„Beim Radverkehr am Ball bleiben“

Offenburg/Sinzheim (naf) – Die bundesweite Aktion sicher.mobil.leben hat in diesem Jahr die „Radfahrer im Blick“. Auch in Mittelbaden durchgeführte Kontrollen sollten sensibilisieren.

Mit der Laserpistole können Raser bereits aus 100 Meter Entfernung wahrgenommen werden. Sie sollen für die Gefahr, die von ihnen ausgeht, sensibilisiert werden. Foto: Nadine Fissl

© naf

Mit der Laserpistole können Raser bereits aus 100 Meter Entfernung wahrgenommen werden. Sie sollen für die Gefahr, die von ihnen ausgeht, sensibilisiert werden. Foto: Nadine Fissl

Trotz zuletzt stark rückläufiger Gesamtunfallzahlen hat das Polizeipräsidium Offenburg schon wieder alle Hände voll zu tun. Es sind die Radfahrer, die den Beamten vermehrt Sorgen bereiten. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der polizeilich registrierten Fahrradunfälle und der verletzten Radfahrer kontinuierlich an – dem will man nun mit der bundesweiten Aktion sicher.mobil.leben unter dem diesjährigen Motto „Radfahrer im Blick“ entgegenwirken.

Das Wetter hätte besser sein können, als sich die Beamten des Polizeireviers Baden-Baden am Mittwoch gegenüber der Lothar-von-Kübel-Realschule in Sinzheim aufstellten. Doch die Laserpistole stört sich weder an Regen noch Hagel, wenn sie die Geschwindigkeit der passierenden Fahrzeuge aufzeigt. Fahrer, die über sechs Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs waren, wurden herausgezogen. Das Besondere an diesem Tag: Sie wurden nicht nur über ihr Fehlverhalten aufgeklärt, sondern auch darauf aufmerksam gemacht, was dieses im schlimmsten Fall für Fahrradfahrer bedeuten kann.

Aktionstag für Radfahrer

Der bundesweite Aktionstag am Mittwoch wurde ganz den Radfahrern gewidmet. Auf sie sollen „besonders auch Autofahrer ein Augenmerk legen“, sagte der stellvertretende Revierleiter in Baden-Baden, Andreas Faber, vor Ort.

Darum lag der Fokus bei den Kontrollen von insgesamt 828 Fahrzeugen im gesamten Zuständigkeitsgebiet – Ortenaukreis sowie Kreise Rastatt und Baden-Baden – nicht nur auf Verkehrstüchtigkeit oder technischer Ausstattung von Fahrrädern. Neben dem Verhalten von Radfahrern und Fußgängern wurde auch das der stärkeren Verkehrsteilnehmer von mobilen sowie festen Teams unter die Lupe genommen, dazu zählen auch die Geschwindigkeitsmessungen in Sinzheim. Die Beamten hatten sich „gezielt im Bereich der Schule“ platziert, so Faber. Gerade dort müssten Autofahrer verstärkt Rücksicht nehmen. Acht Fahrer, die innerhalb einer guten Stunde mit Verstößen im unteren Verwarnungsbereich notiert wurden, haben das in Sinzheim nicht. Im gesamten Zuständigkeitsgebiet waren es 301 Fahrzeuge (131 Fahrräder und Pedelecs sowie 170 Pkw), bei denen die Beamten etwas beanstanden konnten – 72 davon in Mittelbaden.

Politik sagt Steigerung des Radverkehrs vorher

Bei dieser Zahl wird es nicht bleiben, wie Polizeivizepräsident Jürgen Rieger gestern ankündigte. „Wir bleiben beim Thema Radverkehr am Ball und werden das gesamte Jahr über regelmäßige Kontrollen durchführen,“ dabei helfen soll die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Kommunen (AGfK). Die Entwicklung der Unfälle mit Fahrradfahrern sei „besorgniserregend“, vor allem im Hinblick darauf, dass „auch die Politik eine deutliche Steigerung des Radverkehrs vorhersagt“. Rieger setzt auf Prävention, und darauf, bewusst zu machen, dass „die meisten Unfälle passieren, weil Regeln nicht eingehalten werden oder Verkehrsteilnehmer sich überschätzen“.

Vor allem bei Pedelecs komme das häufig vor, führt der Polizeidirektor Peter Westermann aus. Diese seien „kein Nischenprodukt mehr, und die Zielgruppen dafür sind nicht mehr nur Senioren“. Mit fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr sei die Zahl der Pedelec-Unfälle 2020 „regelrecht explodiert“, so Westermann. Und auch in diesem Jahr habe es schon vor der Sommersaison bereits 44 Unfälle gegeben – das Präsidium erwartet eine weitere Steigerung im Vergleich zu 2020.

Westermann „betrübt, dass rund zwei Drittel aller Fahrradfahrer, die in Baden-Württemberg bei einem Unfall ihr Leben verloren haben, ohne Helm unterwegs waren.“ „Ein guter Helm muss nicht teuer sein, er muss nur gut sitzen“, ergänzt Susanne Steudten. Die Polizeioberrätin macht außerdem darauf aufmerksam, was für eine große Rolle Ablenkung im Straßenverkehr spielen kann. Die diesjährigen Präventionsaktionen sollen Informationen wie diese in das Bewusstsein der Fahrrad-, Pedelec- und Autofahrer rufen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.