Bei der Neuordnung der Rastatter Reisigplätze kochen die Emotionen

Rastatt (hr) – Die geplante Neuordnung der Rastatter Reisigplätze trifft einen Nerv. Bei einer städtischen Infoveranstaltung hagelte es Kritik der Bürger.

Der Reisigplatz beim Rastatter Klärwerk: Er soll nicht nur ertüchtigt, sondern auch ausgebaut werden. Foto: Hans Riemer

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Der Reisigplatz beim Rastatter Klärwerk: Er soll nicht nur ertüchtigt, sondern auch ausgebaut werden. Foto: Hans Riemer

Bürgermeister Raphael Knoth und Planer Matthias Kühle-Weidemeier vom Umweltingenieurbüro ICP hatten keinen leichten Stand. Das lag nach Einschätzung einiger Teilnehmer auch an der falschen Kommunikation im Vorfeld. „Uns wurde fälschlich vermittelt, die Reduzierung sei eine beschlossene Sache.“

Knoth erwiderte, man wolle in einer offenen Diskussion die Reisigplätze in Rastatt zukunftsfähig machen; es sei noch nichts entschieden. Wie berichtet, sieht das vorgeschlagene Konzept eine Schließung der Reisigplätze Ottersdorf, Plittersdorf und Rauental vor; Niederbühl, Wintersdorf und der Kernstadt-Sammelplatz beim Klärwerk sollen ertüchtigt werden.

Die Kosten für den rechtskonformen Ausbau schätzt Gutachter Kühle-Weidemeier auf 300.000 Euro pro Platz. Außerdem wolle man die Betriebskosten senken und längere sowie praxisgerechtere Öffnungszeiten einplanen.

Bei den aktuellen Rastatter Reisigplätzen handelt es sich vorwiegend um Nachnutzungen ehemaliger Ortsmüllkippen, die nach den Regelungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes die heutigen technischen Anforderungen nicht erfüllen und mittelfristig nicht mehr betrieben werden dürften. Unbeantwortet blieb allerdings der Hinweis einer Bürgerin aus Rauental, die im Landratsamt erfahren habe, dass dies nur für den Grünschnitt gelte – und der könne über aufgestellte Container eingesammelt werden, um die Plätze im jetzigen Zustand belassen zu können.

Der von Kühle-Weidemeier ausgearbeitete Grünabfallplan sieht unter anderem vor, dass die sanierten Plätze eingezäunt werden. Die asphaltierte, pflegeleichte und flexibel nutzbare Oberfläche soll verhindern, dass weiterhin Wasser durch die alten Mülldeponien dringt und möglicherweise das Grundwasser verunreinigt. Eine Fläche wird für Grünschnitt teilüberdacht.

Knoth: Unter der Gürtellinie

Heftig widersprochen wurde der Einschätzung des Gutachters, dass die Plittersdorfer, Ottersdorfer und Rauentaler Einwohner, die zusammen nur ein Drittel der jährlichen Grünabfallmengen aufbringen, nur zwischen ein und drei Kilometer mehr zurücklegen müssen. „Sie haben nicht berücksichtigt, dass wir in der Regel mehrmals täglich mit einem Traktor mit Anhänger unseren Baumschnitt abliefern, was auf öffentlichen Straßen zu größeren Behinderungen führt“, führten unter großem Beifall mehrere Redner aus. Der Planer habe in den Berechnungen auch nicht die Mehrkosten für die Abfahrt des Grünschnitts von den Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und Sportstätten berücksichtigt, die von städtischen Mitarbeitern gepflegt werden.

Als Alternative nannte Kühle-Weidemeier, dass in der Schnittzeit auch Grünabfall-Container aufgestellt werden könnten. Mit viel Beifall wurde der Vorschlag aufgenommen, je einen neuen Reisigplatz zwischen Plittersdorf und Ottersdorf und zwischen Niederbühl und Rauental zu bauen und die Plätze in Rastatt und Wintersdorf zu sanieren.

Unter der Gürtellinie empfand Bürgermeister Raphael Knoth den Vorwurf, dass er und der Gutachter keine Ahnung und Erfahrung mit Streuobstwiesen oder dem Umgang mit einem Traktor hätten und die Verhältnisse nicht einschätzen könnten.

Knoth kündigte an, dass die Anregungen nach Möglichkeit bei der Umsetzung des Grünabfallplans berücksichtigt werden sollen. Das Konzept wird nun zunächst in allen Ortschaftsräten diskutiert.

Was den Reisigplatz Niederbühl angeht, für den bereits eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vorliegt, soll Knoth zufolge der Umbau erst beginnen, wenn die Brücke über die Bahngleise fertig ist. Die Bauarbeiten für die Brücke beginnen am 12. November.


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