Bei Hochwasser fährt das Klo hoch

Rastatt (sie) – Die Stadt Rastatt plant ein neues Imbiss- und Sanitärgebäude am Rhein in Plittersdorf – mit einem innovativen Detail: Bei Hochwasser kann die Toilette angehoben werden.

Drei Container, ein geschwungenes Dach: So soll das Imbiss- und Sanitärgebäude auf der Fährwiese aussehen. An den Stützen könnten die Container angehoben werden. Repro: Büro Basicc

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Drei Container, ein geschwungenes Dach: So soll das Imbiss- und Sanitärgebäude auf der Fährwiese aussehen. An den Stützen könnten die Container angehoben werden. Repro: Büro Basicc

Handelt es sich um ein Projekt für einen Eintrag ins Schwarzbuch der Steuerzahler oder um geniale Innovation? Die Stadt Rastatt plant, die Rheinpromenade bei Plittersdorf attraktiver zu gestalten. Vorgesehen sind auch neue Sanitäranlagen. Das Problem: Regelmäßig fluten Hochwasser die Promenade. Ein Ingenieurbüro hat eine Lösung ausgetüftelt, bei der ein Motor die Klos in einem solchen Fall anheben soll. Die Mitglieder des Technischen Ausschusses zeigten sich am Montagabend skeptisch. Auch Bürgermeister Raphael Knoth machte keinen Hehl daraus, dass ihm das Konzept anfangs suspekt erschien: „Ich kann die Bedenken verstehen.“ Inzwischen sei er aber von der Lösung überzeugt.

Hubwerk soll Container um eineinhalb Meter anheben

Bislang sorgt ein Imbisswagen an der Rheinpromenade für die Verpflegung von Ausflüglern, daneben stehen Dixi-Toiletten bereit. Teil der geplanten Umgestaltung des Areals, die den Gemeinderat schon oft beschäftigt hat, ist der Bau eines Pavillons auf der Fährwiese. Dieser beinhaltet drei Container: einer für einen Imbiss, einer als Lagerraum und einer für Toiletten.

Das Dach hat eine Wellenform und ruht auf Stahlstützen. Diese Stützen wollen die Ingenieure eines beauftragten Büros nutzen, um die Container vor Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Ein sogenanntes Spindelhubwerk könnte sie mit den Stützen als Führung um eineinhalb Meter nach oben heben. Als Antrieb dient ein Motor, es ist auch ein Notbetrieb per Hand möglich.

Ingenieur Max Beyer warb im Ausschuss für diese Lösung: „Die Spindel gibt es seit der Antike.“ Er gestand allerdings auch ein, dass Ingenieure und Stadt bei der Umsetzung Neuland betreten würden: „Wir haben schon alles mögliche angehoben, aber keinen Kiosk oder eine Toilette.“

Sein Kollege Mathias Christoffel erklärte, dass sie auch Alternativen untersucht hätten, zum Beispiel ein Container mit Türen, die sich wasserfest verbarrikadieren ließen. Das habe sie aber nicht überzeugt: „Wir glauben nicht, dass das sicher ist.“ Eine andere Möglichkeit wäre, das Gebäude auf eine Höhe von eineinhalb Meter aufzubocken. Um einen barrierefreien Zugang zu gewährleisten, müssten dann allerdings lange Rampen gebaut werden: „Das würde die ganze Wiese dominieren.“

Diese Lösung schloss auch Knoth aus: „Das kann keiner wollen.“ Aus seiner Sicht sei die einzige Alternative zum hochfahrbaren Klo, es bei der aktuellen Situation zu belassen. Sprich: Imbisswagen mit Dixi-Toiletten, die bei Hochwasser jedes Mal abtransportiert werden müssten. Er zeigte sich überzeugt, dass das innovative Konzept greife: „Damit werden wir beim vorbildlichen Bauen rauskommen und nicht im Schwarzbuch der Steuerzahler.“

Die Stadträte äußerten sich weniger optimistisch. Michael Weck (SPD) sagte: „Ich sehe gute Chancen für das Schwarzbuch.“ Der Aufwand, der an dieser Stelle für eine Toilette und einen Imbiss betrieben werde, sei ihm viel zu groß: „Für mich ist das ein Prototyp. Und die haben ihre Tücken.“ Auch Volker Kek (AfD) prognostizierte: „Das kann ja nur Probleme machen.“

Stadträte schlagen Alternativen vor

Andere Stadträte brachten Alternativen ins Spiel. Erich Wölfle (FDP) schlug vor, Imbiss und Toiletten auf einem Boot zu installieren, das an einer Kette im Hochwasser treiben könnte. Manuel Hummel thematisierte schwimmende Häuser, wie sie es in den Niederlanden gebe. Sowohl Knoth als auch die Ingenieure sahen diese Vorschläge aus Kosten- und Technik-Gründen kritisch.

Der Plittersdorfer Ortsvorsteher Mathias Köppel (CDU) verstand die Grundsatzdiskussion nicht, zumal das Konzept dem Gremium in der Vergangenheit bereits präsentiert worden sei. Für ihn seien eher die entscheidenden Fragen, ob die Anzahl der Toiletten und der Lagerraum ausreichend dimensioniert seien – und nicht, „ob die Spindel funktioniert“.

Ob die Stadt das innovative Klo am Ende tatsächlich baut, ist offen. Eine Entscheidung darüber stand am Montag noch nicht an.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
10. März 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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