Bei 40 Millionen soll Schluss sein

Rastatt (ema) – Angesichts prekärer finanzieller Bedingungen fordert OB Hans Jürgen Pütsch vom Gemeinderat, beim Kombibad abzuspecken. Es soll maximal 40 Millionen Euro kosten.

Üppige Wasserflächen im Natura: Das neue Gutachten sieht für das Kombibad erheblichen Verkleinerungsbedarf.Archiv

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Üppige Wasserflächen im Natura: Das neue Gutachten sieht für das Kombibad erheblichen Verkleinerungsbedarf.Archiv

Die Karten für das Kombibad müssen neu gemischt werden. OB Hans Jürgen Pütsch forderte am Montag den Gemeinderat auf, das bisherige Konzept einzudampfen, weil Stadt und Stadtwerke sonst finanziell überfordert wären.

Auslöser der Neuorientierung ist ein Gutachten der Unternehmensberatung Altenburg, die Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk in Auftrag gegeben hatte. Die Zahlen der betriebswirtschaftlichen Betrachtung hätten ihn „erschrocken“, gestand Pütsch am Ratstisch. Kaspryk sprach von einer geschätzten Netto-Investitionssumme von 46 Millionen Euro, die die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadtwerke überfordere, selbst wenn man den städtischen Investitionszuschuss von zehn Millionen Euro einrechne.

Eine „Kosteneinschätzung“ war vor einem Jahr noch von 34,4 Millionen Euro ausgegangen. „Was können wir uns leisten?“, fragte Pütsch in die Runde angesichts steigender Kosten, sinkender Liquidität und wegbrechender Gewerbesteuer.

Geht es nach dem Urteil von Gutachter Dietmar Altenburg, dann ist das Kombibad „deutlich überdimensioniert“. Der Unternehmensberater selbst war nicht zur Sitzung erschienen, weil er sich offenbar mit Stadtwerke-Chef Kaspryk überworfen hatte, wie aus Andeutungen von Kaspryk selbst hervorging. Die große Lösung statt Sanierung der beiden jetzigen Bäder hält der Gutachter zwar weiter für sinnvoll, wie aus dem Referat von Bürgermeister Raphael Knoth hervorging. Allerdings lässt Altenburg kaum ein gutes Haar an dem bisherigen Konzept: Die Wasserflächen im Innenbereich seien kaum multifunktional nutzbar; besonders ineffizient dabei: das Springerbecken. Die für Schulen/Vereine und Kurse nutzbare Nichtschwimmerfläche und das Kleinkinderbecken seien zu gering. Das Ganzjahresaußenbecken hält Altenburg für extrem groß und aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen für „sehr problematisch“. Den Sinn moderner Kombibäder, durch die Nutzung der Innenwasserfläche im Sommer eine deutlich reduzierte Außenwasserfläche anbieten zu können, hält Altenburg beim jetzigen Konzept für verfehlt. Die Wasserflächen seien „überdimensioniert“; der Betriebsaufwand „extrem hoch“.

Obergrenze 40 Millionen

Altenburg schlägt deshalb als Bedarfskonzept für den Innenbereich vor: 25-Meter-Becken, sechs Bahnen, Springerbereich, Lehrschwimmbecken, Multifunktionsbecken mit Hubboden in separierter Badehalle, Kleinkinderbecken (insgesamt 615 Quadratmeter). Außen gäbe es lediglich ein multifunktionales Becken (600 Quadratmeter). Die Stadtverwaltung leitet daraus ein Bedarfskonzept ab, das 36 Millionen Euro verschlingen würde. Zusätzliche Module wären: Springerbecken (zwei Millionen), Rutsche (2,5 Millionen), Ganzjahresbecken (zwei Millionen), Sauna (2,6 Millionen), erweitertes Freibad (3,3 Millionen), Gastronomie (1,3 Millionen).

Welche Bestandteile nun politisch gewollt sind, muss der Technische Ausschuss beraten. Knoth nannte dabei als Kostenobergrenze rund 40 Millionen Euro (inklusive Risikozuschlag und Preisentwicklung). Die Betriebskosten sollen bei maximal 3,3 Millionen Euro pro Jahr liegen (nach aktueller Beschlusslage wären es 4,2 Millionen). Dies könne der steuerliche Querverbund der städtischen Betriebe noch tragen, meinte Pütsch. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass auch auf die defizitäre Verkehrsgesellschaft Rastatt (VERA) im Zuge des Mobilitätspakts wohl höhere Kosten zukommen.

Den Beschluss für das überarbeitete Kombibad-Konzept soll der Gemeinderat im Frühjahr treffen, sodass der Architektenwettbewerb bis spätestens Ende dieses Jahres abgeschlossen werden kann. Zuletzt sah der Zeitplan vor, mit dem Bau im Frühjahr 2023 zu beginnen.


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