Behindertenwerkstätten dürfen wieder öffnen

Bühl/Sinzheim (galu) – Mit bis zu 25 Prozent der Belegschaft können die Behindertenwerkstätten in Bühl und Sinzheim nun wieder ihre Arbeit aufnehmen, nachdem sie coronabedingt eine ganze Weile geschlossen waren. Markus Tolksdorf, Geschäftsführer der Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl erklärt im BT, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Mitarbeiter zu schützen.

In der Werkstatt der Bühler Lebenshilfe wird wieder gearbeitet – aber nur mit Maske und Abstand. Foto: Lebenshilfe

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In der Werkstatt der Bühler Lebenshilfe wird wieder gearbeitet – aber nur mit Maske und Abstand. Foto: Lebenshilfe

„Unsere Werkstätten bieten mehr als nur einen Arbeitsplatz. Sie geben behinderten Menschen einen festen Tagesablauf und regelmäßige Sozialkontakte“, sagt Markus Tolksdorf, Geschäftsführer der Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern. Darauf mussten die dort Arbeitenden nun eine ganze Weile verzichten, denn auch die Behindertenwerkstätten waren coronabedingt geschlossen. Seit dem 4. Mai dürfen diese aber wieder ihren Betrieb aufnehmen – unter Auflagen.

Die beiden Werkstätten in Bühl und Sinzheim können jetzt wieder mit bis zu 25 Prozent der Belegschaft ihre Arbeit aufnehmen – jedoch auf freiwilliger Basis für die Beschäftigten. „Wir haben eine Liste erstellt und erst einmal aussortiert, wer überhaupt in Frage kommt, da auch wir Risikogruppen aufweisen. Die nächste Frage, die wir uns stellen mussten, war dann, für wen eine Rückkehr in den Arbeitsalltag wichtiger ist“, so Tolksdorf. „Die Bereitschaft ist sehr groß, es haben sich viel mehr Leute gemeldet, als wir unterbringen können. Dementsprechend werden wir sogar im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten, um möglichst vielen Behinderten die Möglichkeit zu geben, wieder diesen Alltag zu haben.“

Plexiglas-Wände und Mund-Nasenschutz-Plficht

Jedoch müssen erst die neuen Sicherheitsbestimmungen umgesetzt werden. „Die Umgestaltung der Arbeitsplätze ist ein enormer Mehraufwand“, so Tolksdorf. Die größte Herausforderung sei jedoch das Einüben der neuen Abläufe mit den Behinderten. „Alles außerhalb des direkten Platzes wird sehr viel schwieriger werden. Jeder kennt seine Arbeitsabläufe. Aber der Weg von der Umkleide zum Arbeitsplatz wird sich beispielsweise ändern“, meint Tolksdorf.

„Die erste Woche werden wir nutzen, um unsere Mitarbeiter in Kleingruppen in die neuen Vorschriften einzuweisen. Auch um eventuelle Ängste zu nehmen.“ Gerade für Menschen mit geistiger Behinderung sei die Kontaktvermeidung nicht immer leicht zu verstehen.

Konkret wird ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingeführt. Ebenso werden die einzelnen Arbeitsplätze weiter voneinander entfernt sein, um den Kontakt zwischen den Beschäftigten zu minimieren. Des Weiteren seien Plexiglas-Wände installiert worden und es werde eine Maskenpflicht gelten. „Wir haben alle möglichen Schutzbestimmungen gesammelt, ausgewertet und umgesetzt, um für alle Mitarbeiter den bestmöglichen Schutz zu gewähren“, sagt Tolksdorf.

Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt

In der Sinzheimer Werkstatt werden zunächst 30 Personen wieder ihre Arbeit aufnehmen – hier arbeiten hauptsächlich geistig oder mehrfach behinderte Menschen. Anders sieht es in Bühl aus: Die dortige Werkstatt ist speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen. „Gerade für diese ist ein fester Tagesablauf wichtig“, meint Tolksdorf. Dementsprechend werden dort zwei Schichten mit je 20 Personen wieder in die Produktion einsteigen. „Oftmals ist die Arbeit der einzige Sozialkontakt am Tag für diese Menschen, es ist wichtig, dass wir diesen wieder herstellen.“ Die Beschäftigten zeigen sich aber auch froh über die Freiwilligkeit des Wiedereinstiegs. „Einige hatten Bedenken, da sie ihre Familie keinem Risiko aussetzen wollen. Sie waren sehr dankbar, nicht jetzt schon wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen“, berichtet der Geschäftsführer.

Eine Schwierigkeit gab es für Tolksdorf und seine Mitarbeiter zu meistern: Behinderte, die in speziellen Wohnformen wohnen, und Behinderte, die eigenständig oder bei Angehörigen wohnen, dürfen noch nicht wieder zusammen arbeiten, eine weitere räumliche Trennung wäre nötig. „Wir haben deshalb beschlossen, vorerst keine Behinderten aus speziellen Wohnformen zurück in den Betrieb zu holen.“ Die Gründe sind dabei sehr pragmatisch: Da diese ohnehin durchgehend betreut werden, sei es wichtiger, zuerst die allein lebenden Behinderten zurück an den Arbeitsplatz zu holen.


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