Bei Arku überlagern sich Abschwung und Corona-Krise

Baden-Baden (mb) – Mit einem Auftragsminus von rund 50 Prozent im Vergleich zu 2019 rechnet Arku Maschinenbau für das laufende Jahr. Verantwortlich dafür ist aber nicht nur die Corona-Pandemie: „Der allgemeine Abschwung, speziell in der Automobilbranche, überlagert sich mit den Auswirkungen von Corona“, so der geschäftsführende Gesellschafter Albert Reiss.

Arku-Firmenzentrale in Haueneberstein: 35 Prozent der rund 170 dort Beschäftigten sind derzeit in Kurzarbeit. Foto: Arku

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Arku-Firmenzentrale in Haueneberstein: 35 Prozent der rund 170 dort Beschäftigten sind derzeit in Kurzarbeit. Foto: Arku

Arku ist nach eigenen Angaben Markt- und Innovationsführer bei Richtmaschinen, die Bleche glätten und entgraten. In dieser „extrem zyklischen Branche“ habe Arku bis 2018 durch gute Geschäfte ein Polster aufbauen können. 2019 ging die Nachfrage um bis zu 25 Prozent zurück, dieser Trend wird nun durch die Corona-Krise verstärkt.

Am Hauptsitz in Baden-Baden-Haueneberstein sind laut Reiss 35 Prozent der rund 170 Beschäftigten seit Anfang April in Kurzarbeit. Eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds gebe es nicht. Das Unternehmen habe aber vor kurzem die Gewinnbeteiligung für 2019 an die Mitarbeiter ausbezahlt, so dass die finanziellen Einbußen durch Kurzarbeit etwas gemildert würden, so Reiss.

Finanzhilfe für Arku-Tochter in den USA

80 Prozent des Auslandsgeschäfts spielen sich in den USA und in China ab, wo Arku jeweils eine Niederlassung mit rund 15 Beschäftigten unterhält, die sich um Vertrieb, Service und Dienstleistung kümmern, während die Produktion am Stammsitz in Haueneberstein stattfindet. Die Tochterfirma in China sei wegen Corona für sechs Wochen komplett geschlossen gewesen, nun „fährt das Land fast wieder im Normalmodus, was uns hilft, wenn es auch hier wieder losgeht“, so Reiss. In den USA habe die Arku-Tochter unbürokratisch und schnell staatliche Finanzhilfe bekommen, die Entlassungen vermeiden sollen.

Albert Reiss. Foto: Arku

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Albert Reiss. Foto: Arku

Eine Reduzierung der Belegschaft am Hauptsitz ist für Reiss derzeit kein Thema. Der Ingenieur- und Facharbeitermangel in den vergangenen Jahren „hat uns geprägt, wir sind froh, dass wir diese Mitarbeiter haben“.

Die Corona-Krise trifft Arku nicht unmittelbar. Die Durchlaufzeit bei den Maschinen liegt bei drei bis acht Monaten, momentan werden die vorliegenden Aufträge „mit angezogener Handbremse“ ausgeführt. Es kommt dem Maschinenbauer entgegen, dass es in der Wertschöpfungskette derzeit keine Verknappungen gebe: „Wir bekommen alles, was wir brauchen, überwiegend aus Deutschland“, so der geschäftsführende Gesellschafter. Im vierten Quartal werde der Rückgang durch Corona jedoch bei Arku ankommen.

Existenzgefährdend für die Weltwirtschaft sei dieser Knick nicht, wenn er nicht allzu lange andauere. Für vier bis acht Wochen sei das zu bewältigen, „aber auf ewig lässt sich das nicht durchhalten“, betont Reiss, der sich bald „Licht am Ende des Tunnels“ wünscht. „Bei Arku stellen wir uns auf eine längere Krise von mindestens einem Jahr ein – damit werden wir fertig.“

„Jetzt braucht es Perspektiven“

Die von der Politik angeordneten Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und die gleichzeitigen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft seien richtig gewesen: „Als Staatsbürger muss ich sagen, das hat Deutschland sehr gut gemacht“ – und hilfreiche Fördermittel gewährt. „Ich habe Vergleiche mit anderen Ländern: In China gibt es zum Beispiel keine Kurzarbeit.“

Grundsätzlich gehe die Gesundheit vor, „aber jetzt braucht es auch Perspektiven“, so Reiss. Die Zukunft hänge davon ab, „wie sich die Welt insgesamt erholt“. Er hege „große Sympathien“ dafür, dass sich die Weltgemeinschaft solidarisiere und die Staaten nicht nur an sich selbst dächten. Deutschland sei als „Exportnation Nummer eins“ vom Zustand der Weltwirtschaft abhängig. Sich nur um die hiesigen Firmen zu kümmern, „wäre zu kurz gedacht“.

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Erstellt:
18. April 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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