Bei der Rampe hört die Inklusion auf

Rastatt (ema) – Für die früheren Räume der Buchhandlung Thalia will Hauseigentümer Thomas Hatz eine Außenrampe errichten. Die Stadtverwaltung lehnt ab – trotz des sonst propagierten Willens zur Inklusion.

In die ehemaligen Räume der Buchhandlung Thalia in der Poststraße zieht der Barfußschuh-Händler Leguano ein. Eine Außenrampe lehnt die Verwaltung ab. Foto: ema

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In die ehemaligen Räume der Buchhandlung Thalia in der Poststraße zieht der Barfußschuh-Händler Leguano ein. Eine Außenrampe lehnt die Verwaltung ab. Foto: ema

Eigentlich könnte Thomas Hatz ganz zufrieden sein. In die Räume der ehemaligen Buchhandlung Thalia in der Poststraße wird zum 1. April der Barfußschuh-Händler Leguano einziehen. Doch der Immobilieneigentümer ärgert sich seit Monaten mit der Stadtverwaltung herum. Hatz darf am Eingang keine Rampe für die Barrierefreiheit errichten. Der Vermieter kann nur den Kopf schütteln: Der Oberbürgermeister spreche ständig davon, dass Rastatt barrierefrei werde – und dann das.
Seit dem letzten Herbst steht Hatz in Kontakt mit der Verwaltung. Anfangs sah es auch ganz gut aus, berichtet der Chef der früheren Rastatter Traditionsbrauerei. Für das Haus, das sein Vater in den 50er Jahren baute, um für Mitarbeiter Wohnraum zu schaffen, hätten städtische Mitarbeiter einen Gestattungsvertrag in Aussicht gestellt. Aufgrund dieses Signals fand Hatz auch den Mieter für das Erdgeschoss.

Doch dann rückte die Verwaltung scheibchenweise von ihrem Entgegenkommen ab, wie Hatz in seiner Chronologie auflistet. Zunächst wurde ihm beschieden, dass weitere Fachbereiche hinzugezogen werden müssten. Dann habe ihm Stadtplaner Markus Reck-Kehl erläutert, dass das barocke Stadtbild zu berücksichtigen sei und man würdigen müsse, dass mit einer solchen Rampe ein Präzedenzfall in der Innenstadt geschaffen werde.

Hatz wandte sich an OB Hans Jürgen Pütsch und erinnerte ihn an den kommunalen Aktionsplan Inklusion, in dem als Ziel für Geschäfte und private Dienstleister zu lesen ist: „Alle Menschen sollen selbstständig und selbstbestimmt ihren Lebensalltag bewältigen und Dienstleistungen barrierefrei in Anspruch nehmen können.“ Die Stadt unterstütze private Dienstleister, inklusive und barrierefreie Angebote umzusetzen, etwa barrierefreie Zugänge.

OB fürchtet „Skateranlage“

Am Willen zur Unterstützung kann Thomas Hatz indes nichts feststellen. Bei einem Neujahrsempfang Mitte Januar sprach er direkt den Rathaus-Chef an, der ihm signalisiert habe, dass die Stadt wohl kaum barrierefreie Zugänge anstrebe und dann deren Umsetzung verhindere.

Als der Hauseigentümer im Februar nachfasste, hieß es plötzlich, die Angelegenheit solle im Gemeinderat behandelt werden. Zwar kam Ende Februar der neue Wirtschaftsförderer Torsten von Appen zum Gespräch – doch ohne Unterlagen und ohne Kenntnis des vorangegangenen Informationsaustauschs.

Vor wenigen Tagen kam dann das, was sich in den Monaten zuvor andeutete: Die Rampe wird nicht genehmigt. In seiner Begründung schreibt OB Pütsch, die Poststraße als Fußgängerzone werde durch die Außenrampe eingegrenzt, das Schaufenster sei nur noch aus der Entfernung einsehbar und die Baumquartiere wären nicht mehr frei anfahrbar und könnten somit nicht gepflegt werden. Würde man die Außenrampe außerdem als Präzedenzfall genehmigen, müsse man mit einer Vielzahl von Nachahmern rechnen – mit der Folge, dass sich die Poststraße negativ verändern würde und einer „Skateranlage“ gleichkäme, schreibt Pütsch.

Stattdessen plädiert der Rathaus-Chef für eine städtebaulich vertretbare Alternativlösung – etwa eine Rampe innerhalb des Gebäudes oder Einbau eines Treppenlifts.

Diese Alternativen hat Hatz in der Tat vom Architekten prüfen lassen. Ergebnis: Eine innen liegende Lösung in dem 100 Quadratmeter großen Verkaufsraum sei nicht zu machen, weil dafür allein 15 Quadratmeter Platz benötigt werde. Und ein Plattformlift wird nach Einschätzung des Hauseigentümers nur schlecht angenommen und müsste ebenfalls auf städtischem Grund installiert werden. Dagegen hält Hatz die Außenrampe als leichte Stahlkonstruktion mit einem engmaschigen Gitterrostbelag für die gefälligere Lösung.

Die vom OB genannten Gründe hält Hatz für vorgeschoben. Er rügt nicht nur, dass sich das Hin und Her fast ein halbes Jahr hingezogen hat. Dem Eigentümer stößt auch sauer auf, dass sich die Verwaltung wenig einzelhandelsfreundlich zeige und dem Anspruch in Sachen Inklusion nicht gerecht werde. Hatz: „Das ist widersprüchlich zu dem, was man sonst an die große Glocke hängt.“


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