Bei den Fingermanns herrscht Hochbetrieb wie eh und je

Rastatt (ema) – Ungeachtet der Ankündigung des Landratsamts, gegen die Vogelauffangstation Fingermann einen befristeten Aufnahmestopp bis Ende September zu verhängen, läuft der Betrieb weiter.

Weiter alle Hände voll zu tun hat Pierre Fingermann. Foto: Egbert Mauderer

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Weiter alle Hände voll zu tun hat Pierre Fingermann. Foto: Egbert Mauderer

Grund: Die Behörden kommen der Bitte der Vogelschützer nach, zunächst in einem gemeinsamen Gespräch zu erörtern, unter welchen Voraussetzungen die Station in der Münchfeldsiedlung weiterbetrieben werden kann.
Damit scheinen beide Seiten nach der Eskalation des Konflikts im Juli nun eine Basis zu suchen, um der Arbeit der Vogelschützer eine rechtskonforme Zukunft geben zu können. Die Zusammenkunft soll von Vertretern des Regierungspräsidiums moderiert werden. „Wir wollen eine einvernehmliche Lösung“, betont Pierre Fingermann, der die Station seit rund 28 Jahren betreibt.

„Wenn wir gebraucht werden, sind wir da“

Wie berichtet, rügte das Veterinäramt „gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ und sprach dabei vor allem von Mängeln bei der medizinischen Versorgung und der artgerechten Fütterung sowie schlechten hygienischen Bedingungen.

Pierre Fingermann und sein Enkel Kevin haben sich jeweils einen Anwalt an die Seite geholt. In einer vorläufigen Stellungnahme räumt man lediglich bauliche Mängel bei den Volieren/Käfigen ein, die man inzwischen behoben habe. Eine Verletzungsgefahr sei dort nicht mehr gegeben. Auch auf die Hygiene werfe man nun intensiver ein Auge, sagte Pierre Fingermann dem BT. Dass man die Tiere nicht artgerecht füttere, weisen die Vogelschützer zurück – ebenso wie die Mutmaßung, dass man angesichts des regen Betriebs überfordert sei.

Jedenfalls berichtet Pierre Fingermann, dass der Betrieb mit der gleichen Intensität wie in den Jahren zuvor laufe. Allerdings habe man mittlerweile Verstärkung durch Ehrenamtliche und Freunde bekommen.

Dass im Hause Fingermann nach wie vor einiges los ist, zeigte sich allein gestern Morgen. Drei junge Schleiereulen wurden aus Malsch angeliefert; ein Mauersegler, der sich in Gaggenau in einem Fliegengitter verhakt hatte, kam ebenfalls in die Obhut im Münchfeld.

Im Landratsamt sieht man das Gespräch Ende des Monats als Abschluss des Anhörungsverfahrens. Danach werde das Veterinäramt in seiner Funktion als Tierschutzbehörde über weitere Maßnahmen entscheiden, heißt es auf BT-Nachfrage.

Strittig dürfte dabei auch das Thema Auswilderung der Tiere sein. Nach Auskunft aus dem Landratsamt hat das Veterinäramt in einer Verfügung Regeln zur Auswilderung von Vögeln festgehalten und den Fingermanns zukommen lassen. Darin ist beispielsweise beschrieben, welche Anforderungen an die Käfiggröße für auszuwildernde Vögel gestellt werden. Weil bei Kontrollen festgestellt wurde, dass diese Vorgaben nicht erfüllt wurden, seien Vögel anderweitig an geeigneter Stelle untergebracht worden, so die Behörde.

Pierre Fingermann bringt für die Einschränkungen der Verwaltung kein Verständnis auf. Er habe bereits mehr als 1.200 Greifvögel wieder fliegen lassen. „Da habe ich mehr Erfahrung als mancher Falkner.“

In der Frage der medizinischen Versorgung der Tiere nehmen die Vogelschützer für sich in Anspruch, in kritischen Fällen durchaus einen Tierarzt aufzusuchen. Allerdings wirft die Familie auch in die Waagschale, dass Kevin Fingermann ausgebildeter Tiernotfallsanitäter ist und damit die jeweilige Situation tiergerecht einschätzen könne. Für die Vogelschützer jedenfalls gilt weiter: „Wenn wir gebraucht werden, sind wir da.“


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