Beim FLZ ist hohes Maß an Konzentration notwendig

Offenburg (for) – Das Führungs- und Lagezentrum gilt als Herzstück des Polizeipräsidiums Offenburg. Die Mitarbeiter des FLZ nehmen Notrufe entgegen und koordinieren die Einsätze.

Rund 98.400 Einsätze sind im Jahr 2020 beim Führungs- und Lagezentrum Offenburg eingegangen. Foto: Krekel/Archiv

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Rund 98.400 Einsätze sind im Jahr 2020 beim Führungs- und Lagezentrum Offenburg eingegangen. Foto: Krekel/Archiv

„Polizeinotruf, was kann ich für sie tun?“, sagt Einsatzsachbearbeiterin Katharina Fuchs mit ruhiger Stimme zu der Person am anderen Ende der Leitung. Mehrmals am Tag wiederholt sie diese Frage, immer dann, wenn ein neuer Notruf im Führungs- und Lagezentrum (FLZ) beim Offenburger Polizeipräsidium eingeht. Im vergangenen Jahr ist das rund 270-mal am Tag passiert, insgesamt 98.403 Notrufe zählt das FLZ im Jahr 2020. Bei jedem einzelnen gilt es, möglichst schnell zu handeln.

Anrufe sind immer unterschiedlich

Was Fuchs als Antwort bekommt, kann ganz unterschiedlich sein. „Jeder Anruf ist anders und man weiß vorher nie, was einen erwartet“, sagt sie. Wichtig ist in jedem Fall, konzentriert zu sein, Ruhe zu bewahren und dennoch zügig zu agieren, denn oft können Sekunden entscheidend sein. „Die Anrufer befinden sich meistens in einer Ausnahmesituation, reagieren emotional. Unsere Mitarbeiter müssen sich in sie hineinfühlen, sie abholen und so möglichst schnell viele wichtige Informationen herausbekommen“, erklärt Polizeioberrat Markus Huber, Leiter des FLZ. Eine Aufgabe, der nicht jeder gewachsen ist: Neben einer hohen Stressresistenz müssen die Mitarbeiter im FLZ laut Huber sehr belastbar sein und eine hohe technische Affinität aufweisen. „In der Regel sind sie zuvor lange Zeit im Streifendienst tätig gewesen und können deshalb einen hohen Erfahrungsschatz im polizeilichen Alltagsgeschehen vorweisen“, sagt er. Rund 50 Personen arbeiten im FLZ in Offenburg im Schichtdienst und generieren an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr die zentrale Aufnahme aller Notrufe aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg. Dieser erstreckt sich über den Ortenaukreis, den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden. „Wir betreuen rund 700.000 Einwohner in 75 Städten und Gemeinden“, fasst Huber zusammen.

„Herzstück des Polizeipräsidiums“

Polizeipräsident Reinhard Renter bezeichnet das FLZ als „Herzstück“ des Polizeipräsidiums. Um künftige Aufgaben noch besser und professioneller angehen zu können, wird das FLZ im August in einen größeren und modernisierten Erweiterungsbau umziehen, kündigt er an.

Während die Einsatzsachbearbeiter aktiv Notrufe entgegennehmen und somit die erste Stelle sind, an die sich Hilfesuchende wenden, sind die Einsatzassistenten für den Einsatz an sich zuständig. Sie begleiten das tägliche Einsatzgeschehen und unterstützen dabei Polizeihauptkommissar Jürgen Aupperle. Er ist Polizeiführer vom Dienst und laut Huber „der Chef im Ring“. Als Zuständiger für die Zentrale Einsatzführung muss er mit seinem Team wesentliche Entscheidungen treffen. „Dafür arbeiten wir immer wieder eng zusammen mit dem Innenministerium, dem Landeskriminalamt und mit unseren benachbarten Präsidien“, so Aupperle. Außerdem seien er und sein Team dafür zuständig, beispielsweise Entschärfer, Hubschrauber Spezialeinsatzkräfte oder Hundestaffeln anzufordern. „Und natürlich haben wir auch externe Partner wie die integrierten Leitstellen des Rettungsdienstes und der Feuerwehr, mit denen wir eng und auf Knopfdruck zusammenarbeiten.“ Im Bereich der Grenze sei die Bundespolizei ein wichtiger Partner.

2020: Rund 135.300 Einsätze

Im Rahmen dieser zentralen Einsatzführung müssten etwa Handyortungen vorgenommen, Abschleppdienste oder Bestatter angefordert und mitunter auch der Verkehrswarndienst benachrichtigt werden. Auch die Pressearbeit spiele eine wichtige Rolle, etwa bei öffentlichen Fahndungen.

Rund 135.300 Einsätze wurden 2020 insgesamt betreut, das sind im Schnitt 370 pro Tag. Die Differenz zur Anzahl der eingegangenen Notrufe begründet Huber damit, dass auch jedes Polizeirevier und jede Streife Einsätze generieren kann. Als „Großkampfzeit“ bezeichnet er den Zeitraum zwischen 10 Uhr morgens und 2 Uhr nachts. Insbesondere am Wochenende und an besonders warmen Tagen, wenn sich viele Menschen im Freien aufhielten, steige die Anzahl der Einsätze. „Dann kann es auch vorkommen, dass wir an einem Tag 500 Einsätze bewerkstelligen müssen“, merkt Aupperle an. Das sei dann natürlich eine doppelte Herausforderung. „Wir bekommen das hin, aber wir arbeiten dann schon an der Grenze der Belastung.“


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