg begleitet. Foto: Rohwer

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Das Modellprojekt BEAS von der Fachklinik Fischerhaus wird vom Universitätsklinikum Freiburg begleitet. Foto: Rohwer

Und wenn sie dann doch einen Arbeitsplatz finden, droht nicht selten schon durch eine geringe Störung, verbunden mit einer geminderten Belastbarkeit, ein erneuter Jobverlust und der Rückfall in alte Gewohnheiten. Stephan Peter-Höner, Klinikleiter, und Erwin Seiser, Verwaltungsleiter der Michelbacher Fachklinik Fischer-Haus, haben das BEAS-Projekt („Begleiteter Einstieg ins Arbeitsleben durch Starthilfe“) entwickelt, das für diese Problemstellung einen Lösungsansatz bieten möchte.

Schon seit einigen Jahren hatten Peter-Höner und Seiser gemeinsam an einem Konzept gearbeitet, das Betroffene dabei unterstützen soll, schwierige Situationen nach einer erfolgreichen Therapie zu meistern, ohne durch den Verlust des Arbeitsplatzes in die Abwärtsspirale zu geraten. Im Frühjahr 2017 folgten sie einem Aufruf der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg zur Einreichung eines Projekts für das Bundesprogramm „rehapro“ und starteten ihre Arbeit an einer Projektskizze.

Suchtrehabilitation im Fokus

„Die Idee war einerseits, Menschen zu helfen, die durch suchtbezogene, psychische beziehungsweise soziale Belastungen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben oder Probleme haben, neue Arbeit zu finden“, sagt Erwin Seiser. „Gleichzeitig leitete uns der Gedanke, das Thema Suchtrehabilitation konsequent zu Ende zu denken. Das bedeutet, die Integration in Arbeit und Gesellschaft während der Rehabilitation handlungsleitend auszurichten und medizinische, berufliche und soziale Komponenten zu verknüpfen. Das ist das Besondere an diesem Projekt“, führt Stephan Peter-Höner weiter aus.

Im Rahmen der Entwicklung sei früh deutlich geworden, dass es hier einen mehrdimensionalen Ansatz braucht: Die Hilfe sollte durch eine sozialtherapeutische Fachkraft erfolgen, die regelmäßig Gespräche mit den Teilnehmenden führt und als Moderator gegenüber dem Arbeitgeber fungiert.

Rentenversicherung als Unterstützer

Das Modellprojekt BEAS hat schließlich die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg als Projektträger überzeugt. Im Dezember 2019 erhielt es den Förderbescheid und lief im Januar 2020 an. Es hat eine Laufzeit von fünf Jahren, das Fördervolumen beträgt knapp zwei Millionen Euro. Begleitet wird es durch das Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Versorgungs- und Rehabilitationsforschung.

Die Fachklinik Fischer-Haus führt das Projekt durch und kooperiert in diesem Zusammenhang auch mit den Jobcentern in Rastatt und Baden-Baden sowie der Arbeitsagentur und der DRV Bund. Die ersten Teilnehmer aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden sind bereits aufgenommen. Im Laufe des Projekts soll das Angebot auch in den Regionen Karlsruhe, Pforzheim und der Ortenau umgesetzt werden, kündigt die Fachklinik an.


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