„Behördenengel“ in Baden-Baden unterwegs

Baden-Baden (up) – Die Stadt hat ein neues Ehrenamtsprojekt gestartet, das sich an Menschen mit Behinderung und Senioren richtet. Sie sollen in Hinblick auf ihre Belastungen Unterstützung erhalten.

Behindertenbeauftragte Nora Welsch (rechts) und „Behördenengel“ Mehtap Döger suchen weitere ehrenamtliche Helfer. Foto: Ulrich Philipp

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Behindertenbeauftragte Nora Welsch (rechts) und „Behördenengel“ Mehtap Döger suchen weitere ehrenamtliche Helfer. Foto: Ulrich Philipp

Der Name des Projektes lautet „Behördenengel“: Die Behindertenbeauftrage der Stadt, Nora Welsch, hat es in einem Pressegespräch vorgestellt.
„Der Begriff ,Mental Load’ beschreibt ganz gut, um was es geht“, so Welsch im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. Übersetzt bedeute das englischsprachige Schlagwort so viel wie „psychische oder geistige Belastung“ und beschreibe „ein Phänomen unserer Zeit, dass man nämlich manchmal an so viele Dinge denken muss“, erklärte Welsch. So muss beispielsweise ein Behinderter zunächst behördliche Genehmigungen einholen und sich schriftlich geben lassen, damit er bei einem Arztbesuch ein Taxi nutzen kann, das dann von den zuständigen Institutionen auch bezahlt wird.

An wen muss ich mich bei diesen Fragen wenden? Welches Taxiunternehmen kann auch Fahrgäste im Rollstuhl oder mit Handicaps transportieren? Fragen wie diese können hier auftauchen und Menschen vor Probleme stellen. Genau wie beim Ausfüllen von Online-Formularen oder dem Organisieren von Reisen. „Hier stehen die Behördenengel den Menschen bei“, erklärt die Behindertenbeauftragte und sie ergänzt: „Es soll ein niedrigschwelliges Angebot sein, also pragmatisch ausgerichtet und ohne großen bürokratischen Aufwand, das zudem verhindert, dass Menschen einen Betreuer bekommen müssen.“ Wer Unterstützung in Anspruch nehmen möchte, kann einfach bei Nora Welsch anrufen, (07221) 932018, oder eine E-Mail schicken: behindertenbeauftragte@baden-baden.de. Sie vermittelt dann den Kontakt mit Ehrenamtlichen.

Bislang drei „Engel“ im Einsatz

Einer von drei Behördenengeln, die bereits im Einsatz sind, ist Mehtap Döger. „Ich konnte neun Monate wegen Corona nicht arbeiten“, erklärte die ausgebildete Rezeptionistin, „da fällt einem irgendwann die Decke auf den Kopf“. Zufällig kam sie mit Nora Welsch ins Gespräch, die gerade die Anfrage einer türkischstämmigen Frau auf dem Schreibtisch hatte. „Das hat sich wunderbar ergänzt“, sagte Welsch mit Blick auf Döger, die in Baden-Baden geboren ist und fließend Türkisch spricht. „Manche Familien verstehen die Briefe überhaupt nicht, die sie bekommen“, so Döger, die berichtete, wie sie seither regelmäßig von der Familie zurate gezogen wird und beispielsweise offizielle Schreiben übersetzt oder auch E-Mails verfasst. „Wir sind fast täglich in Kontakt“, berichtete sie.

Welsch betonte an dieser Stelle jedoch, dass es oft um einmalige Angelegenheiten geht, die teilweise mit relativ geringem Aufwand erledigt werden können. Jedem bleibe es selbst überlassen, in welchem Umfang er sich einbringen wolle. Es bestehe auch die Möglichkeit, Fortbildungsangebote in Anspruch zu nehmen. Ziel der Behindertenbeauftragten ist es, Kontaktdaten von Ehrenamtlichen zu sammeln, die sie bei Bedarf anrufen kann und die dann eine Aufgabe als übernehmen können. Interessierte können sich unter den genannten Kontaktdaten melden.

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Ulrich Philipp

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Erstellt:
30. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

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